Mitarbeiter der Zuwebe: Abpacken, damit die Überraschung gelingt

Am Standort der Zuwebe im Hünenberger Bösch werden bis zum 6. Dezember rund 15000 Chlaussäcke produziert.

Rahel Hug
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Philippe Mercier bereitet die Süssigkeiten zum Abfüllen vor. (Bild: Stefan Kaiser, Hünenberg, 11. November 2019)

Philippe Mercier bereitet die Süssigkeiten zum Abfüllen vor. (Bild: Stefan Kaiser, Hünenberg, 11. November 2019)

Im Lager des Zuwebe-Gebäudes im Hünenberger Bösch liegt der Duft von Lebkuchen und Spanischen Nüssli in der Luft. Fünf Menschen mit einer Beeinträchtigung, Klienten der Zuwebe, sind konzentriert bei der Arbeit. Ihre Aufgabe ist es, Nüsse, Schokolade und Guetzli in die vorbereiteten Baumwollsäcke abzufüllen, diese zu wägen, zuzubinden und für den Versand parat zu machen. Zirka 15 000 Chlaussäcke produziert die Institution mit Hauptsitz in Baar jedes Jahr, verkauft werden sie über den Onlineshop, an Unternehmen sowie am Weihnachtsmarkt in Inwil vom 23. und 24. November.

Philippe Mercier ist bereits ein erfahrener Chlaussack-Produzent, hat er doch schon die letzten Jahre in diesem Bereich der Werkstatt mitgeholfen. «Die Arbeit macht mir Spass», sagt der Zuwebe-Mitarbeiter. «Besonders gefällt mir, dass es hier schön ruhig ist.» Er zeigt dem Besuch das genaue Vorgehen beim Abfüllen der Säcke. Zuerst werden die Baumnüsse und die Spanischen Nüssli gewogen und in einen Behälter gefüllt. «Es müssen genau 210 bis 212 Gramm sein», erklärt Mercier. Dann gilt es, die Süssigkeiten dazuzugeben. Wie viele Lindor-Kugeln oder Sugus es sein müssen, zeigen auf dem Tisch angebrachte Zettel. «Bei den Sugus müssen wir zum Beispiel darauf achten, dass verschiedene Farben in den Sack kommen.» Nach dem Abfüllen prüft eine Betreuerin oder ein Betreuer, ob das Gesamtgewicht stimmt. Die Chlaussäcke der Zuwebe sind in fünf verschiedenen Grössen erhältlich. Nachdem auch der Lebkuchen im Beutel ist, wird dieser zugebunden und die Etikette angefügt. Sind die «Stationen» zum Befüllen leer, sorgt Philippe Mercier für Nachschub: Das Warenlager befindet sich nur ein paar Meter entfernt.

Auch Pannen gehören dazu

«Wägen und Zählen sind die wichtigsten Eigenschaften, die die Klienten hier mitbringen müssen», sagt Rös Bühlmann, Fachangestellte Betreuung. Die Mitarbeitenden mit Beeinträchtigung würden sehr selbstständig arbeiten, sagt die erfahrene Betreuerin. «Ich habe das Gefühl, sie brauchen Jahr für Jahr weniger Anweisungen.» Die Arbeit in der Chlaussack-Produktion sei beliebt, ergänzt Bühlmann. «Es bringt Abwechslung in den Arbeitsalltag.» Auch Pannen gehören dazu – wie bei jedem Unternehmen, wo Menschen arbeiten. «Es kommt vor, dass ich Säcke wieder ausleeren muss, wenn das Gewicht nicht stimmt», so die Betreuerin. Einmal sei zum Beispiel die Waage falsch justiert gewesen.

Eine Herausforderung sei auch die Umstellung, wenn die Grösse der Säcke und damit die Mengenangaben variieren. Oder wenn Kunden Spezialwünsche anmelden.

Für Ernst Wiss, Abteilungsleiter Manuelle Produktion bei der Zuwebe, beginnen die Vorbereitungen für die Chlaussack-Produktion bereits vor den Sommerferien. Dann bestimmt er die Menge, holt Offerten ein und bestellt das Material. Produziert wird schliesslich während sechs bis sieben Wochen. «Nachhaltigkeit ist uns wichtig», erklärt der Abteilungsleiter.

Mit dem Beutel aus Biobaumwolle würden Kleinstbauern in Afrika unterstützt. Zudem versuche man, nach Möglichkeit regional einzukaufen. So stammen die insgesamt 21000 Lebkuchen von der lokalen Bäckerei Creabeck. «Die Chlaussäcke sind bei unseren Kunden sehr beliebt», sagt Ernst Wiss und fügt an: «Für die Klienten ist es besonders schön, etwas herzustellen, das danach verschenkt werden kann. Sie identifizieren sich mit dem Produkt. Zum Teil können sie es am Weihnachtsmarkt sogar selber verkaufen.»

Es ist kurz vor 17 Uhr, für Philippe Mercier und seine Kolleginnen und Kollegen endet der Arbeitstag. Ob er am Tag danach wieder in der Chlaussack-Produktion arbeitet, weiss er nicht im Voraus. «Ich hoffe aber, dass ich noch ein paar Mal hier eingeteilt bin», sagt er und verabschiedet sich mit einem Lächeln.


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