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ABSTIMMUNG: Zuger Gastronom: Die SRG liegt ihm am Herzen

Der Gastro-Unternehmer Erich Barth hat seine eigene Meinung noch nie so offen kommuniziert wie bei der No-Billag-Initiative. Für ihn gehört die SRG zur Schweiz wie das Matterhorn.
Marco Morosoli
Erich Barth bezeichnet sich als liberal. Er schätzt das Angebot der SRG. Deshalb engagiert er sich bei der No-Billag-Abstimmung für ein Nein.

Erich Barth bezeichnet sich als liberal. Er schätzt das Angebot der SRG. Deshalb engagiert er sich bei der No-Billag-Abstimmung für ein Nein.

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

«Ich bin in einem liberalen Haus aufgewachsen», sagt Erich Barth gleich zu Beginn dieses Gesprächs. Diese Haltung der Eltern ist auch heute noch für den 51-Jährigen die oberste Richtschnur seines Tuns. Ein politisches Amt hat der Zuger Gastronom noch nie ausgeübt, aber jetzt sei es geboten, sich in die Diskussion um die No-Billag-Initiative einzubringen: «Es ist wichtig, dass die Institution SRG weiter funktioniert.» Der Text, den die Initianten in der Bundesverfassung haben wollen, ist für Barth ganz einfach «falsch». Es werde nicht «Klartext geredet». Würden die Initianten mit offenen Karten spielen, dann hätten deren treibende Kräfte den Text nämlich ohne jeglichen Schnörkel präsentieren müssen. Es gehe doch bei dieser Initiative ganz einfach um nichts Anderes als darum, ob die Schweiz weiterhin die SRG mit ihren Programmen in Wort und Bild in vier Sprachen haben wolle oder nicht.

Ja-Sager sollten sich der Konsequenzen bewusst sein

Ehrlicherweise müsse zwingend auch noch hinzugefügt werden, dass wer ein Ja in die Urne legt, bereit sei, künftig ohne Lokalradios und TV-Sender aus der Region auszukommen. Mit dem Nein zur SRG würden auch deren Subventionsgelder wegbrechen. Die Unterstützung der Lokalradiostationen mit Gebührengeld macht es überhaupt erst möglich, dass diese überhaupt überleben können. Mit Werbung alleine wäre dies nicht möglich. Barth findet zudem, dass es keine gute Idee sei, die «SRG abzustrafen, ohne eine gute Ersatzlösung aufzuzeigen».

Erich Barth sagt zudem, dass der Erhalt alleine deshalb notwendig sei, um die «Unabhängigkeit der Informationsvermittlung» in der Schweiz zu wahren. Der Unternehmer kann sich denn auch nicht vorstellen, auf dem Schweizer Fenster eines deutschen Privat-TV-Kanals eine Diskussionsendung über schweizerische Politik zu sehen. Es gälte im Weiteren auch die Maxime, dass «es nicht sein kann, dass nur noch Milliardäre sich einen TV-Kanal leisten können». Barth erinnert hier an den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der Besitzer eines Medienkonzerns mit TV-Stationen ist. Als weiteres Beispiel nennt er die USA, wo der Sender Fox des schwerreichen Australiers Rupert Murdoch die Meinung mache. An der SRG schätzt Erich Barth demgegenüber, dass dort Leute tätig sind, welche «die Ereignisse auf der Welt grösstenteils einordnen» können und «meistens ausgewogen» darüber berichten. «Fake News» gäbe es bei der SRG hoffentlich auch nicht zu sehen oder zu hören.

Der 51-Jährige weiss, wovon er spricht: «Ich habe sieben Jahre beim Schweizer Fernsehen als Aufnahmeleiter für verschiedene Sendungen gearbeitet.» Noch heute halte er Kontakt zu Freunden aus dieser Zeit, die weiterhin dort arbeiten. Die Botschaft, sich fit für die Zukunft zu machen, «ist dort angekommen», versichert er. Das Umdenken habe schon eingesetzt, als die No-Billag-Initiative noch nicht in aller Munde gewesen sei. Es sei, so Barth, auch eine Mär zu glauben, dass bei der SRG «das Geld mit beiden Händen» ausgegeben werde. Momentan «wird alles sehr genau unter die Lupe genommen».

