ABSTIMMUNG: Stimmauszählung im Kanton Zug: Was hinter der Kulisse passiert

Nach dem Urnengang liegen der Öffentlichkeit innert Kürze genaue Zahlen betreffend Ausgang und Stimmbeteiligung vor. Aber wie genau funktioniert eigentlich die Auszählungsmaschinerie dahinter?

Julian Koller
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Am Abstimmungssonntag wird im Burgbachsaal emsig gezählt. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 21. Mai 2017))

Am Abstimmungssonntag wird im Burgbachsaal emsig gezählt. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 21. Mai 2017))

Julian Koller

redaktion@zugerzeitung.ch

Im Normalfall interessiert der Stimmauszählungsprozess vor allem dann, wenn Verdachte und Vorwürfe von Wahlbetrug im Spiel sind, doch an diesem Abstimmungssonntag verläuft das Prozedere im Zuger Burgbachsaal wie am Schnürchen. Mit rund 51 Prozent Wahlbeteiligung in der Stadt haben die Themen dieses Mal verhältnismässig wenige Wähler mobilisiert, wodurch es für die Auszähler einen eher ruhigen Sonntagmorgen gibt. «Es ist keine dieser reissenden Abstimmungen», sagt Franco Keller, Fachbereichsleiter Projekte und Organisatorisches der Stadt.

Das ändert allerdings nichts daran, dass die Auszählenden, vornehmlich Angestellte der Gemeinde und Studenten, in stiller Konzentration arbeiten. Denn auch wenn man heute nur Fliessbandarbeit verrichtet, ist man sich der Verantwortung, die dieser innewohnt, sehr wohl bewusst. So darf zum Beispiel das Handy weder während der Arbeit noch in den Pausen verwendet werden. Damit wird sichergestellt, dass keine Informationen den Abstimmungsausgang betreffend frühzeitig nach aussen durchsickern.

Die Arbeit erfordert Genauigkeit und Ausdauer

Mit eidgenössischer Effizienz sind die verschiedenen Arbeitsschritte wie Zahnrädchen ineinander gegliedert. Der Inhalt der Abstimmungscouverts und der Stimmzettelcouverts wird zuerst ausgepackt und säuberlich sortiert – an zwei voneinander getrennten Tischgruppen, um sicherzustellen, dass das Stimmgeheimnis gewahrt bleibt. Danach werden die verschiedenen Wahlzettel von Hand nach Ja oder Nein sortiert und von einer Geldzählmaschine, wie man sie in den Banken verwendet, beziffert. Ganz zum Ende werden die Zettel noch von Vertretern aller grossen Parteien gegenkontrolliert. «Man kann in diesem Prozess garantieren, dass keine einzige Stimme verloren geht», betont Franco Keller.

Auch wenn es dadurch weniger Arbeit gibt, ist er von der kleinen Stimmbeteiligung enttäuscht. Doch für die Auszähler kommt bei 51 Prozent aller Stimmberechtigten immer noch eine stattliche Anzahl zusammen: etwas über 8800 Couverts mit je vier Stimmzetteln – also mehr als genug zu tun. Selbst wenn das Prozedere nur einfache Handgriffe erfordert, ist der eine oder andere nach drei bis vier Stunden doch recht zermürbt.

Die Stimmbürger können den Auszählenden ihre Arbeit sogar etwas leichter machen, indem sie den Zettel nicht gefaltet ins Couvert legen. Einige Couverts müssen auch wegen Ungültigkeit aussortiert werden, und zwar in der überwiegenden Mehrheit aller Fälle, weil der Stimmrechtsausweis nicht unterschrieben wurde. «Allerdings sind die Leute inzwischen viel besser informiert als früher, und der Anteil an ungültigen Stimmen ist praktisch vernachlässigbar», meint Stadtschreiber Martin Würmli. «Natürlich ist es trotzdem zu bedauern, wenn es passiert, weil ja eigentlich jede Meinung zählt.»