Abschaffung des Nachtzuschlags: Der Zuger ÖV gerät unter Zugzwang

Zürich schafft die Nachtzuschläge auf Bus und Bahn definitiv ab. Dass der Tarifverbund Zug als Verbundpartner der Zürcher bald nachzieht, scheint nur noch eine Formsache zu sein – auch, weil klare Forderungen auf dem Tisch liegen.

Laura Sibold
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Vom Zuger Bahnhofplatz starten jeweils Nachtbusse, die auf sechs Linien in die Gemeinden fahren.

Vom Zuger Bahnhofplatz starten jeweils Nachtbusse, die auf sechs Linien in die Gemeinden fahren.

Bild: Zuger Verkehrsbetriebe/PD

Vor einer Woche hat der Zürcher Kantonsrat die Abschaffung des Nachtzuschlags einstimmig beschlossen. Damit sollen ÖV-Nutzer künftig keinen «5-Liber» mehr bezahlen müssen, wenn sie am Wochenende einen Nachtbus oder -zug nutzen. Wann die Abschaffung des Nachtzugschlags in Zürich erfolgen wird, ist noch unklar. Denn um den Passus aus dem Billettreglement zu streichen, braucht es die Zustimmung der Verbundpartner, zu denen auch der Tarifverbund Zug gehört. Vor bald 20 Jahren haben sich die an Zürich angrenzenden Verkehrsverbunde gemeinsam auf den 5-Franken-Zuschlag geeinigt.

Jetzt, wo die Abschaffung des Nachtzuschlags in Zürich beschlossene Sache ist, scheint der Weg zur Einigung aber auch in Zug nicht mehr weit zu sein.

Der Tarifverbund fasst im April eine Meinung

Der Zuger Kantonsrat hat bereits Ende Januar ein Postulat der Steinhauser ALG-Politiker Anastas Odermatt und Andreas Hürlimann sowie der FDP-Kantonsräte Rainer Leemann (Zug) und Thomas Magnusson (Menzingen) überwiesen. Es fordert vom Regierungsrat, sich für die Abschaffung des Nachtzuschlags und eine Neukonzeption des Nachtangebots einzusetzen sowie allfällige Mehrkosten via Budget dem Parlament zu beantragen. Darüber hinaus schaltet sich nun erstmals auch der VCS Zug in die Debatte ein:

«Der VCS Sektion Zug ist der Meinung, dass unser Kanton jetzt mitziehen sollte.»

Das schreibt Geschäftsführer Goran Vejnovic auf Anfrage. Der Zürcher Entscheid sei ein klares Signal an die benachbarten Kantone und Tarifverbunde, ihre Preisstrukturen zu überdenken. Die Integration des Nachtangebots ins alltägliche Tarifsystem würde die Tarifstruktur einfacher machen und die Attraktivität des ÖV fördern, so die Haltung des VCS Zug.

Beim Tarifverbund Zug stösst das Anliegen auf offene Ohren. Anfang April stehe ein Treffen mit allen Transportunternehmen an, sagt Philipp Hofmann, Leiter Markt der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) und zuständig für den Tarifverbund Zug. Zu diesem gehören neben ZVB und SBB auch die Zugerbergbahn, Post Auto Schweiz, die Auto AG Schwyz sowie die Schweizerische Südostbahn. «Wir werden uns an der Versammlung eine Meinung bilden. Dabei werden wir den Zürcher Entscheid und die politische Stimmung in Zug natürlich berücksichtigen», sagt Philipp Hofmann.

Finanzierung des Angebots ist noch ungeklärt

Betroffen wären die sechs von der ZVB betriebenen Expressbuslinien, die freitag- und samstagnachts in die Zuger Gemeinden führen. Darüber hinaus könnte auch der SBB-Nachtzug auf der Strecke Zürich–Zug–Luzern ohne Nachtzuschlag benutzt werden. Das Nachtangebot stosse nach wie vor auf grossen Anklang und helfe, die Attraktivität des Standortes Zug aufrecht zu erhalten. Den Nachtzuschlag aufzuheben wäre kundenfreundlich, gibt Hofmann zu, zumal Pendler nicht auf Tarifverbundsgrenzen achten würden.

«Ohne Billettzuschlag könnten die Nachtverbindungen aber nicht mehr kostendeckend betrieben werden, weshalb wir uns im März mit allen relevanten Partnern auch Gedanken zur Finanzierung machen.»

Eine Erhöhung der ZVB-Ticketpreise für Pendler im nächsten Fahrplanjahr sei aber eher unwahrscheinlich, auch wenn der Nachtzuschlag wirklich fallen sollte, so Hofmann.

Ähnliche Bestrebungen laufen derzeit auch im Kanton Luzern. In einer Mitteilung fordert der VCS Luzern die Anpassung des Luzerner Tarifsystems, während die jungen Grünen im Kantonsrat kürzlich ein Postulat zur Abschaffung des Nachtzuschlags eingereicht haben.