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Steinhausens Gemeindepräsidentin nimmt Abschied von der vollen Agenda

Nach insgesamt 20 Jahren im Gemeinderat verlässt Barbara Hofstetter die Politik. Die Gemeindepräsidentin erzählt von den Anfängen, ihrem Engagement und davon, dass wer A sagt, auch B sagen muss.
Andrea Muff
Barbara Hofstetter im Steinhauser Gemeindesaal. Die Zentrumsüberbauung Dreiklang zählt sie zu ihren grössten Errungenschaften. (Bild: Stefan Kaiser (5. Dezember 2018))

Barbara Hofstetter im Steinhauser Gemeindesaal. Die Zentrumsüberbauung Dreiklang zählt sie zu ihren grössten Errungenschaften. (Bild: Stefan Kaiser (5. Dezember 2018))

«Barbara Hofstetter (neu), 40, zwei Kinder, kaufmännische Angestellte bei der kantonalen Finanzverwaltung, Mitglied der Schulkommission und Präsidentin des Volleyballclubs», mit diesen Attributen wurde die heutige Steinhauser Gemeindepräsidentin am 1. Dezember 1998 in unserer Zeitung beschrieben. Damals erhielt die CVP-Politikerin im ersten Wahlgang 952 Stimmen, diese reichten nicht für den direkten Einzug in den Gemeinderat. Sie musste sich noch ein wenig gedulden.

Am Sonntag, 6. Dezember 1998, war es dann soweit: Barbara Hofstetter war die erste bürgerliche Gemeinderätin in Steinhausen. Doch nicht nur dort war sie Pionierin: Zwei Legislaturen später wurde Hofstetter – sie setzte sich im zweiten Wahlgang gegen Marco Cervini (SP) – als Gemeindepräsidentin gewählt. Wieder war sie die erste Frau, die diesen Posten bekleidete. «Ich habe mich riesig über die Wahl gefreut – die erste Frau überhaupt als Präsidentin und dies nach acht Jahren Arbeit», erinnert sich Barbara Hofstetter heute, wenn sie auf diesen Tag zurückblickt. Und jetzt nach 12 Jahren und 24 Gemeindeversammlungen als Präsidentin gibt sie das Zepter an ihren Parteikollegen Hans Staub weiter.

Sportlerehrungen waren ein Highlight

Doch noch ist Barbara Hofstetters Agenda mit zahlreichen Terminen gefüllt: «Sehen Sie: So sieht meine Agenda seit Jahren aus.» Und tatsächlich: Es gibt darin kaum weisse Flecken, die Termine sind in verschiedenen Farben eingetragen. «Nicht nur geschäftliche Termine auch Treffen mit meinen Freunden muss ich explizit in die Agenda schreiben», erklärt Barbara Hofstetter und fügt hinzu: «Ohne meinen Mann hätte es nie funktioniert, ich war an den Abenden kaum zu Hause.» Aber ihrem Motto war sie immer treu: «Wer A sagt, muss auch B sagen. Das gehört dazu», sagt sie bestimmt. «Wenn ich etwas mache, dann richtig. Sonst wäre das nicht ich.»

Ihr Werdegang sei der klassische gewesen, erklärt die Steinhauserin. Wegen ihren beiden Kinder habe sie für die CVP in der Schulkommission gesessen. «Mit 36 Jahren hat es mir dann den Ärmel reingezogen», sagt Hofstetter. Sie habe den Damenturnverein präsidiert, den Volleyballclub gegründet und die Spitex Kanton Zug aufgegleist. «Ich habe mich einfach gerne engagiert und bin ein Vereinsmensch.»

So sei auch die Freude besonders gross gewesen, dass sie von den Steinhauser Vereinen an ihrer letzten Gemeindeversammlung im Dezember verabschiedet worden sei. Und auch die Sportlerehrungen seien für sie immer ein Highlight gewesen: «Die Ehrungen habe ich geliebt.» Sie betont: «Während meiner ganzen Zeit im Gemeinderat war ich immer mit viel Herzblut dabei.» Auch ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung habe für sie immer dazugehört. Zu ihren grössten Errungenschaften gehört auch die Zentrumsüberbauung Dreiklang mit dem neuen Gemeindesaal. «Das Zentrum zu eröffnen, war ein sehr schöner Moment», so die Präsidentin.

Seit ihrer ersten Wahl vor 20 Jahren hat sich aber einiges verändert: «Die Aufgaben sind wesentlich komplexer geworden», erklärt sie. Und auch gibt es heute mehr Frauen in der Politik als noch in ihrer Anfangszeit. Sie gibt zu: «Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen und musste mich schon immer durchsetzen. Das war für mich also nichts Neues», erklärt sie mit einem Lachen. Das einzige Problem: «Mein Kleiderschrank. Ich konnte ja unmöglich die Männer im Gremium fragen, was ich anziehen soll», fügt sie hinzu.

Und auch der Arbeitsort der Gemeindepräsidentin verändert sich: Momentan werden die Räumlichkeiten des Steinhauser Rathauses umgebaut. «Mein Büro befindet sich jetzt in der Küche», sagt die Gemeindepräsidentin lachend. Im Moment müssen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr flexibel sein. Sie stellt klar: «Im Leben ist es so: Man kann nichts verkaufen, wenn man es nicht selbst vorlebt.»

Vorbereitung auf die «Zeit danach»

Den Rückzug aus der Politik hat Barbara Hofstetter bereits nach den Wahlen vor vier Jahren angekündigt. «Für mich ist es sehr schwer loszulassen», gibt sie zu. So habe sie sich mit einem Coach auf die «Zeit danach» vorbereitet. «Ich musste herausfinden, was ich wirklich gerne mache.» Ihr Wissen und ihre Erfahrung möchte sie auch für verschiedene Projekte zur Verfügung stellen, falls diese gefragt seien. Aber die 60-Jährige ist sich sicher: «Der richtige Zeitpunkt aufzuhören ist dann, wenn es noch ein bisschen weh tut.»

Von 150 auf 0 beschreibt Barbara Hofstetter den Übergang ins neue Jahr und untermalt die Aussage mit der Agenda für 2019. Sie ist leer – vorerst. «Ich freue mich, im Januar am Abend zu Hause zu sein und auch darauf, mehr Sport zu machen.»

Über die Festtage verabschiedet unsere Zeitung Persönlichkeiten, deren politische Karriere dieses Jahr zu Ende geht.

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