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Abschied nach über 20 Jahren im Kleintheater Burgbachkeller Zug

Im Burgbachkeller Zug stehen zwei markante Wechsel an: Der Theaterleiter Roland Schlumpf und die Präsidentin des Stiftungsrates Judith Wild übergeben an die Nachfolger.
Monika Wegmann
Judith Wild wirkte während 22 Jahren als Stiftungsratspräsidentin, Roland Schlumpf hatte die Theaterleitung 24 Jahre lang inne. Sie beide haben das Zuger Kleintheater massgeblich geprägt. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 28. Mai 2019)

Judith Wild wirkte während 22 Jahren als Stiftungsratspräsidentin, Roland Schlumpf hatte die Theaterleitung 24 Jahre lang inne. Sie beide haben das Zuger Kleintheater massgeblich geprägt. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 28. Mai 2019)

Beide lieben sie die Bühne, vor allem die des Burgbachkellers in Zug, auch wenn sie selber nicht darauf stehen: Roland Schlumpf hat während 24 Jahren den Theaterbetrieb organisiert, und Judith Wild hat als Stiftungsratspräsidentin während 22 Jahren dafür gesorgt, dass die Finanzen stimmen. Denn nur so ist der Kulturbetrieb überhaupt gewährleistet. Auf Ende Juni, am Schluss der jetzt laufenden Saison, geben beide ihre Ämter ab. Und wie sie unisono beteuern, werden sie dem Kleintheater weiterhin die Treue halten – zukünftig jedoch als sehr interessierte Besucher.

Wehmut spürt Roland Schlumpf (66) bezüglich des nahenden Abschiedes bislang nicht. Er sagt: «Alle wollen von mir jetzt wissen, was ich nachher mache. Das weiss ich selber nicht. Ich stecke noch voll in der Arbeit für das aktuelle Programm. Wir hatten vor einigen Tagen ein wahnsinnig gutes Konzert der ‹Goldsinger›. Der Saal war fast voll.» Auch das Räumen des kleinen «Büros» bereitet ihm keine Sorgen. «Anfangs erledigte ich diese Arbeit daheim in Menzingen, später konnten wir die Ecke bei der Kasse ausnützen und dort ein Büro einrichten.»

Jede Veranstaltung ist für ihn ein Höhepunkt

Als Theaterleiter ist Roland Schlumpf für die Auswahl der Künstler, die Programmgestaltung und die Organisation verantwortlich. «Anfangs bin ich in der Schweiz herumgereist und habe mir Produktionen angesehen. Wenn mir jemand gefallen hat, erhielt er ein Engagement.» In den letzten Jahren habe er viele Künstler ungesehen gebucht, weil er inzwischen viele persönlich kennt. «Ich habe eher auf Kleinproduktionen setzen müssen, denn die Grösse des Burgbachkellers ist ein Problem. Zudem habe ich ein Limit bei den Gagen.» Der Verhandlungsspielraum sei hier eher klein.

Nach den Highlights befragt, lächelt Roland Schlumpf und erklärt: «Jeder Anlass ist für mich ein Höhepunkt.» Und er fängt an aufzuzählen: «Das A-cappella-Festival ist jedes Mal eine wahnsinnige Herausforderung, weil technisch anspruchsvoll; die Frauenwoche, die Tischgespräche und spezielle Reihen wie die russische Woche, wo wir passende Speisen und Getränke angeboten haben, sowie die Co-Produktionen mit anderen Kleintheatern.» Was er aber besonders schätzt, sind die Kontakte mit vielen Künstlern wie Franz Hohler oder Hanns Dieter Hüsch. «Der hatte mir ein Buch geschenkt mit dem Titel ‹Wir sehen uns wieder›, kurze Zeit später ist er gestorben.» Hüsch und Hohler seien immer wieder im Keller aufgetreten. Wichtig ist Schlumpf auch stets gewesen, jungen Künstlern eine Plattform anzubieten.

