ABSTIMMUNG: Baarer versenken den neuen Stadtteil zwischen Zug und Baar

Die Stadt Zug sagt ganz knapp Ja zur Gebietsplanung im Unterfeld. Mit einem hauchdünnen Nein lehnen hingegen die Baarer das Projekt ab. Dieses Nein kommt überraschend.

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Hier sollen Baar und Zug mit dem Unterfeld-Projekt zusammenwachsen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Hier sollen Baar und Zug mit dem Unterfeld-Projekt zusammenwachsen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Samantha Taylor

Zurück auf Feld 1: Das heisst es für die Planer des Unterfelds. Die Stimmbevölkerung der Gemeinde Baar lehnt nämlich ihren Teil des Bebauungsplans für das Gebiet zwischen Zug und Baar ab. Haarscharf, nur 60 Stimmen geben am Ende den Ausschlag für das Nein, die Ablehnung liegt bei rund 50,4 Prozent (3620 Nein-Stimmen; 3560 Ja-Stimmen). Ja sagen die Baarer, die drei Fragen zu beantworten hatten, zur Zonenplanänderung (3708 Ja-Stimmen; 3441 Nein-Stimmen) und zu einem Investitionsbeitrag an die Stadt Zug für die Aufnahme schulpflichtiger Baarer Kinder aus dem Unterfeld in die Stadtzuger Schulen (4071 Ja-Stimmen; 2966 Nein-Stimmen). Aufgrund der Ablehnung des Bebauungsplans sind diese Ergebnisse jedoch obsolet.

Ebenfalls wertlos ist das Ja zur Gebietsplanung Unterfeld/Schleife aus Zug. Die Stadtzuger stimmen ihrem Teil des Bebauungsplans äusserst knapp mit einem Ja-Anteil von 50,5 Prozent zu (4880 Ja-Stimmen; 4775 Nein-Stimmen). Die Zustimmung nützt dem verdichteten Megabauprojekt, das rund 700 Wohnungen sowie Büro- und Gewerberäume für 1000 bis 1500 Beschäftigte vorsah, nichts. Für eine Realisierung des Unterfelds wäre ein Ja zum Bebauungsplan in beiden Gemeinden nötig gewesen.

Die Stimmbeteiligung liegt in Zug bei 58,6 und in Baar bei 51 Prozent. Die ausgezählten Ergebnisse der beiden Gemeinden sind definitiv. Dies trotz des äusserst knappen Ausgangs. Eine Nachzählung durch den Kanton ist laut Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller erst dann nötig, wenn der Unterschied zwischen den Ja- und Nein-Stimmen weniger als 0,3 Prozent beträgt. Das ist weder in Zug noch in Baar mit 1 beziehungsweise 0,8 Prozent Unterschied der Fall.

«Wir haben keinen Plan B»

Das Nein aus Baar kommt überraschend. Dies nicht zuletzt, weil das Thema von Baarer Seite in der Öffentlichkeit weit weniger intensiv diskutiert wurde, als dies in der Stadt Zug in den letzten Wochen der Fall war. Die Überraschung war denn auch an der gestrigen Medienkonferenz zu spüren, zu der die Stadt Zug und die Gemeinde Baar gemeinsam geladen hatten. «Wir sind von diesem Resultat sehr enttäuscht und wissen nicht, wie es weitergeht. Es gilt jetzt, dieses Ergebnis zu analysieren», sagt Baars Bauchef Paul Langenegger. Die Baarer Bevölkerung hätte anders entschieden, als man es erwartet habe, ergänzt Gemeindepräsident Andreas Hotz. «Wir haben die Stimmung in unserer Gemeinschaft offenbar falsch eingeschätzt.» Es sei ein Projekt, das polarisiere, ist Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller überzeugt. «Zudem ist es ein Ort mit einer sehr hohen Komplexität, auch aufgrund der Lage auf der Grenze zwischen Zug und Baar.» Dies widerspiegle sich auch in den knappen Resultaten.

Die Planung im Gebiet Unterfeld geht nun wieder von vorne los. «Ein neuer Bebauungsplan muss innerhalb von drei Jahren erstellt werden», sagt der städtische Bauchef André Wicki. Man werde in den nächsten Wochen diskutieren, wie man in der Sache weiter vorgehen wolle. «Es müssen diverse Fragen geklärt werden. Unter anderem jene, ob Baar und Zug noch einmal ein gemeinsames Projekt entwickeln wollen oder ob jede Gemeinde für sich eines ausarbeiten wird», so Wicki weiter.
«Ich bin ganz ehrlich, wir haben keinen Plan B. Wir müssen eine Auslegeordnung machen», sagt Andreas Hotz. Zentral seien dabei auch die Bedürfnisse der Grundeigentümer und der Bauherrschaft, betont Paul Langenegger. «Mit ihnen werden wir uns so bald wie möglich treffen.»

Wunsch nach deutlicherem Ergebnis

Trotz des Siegs zeigt sich Ignaz Voser, Stadtzuger CSP-Gemeinderat und Vertreter des Gegenkomitees, mit dem Ergebnis an der Medienkonferenz nicht ganz zufrieden. «Ich hätte mir in dieser Frage ein deutlicheres Ergebnis wie bei den nationalen Abstimmungen gewünscht», sagt er. Dennoch zeige das Nein aus Baar und das knappe Ja aus Zug, dass das Projekt in seiner «Masslosigkeit» auch Ängste ausgelöst habe. Voser ist überzeugt, dass in Zug vor allem die 400 preisgünstigen Wohnungen, die man im Unterfeld realisieren wollte, zum Ja beigetragen hätten.

«Erfreut über die Ablehnung des Bebauungsplans Unterfeld», ist die Alternative-die Grünen (ALG) Baar. «Die Bevölkerung will keine Riesenüberbauung zwischen Zug und Baar und keine gewaltigen Hochhäuser, welche die Landschaft dominieren», hält die Partei in einer Mitteilung fest. Ähnlich klingt es bei der Stadtzuger ALG. Die Versprechungen der Eigentümer hätten nicht überzeugt. Man hoffe, dass daraus für eine Neuplanung Lehren gezogen würden. Das Projekt habe wohl für viele die Grenzen überschritten, hält die Stadtzuger SP in einer Mitteilung fest.

«Ich verstehe noch nicht ganz, was da geschehen ist», gibt Michael Arnold, Baarer Vertreter des Prokomitees und Präsident der FDP Baar, zu. Es gelte zu evaluieren, wie das Nein zu Stande gekommen sei. «Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das Projekt gut war», so Arnold. Für Eliane Birchmeier, FDP-Gemeinderätin der Stadt Zug und Mitglied des Prokomitees, ist klar: «Das Projekt hätte einen Mehrwert gebracht. Wir hoffen, dass die Gemeinden gemeinsam weiterplanen werden und auch die Investoren nach wie vor dabei sind.»

«Für uns bedeutet das Ergebnis einen Marschhalt», sagt Urban Keiser, Präsident der Korporation Zug, die Grundeigentümerin und Bauherrin im Stadtzuger Teil ist. Man sei über das Baarer Resultat sehr enttäuscht. «Wir werden uns Zeit nehmen, die Ergebnisse zu analysieren und dann weiter zu planen», so Keiser abschliessend.

Auch wenn hier vor allem der Park zu sehen ist: Das Unterfeld soll sehr dicht bebaut werden. (Bild: Visualisierung PD)

Auch wenn hier vor allem der Park zu sehen ist: Das Unterfeld soll sehr dicht bebaut werden. (Bild: Visualisierung PD)