Actavis steht vor Übernahme

Die Generikabranche steht unmittelbar vor einer weiteren milliardenschweren Übernahme. Der Verkauf des Medikamentenherstellers Actavis mit Sitz in der Schweiz an den US-Konzern Watson ist im Prinzip beschlossene Sache.

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Der isländische Generikahersteller (hier bei der Eröffnungsfeier) ist in Steinhausen zuhause. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der isländische Generikahersteller (hier bei der Eröffnungsfeier) ist in Steinhausen zuhause. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Allerdings stecke der Teufel im Detail, hiess es von Seiten des im Kanton Zug ansässigen Unternehmens am Mittwoch. Der Deal stehe zwar, aber noch fehle eine Unterschrift. Damit bestätigte Actavis erstmals die Fusionsabsichten, über die mehrere Medien seit einiger Zeit berichtet hatten. Eigentlich hatten beide Konzerne den Zusammenschluss noch am (heutigen) Mittwoch bekannt geben wollen. Alle anberaumten Medienkonferenzen wurden wieder abgesagt.

Dabei geht es um ein Milliardengeschäft. Der Kaufpreis liege voraussichtlich bei über 5 Mrd. Franken, berichteten Medien. Mit dem Kauf von Actavis würden die Amerikaner nach Daten des Pharmadatenanbieters IMS Health zur weltweiten Nummer vier der Generikabranche aufsteigen.

Konkurrenz für Sandoz

Durch die breitere Aufstellung könnte Watson stärker mit den beiden Top-Firmen der Branche, dem israelischen Konzern Teva und der Novartis-Tochter Sandoz, konkurrieren. Beide hatten in den vergangenen Jahren Milliarden-Übernahmen gestemmt.

Seit einigen Jahren findet ein Konzentrationsprozess unter den Herstellern von Medikamentenkopien statt. Die Unternehmen wollen auf diesem Wege Grössenvorteile gewinnen.

So hatte Novartis 2005 den deutschen Generika-Hersteller Hexal und das US-Unternehmen Eon Labs übernommen. Der israelische Weltmarktführer Teva konterte und kaufte 2005 die US-Firma Ivax und 2010 den deutschen Produzenten Ratiopharm. Auch Actavis galt schon seit einiger Zeit als Kandidat für einen Zusammenschluss mit einem Konkurrenten.

Für Watson ist der Kauf von Actavis ein Riesenschritt, nachdem der Konzern in den vergangenen sieben Jahren zwei Grossakquisitionen für insgesamt 3,7 Mrd. Dollar getätigt hatte. Mit einem Zusammenschluss könnten Actavis und Watson erhebliche Synergien erzielen, die sich laut Schätzungen auf rund 200 Mio. Euro an Einsparungen belaufen könnten.

Start als Einkaufsverband

Actavis war 1956 in Island als Einkaufsverband gegründet worden. 1960 wurde die Arzneimittelproduktion für die Insel im Nordatlantik aufgenommen. 1981 begann die Lohnherstellung für internationale Pharmakonzerne. Seit der Jahrtausendwende setzte eine kräftige Expansion ein. Von 57 Mio. Euro Umsatz und 146 Angestellten im Jahre 1999 wuchs Actavis auf knapp 1,9 Mrd. Euro Umsatz und über 10'000 Mitarbeiter im Jahre 2011.

Mittlerweile ist Actavis in über 40 Ländern rund um den Globus tätig. Die grössten Standorte sind in den USA, Bulgarien, Indien, Rumänien und Grossbritannien. Watson seinerseits ist mit 4,6 Mrd. Dollar (umgerechnet: 3,5 Mrd. Euro) Umsatz im vergangenen Jahr nicht ganz doppelt so gross wie Actavis.

Anfangs vergangenen Jahres verlegte Actavis den Hauptsitz nach Steinhausen im Kanton Zug. Für Steinhausen sprachen wohl die attraktiven Steuern, die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal, die Nähe des Flughafens sowie die internationale Gemeinschaft, die sich im Kanton Zug wohl fühlt. In der Schweiz arbeiten derzeit über 150 Angestellte.

Beteiligt am Deal sei die Deutsche Bank, die der grösste Gläubiger von Actavis sei, hiess es weiter. Die Bank hatte im vergangenen Jahr wegen Actavis Abschreibungen von 407 Mio. Euro verschmerzen müssen. Das Geldhaus hatte 2007 die Akquisition der damals noch isländischen Firma durch den Milliardär Björgolfur Thor Björgolfsson finanziert.

sda