Dass dieser Prozess aber nicht nur eine Methode sei, um die SRG-Kritiker milde zu stimmen, will Barth auch noch erwähnt haben. Die Saläre des SRG-Personals seien hoch, würden aber der von ihnen geleisteten Arbeit entsprechen.

Wer wolle, könne mitreden

Was der Unternehmer an der SRG zudem sehr schätzt: «Jeder kann direkt Einfluss nehmen. Kritik kann beim Ombudsmann deponiert werden. Es gibt auch einen Publikumsrat.» Das seien alles Errungenschaften, die es bei einem privaten TV-Sender nicht gebe. Barth erwähnt auch, dass es selbst möglich sei, bei den Redaktionen der verschiedenen Sendegefässe seine Anliegen zu deponieren: «Hier wird jeder ernst genommen.» Obsiege das Privat-TV-Modell, was nach einem Aus für die SRG wohl kommen werde, seien diese Kommunikationskanäle nicht mehr vorhanden. Die Rechnung ist, so Barth, sehr einfach: «Wer zahlt, befiehlt.» Auch das viel gehörte Argument, dass TV-Mitarbeiter ein arrogantes Gehabe an den Tag legen würden, entkräftet Barth: «In meiner Zeit beim Fernsehen habe ich nie so etwas erlebt.»

Noch nicht am Ziel angekommen

Ohne die SRG sieht Barth auch viele Sendegefässe in Gefahr: «Um die grossen Events mache ich mir keine Sorgen. Für solche Ereignisse findet sich sicher weiterhin ein TV-Kanal, welcher die Bilder davon in die gute Stube liefert.» Aber ob der Umfang demjenigen entspricht, den die SRG betreibt, «steht auf einem anderen Blatt».

Hier erwähnt Barth zum Beispiel das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das Ende August 2019 in Zug ausgetragen wird. Der 51-Jährige vergisst aber auch nicht, dass in den verschiedenen SRG-Sendern auch Formate für eine Nische produziert werden. Bei einem Pay-TV-Kanal werde hingegen gerechnet, was Geld bringe. Bleibt der kommerzielle Erfolg aus, werde das Format einfach gestrichen. Was Barth auch fehlen würde: «Das Echo der Zeit». Gäbe es diese Informationssendungen im Schweizer Radio bei einem Ja zur Initiative nicht mehr, würde dieses von den Hörern sicher sehr schnell schmerzlich vermisst. Auch Menschen, die vorgeben, sie würden keine Sendungen der SRG schauen oder hören, seien wohl nicht ganz ehrlich. Dies habe er immer wieder festgestellt, als ihn solche «SRG-Verächter» darauf angesprochen hätten: «Ich habe im Abspann deinen Namen gelesen.» Auch junge Leute, die jetzt womöglich nicht zur SRG nutzenden Schicht gehören und lieber Netflix schauen, hofft Erich Barth für ein Nein zur Initiative gewinnen zu können: «Sie werden älter und konservativer und schauen oder hören dann auch bei einem Programm der SRG rein.» Obwohl Erich Barth in den vielen Gesprächen, die er tagein tagaus mit seinen Gästen führt, feststellt, dass die Nein-Sager mehr werden, will er die Hände noch nicht in den Schoss legen: «Es wird knapp.» Es sei auch viel zu kurz gedacht, wenn einzig und alleine die Zwangsgebühr als Antrieb für ein Ja zur No-Billag-Initiative genannt werde: «Bei dieser Abstimmung geht es letztlich auch um ein Stück Schweiz.»

Es sollte wieder Zeit sein für die wichtigen Themen

Wenn der emotionale Abstimmungskampf über die SRG – «hoffentlich siegreich» – vorbei sei, erhofft sich Erich Barth, dass wieder mehr Zeit sei, um über die wirklichen Probleme der Schweiz zu reden. Dazu zählt der 51-Jährige das Schweizer Verhältnis zur EU, die Sorge zur Umwelt und die Anstrengungen für die Bildung. Doch vorerst kämpft er weiter für die SRG: «Wir dürfen doch nicht etwas kaputt machen, was sich so lange bewährt hat.»

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