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ABSCHIED: Zuger Swiss-Kapitän Scherer: Einer, der sich zwei Träume erfüllt hat

Der Zuger Swiss-Kapitän Erich Scherer ist am Mittwoch von Montreal her kommend in Zürich gelandet. Der 59-Jährige geht nun nach 36 Jahren im Cockpit in Pension. Ursprünglich hat Scherer einen anderen Beruf im Kopf gehabt.
Marco Morosoli
Die Zuger im Cockpit beim letzten Flug von Erich Scherer (Zweiter von links): Lorenz Hartmann, Daniela Koller, Patrick Hürlimann (von links). (Bild: PD)

Die Zuger im Cockpit beim letzten Flug von Erich Scherer (Zweiter von links): Lorenz Hartmann, Daniela Koller, Patrick Hürlimann (von links). (Bild: PD)

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

«Ich freue mich, dass ich an Weihnachten einmal zu Hause bin», sagt Erich Scherer. Der 59-Jährige ist 36 Jahre für die Swissair und später für die Swiss geflogen. Sein verantwortungsvoller Job hat ihn in vier Erdteile geführt. Jetzt zieht Erich Scherer einen Schlussstrich: «Ich werde nie mehr ein Linien-Flugzeug fliegen.» Er hört auch als Piloten-Instruktor auf. Im Passagierraum wird er aber weiterhin anzutreffen sein. Etwas überraschend sagt er: «Ich bin dort eingeengt, und es ist unbequem.» Aber nur so kann er nach Südostasien reisen, das ihm und seiner Frau ans Herz gewachsen ist.

«Pilot zu werden, ist ein Traum gewesen», erinnert sich der Zuger. Doch er habe in jungen Jahren auch einmal mit dem Gedanken gespielt, etwas bei der Bahn zu machen. Nach dem Besuch der Kantonsschule hat Scherer dann ein Bauingenieur-Studium begonnen, aber dieses nicht beendet.

Schon als Kantonsschüler hat Scherer aber die fliegerische Vorschule absolviert, die von der Armee angeboten wird. Die Rekrutenschule hat er aber in der Einsatzzentrale der Fliegertruppen verbracht und nicht in der Pilotenkanzel.

Auf der Karriereleiter aufgestiegen

Bis er zum Kapitän für die Langstrecke befördert worden ist, hat er alle notwendigen Karriereschritte dazu erfolgreich hinter sich gebracht. Co-Pilot auf der Kurzstrecke, Co-Pilot auf der Langstrecke, Kapitän auf der Kurzstrecke, dann folgte das gleiche Szenario auf der Langstrecke.

Für die höchstmögliche Position in einem Swiss-Flugzeug hat sich Scherer vor 23 Jahren qualifiziert. «Alle Tests sind hart. Wichtig ist, dass man auch technisch versiert ist» blickt Erich Scherer auf seine Ausbildung zurück. Ein Kapitän muss auch «die Ruhe selbst sein». Damit sei es nicht getan: «Im Flugzeug muss auch die Chemie innerhalb der Besatzung stimmen. Jeder ist auf den anderen angewiesen. Alle müssen ihren Job hundertprozentig machen. Ich kann ja nicht anhalten.» Von Swiss-Piloten werden Flexibilität und schnelle Auffassungsgabe verlangt, denn die Zusammensetzung der Besatzung wechselt immer wieder. Heute erstellt, so erzählt Scherer, der Computer den Dienstplan: «Ich habe einfach pro Jahr zwei Wünsche offen gehabt.» Ansonsten sei Fliegen jedes Mal eine neue Herausforderung. Scherer erklärt das Pilotenleben anhand eines Beispiels: «Ich bin für einen Flug nach New York eingeteilt. Ich weiss dabei einzig, was ich in meinem Koffer verstaut habe und wann der Start geplant ist.» Über das aktuelle Wetter und andere Details werde er erst im Operation Center orientiert.

Scherer ist ein erfahrener Pilot, und doch sagt er: «Der Start ist das schwierigste Manöver. Das Flugzeug kommt an sein Limit.» Läuft etwas sprichwörtlich aus dem Ruder, habe der Pilot keine Zeit, um lange zu überlegen. Scherer erinnert sich noch gut an einen Vorfall bei einem Start in Hongkong: «In der Rollphase hat sich ein Felgen von den Rädern gelöst. Er ist dann durch die Luft gewirbelt und hat ein Triebwerk des Flugzeuges beschädigt. Da haben wir Glück gehabt. Es hätte schlimmer kommen können, wenn dies einige Minuten später geschehen wäre.»

Überraschungen gehören zum Programm

Aber auch während eines Fluges gibt es immer wieder Unvorhersehbares, wie Scherer erzählt: «Wir hatten auf einem Flug nach Bangkok einmal ein medizinisches Problem an Bord, aber es war kein Arzt unter den Passagieren. Da musste ich schnell entscheiden. In unmittelbarer Nähe zu landen, war ausgeschlossen, da wir gerade Richtung Afghanistan geflogen sind.» Scherer hat sich dann entschlossen, den Rückweg anzutreten. Er ist in Baku in Aserbaidschan gelandet, wo der Patient behandelt worden ist. Baku hatte Scherer zwar noch nie angeflogen, aber mit Hilfe der technischen Einrichtungen am Boden und an Bord sei alles gut gegangen. Scherer sagt: «Einen schwierigen Flughafen gibt es nicht unbedingt.» Jeder Platz kann seine Tücken haben. Der Zürcher Flughafen fordert die Cockpit-Crew bei starken Westwindlagen auch sehr. Der erfahrene Zuger ist dort aber immer sicher gelandet. Auch beim letzten Mal, am 6. Dezember mit Swiss Flugnummer 87 um 6.12 Uhr aus Montreal ankommend, ist ihm dieses Manöver glänzend gelungen.

Auch seinen letzten Flug hat Scherer dokumentiert. Er führt seit dem ersten Flug ein «Fahrtenbuch»: 6625 Mal ist er gestartet und wieder gelandet. Beeindruckend ist seine Schlussbilanz: In 36 Jahren hat Scherer rund 15 Millionen Kilometer zurückgelegt. Das entspricht 19 Mal der Distanz zwischen der Erde und dem Mond und zurück. Den Flughafen London Heathrow hat er am meisten angeflogen, aber er hat auch bei Premieren wie in Baku und in Churchill (Manitoba/Kanada) immer sicher wieder festen Boden unter die Füsse bekommen.

Und nun ein Leben in geordneteren Bahnen

All die aussergewöhnlichen Ereignisse in seiner aktiven Zeit wird Scherer in Erinnerung behalten. Aber jetzt freut er sich, dass er seinem Leben eine geordnetere Struktur geben kann. Er könne nun endlich vermehrt am sozialen Leben teilnehmen: «Ich habe immer erst am 24. Tag des Vormonats gewusst, wo ich im darauffolgenden Monat hinfliegen muss. Da habe ich natürlich nicht etwas machen können, das meine regelmässige Präsenz bedingt hat.» Jetzt könne er seine Agenda selber bestimmen.

Erich Scherer wird weitere Reisen mit seiner Frau unternehmen und hat nun auch mehr Zeit für seinen Enkel. Flexibler ist er ebenso bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, dem Tixifahren. Scherer hat nun auch die Möglichkeit, einmal ein Buch in einem Zug durchzulesen. Derzeit begibt er sich bei der Lektüre des Buches «Homo Deus» von Yuval Noah Harari auf eine Reise in die Zukunft der Menschheit.

Persönlich ist der 59-Jährige nach dem Abschied als Kapitän bei der Swiss so zu neuen Ufern aufgebrochen.

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