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Achtung, hört her!

Die Fusion von ägyptischer und helvetischer Musik ist der Zuger Akkordeonistin Patricia Draeger gelungen: Das «Ala Fekra» Projekt sorgte für einen vollen Burgbachkeller und begeisterte Zuhörer.
Haymo Empl
Schweiz trifft Ägypten: Mit dem «Ala Fekra» Projekt eroberte die Zuger Akkordeonistin Patricia Draeger (Mitte) ihr Publikum im Handumdrehen. Die klangliche Fusion – ein Erfolgsrezept. (Bild: Ingo Höhn / www.dphoto.ch)

Schweiz trifft Ägypten: Mit dem «Ala Fekra» Projekt eroberte die Zuger Akkordeonistin Patricia Draeger (Mitte) ihr Publikum im Handumdrehen. Die klangliche Fusion – ein Erfolgsrezept. (Bild: Ingo Höhn / www.dphoto.ch)

Fusionen von verschiedenen Musikstilen kommen und gehen. Es scheint aber ganz so, als ob «Ala Fekra» gekommen ist, um zu bleiben. Traditionelle ägyptische Musikinstrumente, jeweils landestypisch gestimmt, und dazu die helvetische Instrumentenkombination schlechthin: Schwyzerörgeli/Akkordeon. Begleitet von Bass, Schlagzeug und Saxofon. Das klingt dicht, harmonisch, aufregend und stellenweise ungewohnt. «Ala Fekra» ist das Projekt der Zugerin Patricia Draeger. Die Zusammenarbeit mit den zwei ägyptischen Musikern Yamen Abdallah und Amr Darwish begann vor gut drei Jahren. Patricia Draeger erinnert sich: «Im Oktober 2016 durfte ich im Rahmen der Städtekonferenz Kultur (SKK) bzw. der Stadt Zug für drei Monate im Künstleratelier in Kairo weilen. Ich lernte viele interessante Musiker kennen, aber es kristallisierte sich bald heraus, mit welchen Musikern ich unbedingt weiter musizieren wollte.»

Das Ergebnis konnte am Donnerstag im praktisch ausverkauften Burgbachkeller akustisch genossen werden. Die helvetische Fraktion auf der linken Seite, rechts die beiden Ägypter. In der Mitte Patricia Draeger, daneben Albin Brun, der auch verschiedene Kompositionen beisteuerte.

Akustische Ergänzung

Unmittelbar nach dem Klang der ersten Töne wurde klar, dass das musikalische Konzept funktionieren würde. Die Instrumente standen akustisch nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzten sich auf eine neue, originelle Art. Dies geschah auf äusserst homogene, unaufgeregte und natürliche Art und Weise. Gerade so halt, als ob man immer schon so gespielt hätte in der Schweiz. Wohltuend auch, dass die Initiantin des Projekts komplett auf eine «Inszenierung des Fremden» verzichtete. Denn die Musik sollte schliesslich kulturverbinden wirken, dazu brauchte es keinen weiteren Orientschnickschnack. Die Musik war hier einmal mehr völkerverbindend, und die kluge und stilsichere Auswahl der Kompositionen machte auch keine gewagten «Spagat-Arrangements» oder Kompromisslösungen notwendig. «Wir spielen an den Konzerten unsere eigene Musik, also nicht original Schweizer Musik oder original ägyptische Musik», führt Patricia Draeger hierzu aus. «Aber man hört, wo wir verwurzelt sind. Beide Seiten improvisieren gerne, hören gerne einander zu. Wir lernen viel voneinander», so Draeger weiter.

Sie spürte bereits damals in Kairo, dass die beiden ägyptischen Musiker nach neuen Wegen suchten, um sich auszudrücken, aber «ohne die Wurzeln ihrer musikalischen Herkunft zu verleugnen», erklärt die Zugerin. Dieses «voneinander lernen» ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts Ala Fekra. «Es ist mir ein Anliegen, dass dieser Kulturaustausch immer wieder von neuem stattfindet. Daher liegen mir nebst den Konzerten auch die Workshops am Herzen», so Patricia Draeger. Es sei ihr zudem wichtig, auch andere Kunstformen mit der Musik zu verbinden und verschiedene Gastmusiker zu Konzerten einzuladen.

Orientalische Instrumente

Am Donnerstagabend faszinierten die unterschiedlichen Instrumente. Die orientalische Kastenzither Kanun beispielsweise ist hierzulande kaum bekannt. Faszinierend war Yamen Abdallahs Spiel auf diesem Instrument – und ein kleiner Kraftakt dazu, denn das relativ grosse Zupfinstrument wird auf den Knien gespielt. Weniger spektakulär mutete die Violine an – allerdings nur auf den ersten Blick, denn so vertraut das Instrument ist, so unterschiedlich die Spielweise und Stimmung. Die Violine klang vertraut und doch so fremd. Musikfusion also, die en passant auch noch als Kulturvermittlung dient. Oder ist es umgekehrt? Der Zugang zum Fremden kann auf mannigfaltige Art und Weise geschehen, im Fall vom Ala Fektra Projekt geschieht dies über nonverbale, sanfte Annäherung.

Volksmusik einmal anders

Gespielt wurde ja «Volksmusik» und schon allein im Wort «Volk» steckt eine Menge und lässt entsprechenden Interpretationsspielraum zu. Wie weit man sich im Rahmen des Projekts «Ala Fekra» mit Kulturfusion und dem «voneinander lernen» auseinandersetzten möchte, ist jedem selbst überlassen. Patricia Draeger gab am Konzertabend entsprechende musikalische Impulse, trat aber nie missionarisch oder gar politisch auf. Auch nicht bei den kurzen Ansagen zwischen den Stücken. Und zum titelgebenden Namen des Projektes erklärte Patricia Draeger: «Ich hörte in Kairo immer wieder das Wort ‹Ala Fekra›. Mir gefiel der Klang des Wortes und ich fragte nach der Bedeutung. Sie erklärten mir, es bedeute ‹übrigens›, ‹by the way› … aber gleichzeitig bedeute es auch: Achtung, hört her! Es soll Leute auf etwas aufmerksam machen.»

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