Leserbrief

Absurde Diskussion

Zur Debatte über die Bezeichnung «Mohrenkopf»

Drucken
Teilen

Wenn die Diskussion um den Mohrenkopf absurde Züge annimmt, dann nicht nur anlässlich der Schlachtfeiern, die wir jährlich und mit grosser Freude durchführen. Notabene feiern wir dabei die Tötung von Menschen und erfreuen uns mit Bratwurst und Bier daran, dass unsere Vorfahren andere abgeschlachtet haben.

Ob das weniger pervers ist, als ein Süssgebäck mit einem Namen zu bezeichnen, welcher auf einen Menschen angewendet tatsächlich negativ ist? Sind wir auf dem richtigen Weg, wenn wir in Afrika Kinder verhungern lassen, aber Leute sich darüber aufregen, dass Personen mit dunkler Hautfarbe von diesem Kontinent sich betroffen fühlen, wenn unser Süssgebäck einen falschen Namen trägt? Von der negativen Bedeutung des Wortes soll man nicht ablenken, allerdings werden die Untaten früherer Zeiten nicht damit getilgt, wenn man Begriffe aus dem Wortschatz verbannt. Zudem wirkt es in diesem Zusammenhang lächerlich, wenn auch geschichtlich wesentlich weniger belastete Bezeichnungen zu verschwinden haben. Das Gebäck Meitschibei ist scheinbar eine Zumutung für Frauen.

Wo kommen wir hin, wenn ein paar Unverbesserliche in der Bäckerei fragen, ob die Verkäuferin Meitschibei habe? Ob es dann besser ist, dass statt Mohrenköpfen nach Schoggiküssen nachgefragt wird?

Karl Künzle, Menzingen