ABSCHIED: Die Pionierin im Hintergrund

21 Jahre war Sylvia Derrer Pape als Gemeindeschreiberin rechte Hand des Gemeinderates. Sie hat entscheidend zur Entwicklung Unterägeris beigetragen. Nun geht sie in Pension.

Carmen Rogenmoser
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Ihre Arbeit erfüllte sie mit Freude: Sylvia Derrer Pape im Gemeindehaus in Unterägeri. Bild: Stefan Kaiser (21. November 2016)

Ihre Arbeit erfüllte sie mit Freude: Sylvia Derrer Pape im Gemeindehaus in Unterägeri. Bild: Stefan Kaiser (21. November 2016)

Ruhig und gelassen erscheint Sylvia Derrer Pape zum Gespräch. Sie bestellt beim Sekretariat einen Espresso und muss nicht erwähnen, dass sie ihn ohne Zucker und Rahm trinkt. Das weiss man auf der Gemeindeverwaltung in Unterägeri. Seit Jahren trinkt die Gemeindeschreiberin ihren Espresso schon so. In rund einem Monat wird sie hier aber nicht mehr täglich anzutreffen sein. Sylvia Derrer Pape geht in Pension. Fast auf den Tag genau vor 21 Jahren – am 1. Dezember 1995 – hat sie hier angefangen. Das ist wahrlich eine lange Zeit. «In meinem Berufsleben hatte ich drei Stellen. Ich bin immer lange an einem Ort geblieben», erklärt die studierte Juristin. Zuerst war sie Notarin im Kanton Baselland, wo sie aufgewachsen ist, dann juristische Beraterin des Rektors der Universität Zürich. «Ich habe immer mit dem Beruf der Gemeindeschreiberin geliebäugelt», erinnert sich die 59-Jährige.

«Im Kanton Zug ist man als Gemeindeschreiberin gleichzeitig auch Notarin, das war dann die perfekte Kombination.» Also bewarb sie sich in Unterägeri und zog gemeinsam mit ihrem Mann in die Zentralschweiz. «Alles war neu», erinnert sie sich. «Der damalige Gemeinderat war sehr aktiv und hat mich überall mit­genommen.» So habe sie die Gemeinde relativ schnell kennen gelernt. Langweilig wurde ihr jedenfalls nie: «Kein Tag ist wie der andere.» Besonders geschätzt habe sie, dass sie das Zusammenleben der Bevölkerung direkt mitgestalten durfte und dass sie beobachten konnte, wie sich die Gemeinde verändert. «Vor 20 Jahren war hier alles noch viel kleiner», sagt Derrer. In der Zwischenzeit sei die Infrastruktur ausgebaut worden, beispielsweise mit den beiden grossen Einkaufszentren mitten im Dorf.

Mehr Zeit für sich und andere

«Unterägeri ist eine moderne Gemeinde, und durch die Internationalität gibt es eine grosse Offenheit zur Welt.» Das gefalle ihr sehr. Ein konkretes Projekt ist ihr bei dieser Entwicklung besonders präsent geblieben: das Zentrum Chilematt. Da gehörte sie zur Projektleitung. «Mit der Ägerihalle wurde etwas Grosses gebaut.» Die Entscheidung für die dunkle Fassade habe sie als sehr mutig empfunden. «Heute noch fasziniert es mich, wie sich die Umgebung, vor allem die Kirche, darin spiegelt.»

Das Wachsen der Gemeinde hat auch Schattenseiten: «Die Arbeit auf der Verwaltung ist sicher hektischer und anspruchsvoller geworden.» Das hänge auch mit den Neuen Medien zusammen, so die Gemeindeschreiberin. «Nach der Pensionierung muss ich mich erst mal richtig erholen.» Einen fixen Plan für diese Zeit hat sie nicht, wohl aber viele Ideen: «Ich möchte mein Italienisch perfektionieren, weitere Tauchreisen unternehmen, Freundschaften vermehrt pflegen und natürlich mehr Zeit mit meinem Mann verbringen.»

Auf die Frage, ob es in ihrer Laufbahn einen gemeinsamen Nenner gibt, muss Derrer nicht lange überlegen: «Dass ich meist die erste und einzige Frau war.» So war sie die erste Gemeindeschreiberin im Kanton Zug und blieb es für viele Jahre. In Unterägeri gibt es seit 12 Jahren keine Gemeinderätin mehr. «Als Frau hat man auch einen etwas anderen Blickwinkel. Diesen Part habe ich in letzter Zeit alleine übernommen.» Etwas Unterstützung wäre schön gewesen, meint sie rückblickend. Unterkriegen lassen hat sich Derrer nicht. «Ich gehöre noch zu der Generation von Frauen, die zu kämpfen hatten.» Am Anfang ihrer beruf­lichen Laufbahn sei ihr das gar nicht bewusst gewesen. «Ich bin mit zwei Schwestern aufgewachsen und habe studiert, das war für mich normal.» Die Herausforderung hat sie angenommen.

Der Abschied wird gefeiert

Ende Jahr feiert Sylvia Derrer Pape ihren 60. Geburtstag. Eigentlich hätte sie sich in zwei Jahren pensionieren lassen wollen. Doch sie agiert vorausschauend: «In zwei Jahren kündet sich im Gemeinderat ein Wechsel an.» Gemeindepräsident Josef Ribary wird dann wahrscheinlich nicht mehr für das Amt antreten. «Ein neuer Gemeindepräsident und ein neuer Gemeindeschreiber wären eine sehr grosse Umstellung für die Mitarbeitenden der Verwaltung.» Diese liegen ihr sowieso am Herzen. Deshalb geht Derrer nicht einfach still und heimlich. Sie hat die ganze Belegschaft zu ihrem Geburtstag eingeladen. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die «Hilfsbereitschaft, die in den letzten 21 Jahren aufgebaut wurde, weiter bestehen bleibt.» Davon profitieren auch die Unterägerer, ist sie sich sicher. «Die Jahre hier waren schön und prägend», sagt Derrer. Und sie ergänzt: «Ich würde es wiedermachen.» Mit einem besseren Gefühl kann man wohl nicht in einen neuen Lebensabschnitt starten.

Carmen Rogenmoser