Eine eindrückliche Entwicklung

Zum Betrieb gehört neben ihm ein kleines Team, welches Technik, Bar und Kasse betreut. «Es hat immer alles geklappt. Nur einmal ist vor Jahren ein Scheinwerfer während der Vorstellung heruntergefallen. Es ist aber nichts passiert. Heute ist die Beleuchtung richtig fixiert. Nur die Lüftung ist noch immer problematisch», sagt Schlumpf.

Die Entwicklung des Kleintheaters zeigt sich nicht nur daran, dass sein Pensum von 20 auf 80 Prozent gestiegen ist, sondern auch daran, dass die Zahl der jährlichen Aufführungen früher 40 bis 50 betrug und heute auf rund 100 angewachsen ist. «In meiner Zeit haben wir hier rund 3000 Anlässe durchgeführt, und die Auslastung ist auf zirka 60 Prozent angestiegen», sagt Roland Schlumpf mit einem gewissen Stolz.

Der Theaterbetrieb finanziert sich nicht selber

Judith Wild (67) hat das Gespräch interessiert verfolgt und ab und zu ergänzt. Da die Anwältin nur kurze Zeit nach Roland Schlumpfs Stellenantritt das Präsidium des Stiftungsrates übernommen hat, konnte sie die Entwicklung des Theaterbetriebs hautnah mitverfolgen. «Ich habe sehr viele Aufführungen gesehen. Es gehörte ja am Anfang zum Schwerpunkt meiner Aufgabe, den Stil von Roland Schlumpfs Programmgestaltung kennen zu lernen. Und die war gut.» Es habe keine Produktionen unter der Gürtellinie gegeben, denn er lege Wert auf Qualität. Zudem sei er sehr kostenbewusst und denke spürbar wirtschaftlich.

Das sei auch notwendig, denn der Theaterbetrieb finanziere sich nicht selber. Judith Wild erläutert: «Das Geld für die Kultur liegt nicht auf der Strasse. Die Subventionen kommen von der öffentlichen Hand, von Stadt und Kanton. Daneben erhalten wir finanzielle Unterstützung von diversen Stiftungen, privaten Gönnern und Sponsoren.» Roland Schlumpf präsentiere dem Stiftungsrat jeweils das neue Programm, und dieser setze den jährlichen Rahmen fest: «Derzeit sind das rund 100000 Franken, plus 20000 Franken für Co-Produktionen. Aber der Betrieb verfügt heute über eine solide finanzielle Basis»

Einen festen Platz in der regionalen Kulturszene

Das Präsidium des Stiftungsrats übernimmt Emil Ulrich. Judith Wild wird ihm einen gut aufgegleisten Theaterbetrieb übergeben können. Sie ist überzeugt, dass das 1968 gegründete Burgbachkeller-Theater nach über 50 Jahren längst einen festen Platz in der Kulturszene der Region einnimmt: «Das Kleintheater bietet eine spezielle Atmosphäre. Man sitzt nahe bei den Künstlern, was ein intensives Erlebnis ermöglicht.» Roland Schlumpf ergänzt: «Die Künstler haben mir schon nach der Vorstellung gesagt, dass sie spüren, wenn und wie die Leute im Saal mitgehen.»

Seine beiden Nachfolgerinnen, Giannina Masüger und Madeleine Flury, seien schon bei einigen Sitzungen dabei gewesen. Sie teilen sich, wie berichtet, die Theaterleitung mit je 40 Prozent. Roland Schlumpf hat bereits das nächste Programm für die Saison bis Ende März 2020 vorbereitet. Er freut sich schon jetzt auf das Wiedersehen mit einigen Künstlern – «inzwischen alles Kollegen». Und lachend sagt er: «Es ist schön, einmal die Theatervorstellung zu besuchen, ein Glas Wein zu trinken und nachher heimzugehen, ohne aufräumen zu müssen.»

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