Addio, Salvo Montalbano

Andrea Camilleri, bekannt als Schöpfer des sizilianischen Commissario Montalbano ist tot. Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung »wird beide vermissen.

Harry Ziegler
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Harry Ziegler

Harry Ziegler

Ein grosser, intelligenter Mann ist nicht mehr. Der italienische Schriftsteller Andrea Camilleri (1925-2019), Vater des vierschrötigen Comissario Salvo Montalbano. Dieser sizilianische Kommissar, der alle Kriminalfälle mit Einfallsreichtum und einer gehörigen Portion Störrigkeit löst.

Die «Neue Zürcher Zeitung» beschreibt Camilleri in einem diese Woche erschienen Text als «Ideenschmuggler». Richtigerweise. Camilleri verstand es hervorragend, Kritik am italienischen Staat, der Gesellschaft gemeinhin in seine Krimis zu schmuggeln. Via Montalbano erreichten seine teils ätzende Kritik oder politischen Ideen und Überzeugungen Millionen von Leserinnen und Lesern. Und das listig, aber charmant verpackt. Zu hoffen ist, dass mit Andrea Camilleri nicht der letzte Autor gestorben ist, der sich auf das Ideenschmuggeln versteht.

Die Figur des Commissario gab dem Autor zudem die notwendige Freiheit, sich seiner wirklichen Leidenschaft, dem historischen Roman, zu widmen. Camilleri wäre nicht Camilleri, hätte er nicht für den Fall seines Ablebens vorgesorgt. Krimitechnisch. Er hat bereits Jahre vor seinem Tod bei seinem Verlag den letzten Montalbano-Roman hinterlegt. Nach Camilleri wird also auch Montalbano bald aus unserem Leben verschwinden. Der Autor aber war seiner Figur gegenüber so gnädig, dass der Commissario zwar verschwinden, aber nicht sterben wird. Ich werde beide vermissen. Addio, Andrea Camilleri, addio Commissario.