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ADVENT: Wie viel Weihnachten darf es im Klassenzimmer sein?

Längst sitzen in den Schulbänken nicht mehr nur Christen. In Zug ist man sich einig, dass christliche Bräuche trotzdem Platz haben – es kommt auf die Vermittlung an.
Rahel Hug Rahel Hug
Bald ist Weihnachten: die Schüler der ersten Klasse von Marc Haring im Herti-Schulhaus bei ihrem täglichen Adventsritual. (Bild Stefan Kaiser)

Bald ist Weihnachten: die Schüler der ersten Klasse von Marc Haring im Herti-Schulhaus bei ihrem täglichen Adventsritual. (Bild Stefan Kaiser)

Es weihnachtet. Nicht nur auf den Strassen, in den Schaufenstern und den Stuben, sondern auch in den Klassenzimmern. Seien es Fensterdekorationen, Krippenspiele, Kalender, Kränze oder ein gemeinsames Weihnachtssingen – die Adventszeit ist in den Schulen allgegenwärtig. Doch wie vermitteln Lehrer das christliche Weihnachtsfest in Klassen, die sich längst nicht mehr nur aus christlichen Kindern zusammensetzen? Müssen sie heutzutage – da immer wieder über Religions-, Glaubens- und Gewissensfreiheit gestritten wird – sensibler sein?

Themen neutral vermitteln

Im Schulhaus Guthirt ist der Anteil an fremdsprachigen und nicht-christlichen Kindern traditionsgemäss hoch. Seit 31 Jahren unterrichtet Thekla Cerletti-Schöb hier auf der Primarstufe – aktuell hat sie eine dritte Klasse. Was die Umsetzung von Weihnachtsbräuchen angeht, hat die langjährige Lehrerin eine pragmatische Haltung. «Wir leben in einer christlichen Gesellschaft. Deshalb gehört Weihnachten für mich dazu.» Es gelte aber, die Themen möglichst neutral zu vermitteln und dabei auch auf andere Religionen einzugehen. So arbeitet Thekla Cerletti in der Adventszeit etwa mit einem Kalender, der aufzeigt, wie Weihnachten auf der ganzen Welt gefeiert wird. «Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Es entstehen spannende Diskussionen.» Ausserdem treffen sich die Kinder am Morgen im Adventskreis und zünden gemeinsam eine Kerze an.

Mit diesen Ritualen will die Pädagogin Raum für ruhige Momente schaffen. «Dabei geht es nicht um Religiosität, sondern um Grundwerte wie Friede und Gemeinsinn, die wir alle teilen.» Cerletti greift dabei auf Lehrmittel des Fachbereichs Ethik und Religion zurück. Dieses Fach wurde 2007 eingeführt. «Es hat mich von Anfang an sehr angesprochen und bietet gute Denkanstösse», führt die Zugerin aus. Obwohl Thekla Cerletti gerne weihnächtliche Bräuche mit ihrer Klasse pflegt: ein Krippenspiel im klassischen Sinne würde sie dann doch nicht planen: «Es müsste schon eine offenere Weihnachtsgeschichte sein.» Negative Rückmeldungen von Eltern wegen religiösen oder lokalen Bräuchen seien sehr selten.

Feierlich, aber nicht religiös

Weihnachten in der Schule zu thematisieren und zu feiern, ist auch für Oezlem Cimen selbstverständlich. Die Lehrerin mit Wurzeln in der Türkei hat sechs Jahre auf der Kindergartenstufe unterrichtet und ist heute als schulische Heilpädagogin im Schulhaus Herti tätig. «Als ich als Kind in der Schule Weihnachten feiern durfte, war das für mich sehr spannend», sagt die Zugerin, die heute konfessionslos lebt. Ihr Credo lautet: Weihnachtsrituale sollen in der Schule ihren Platz haben und feierlich gehalten werden. Es gelte, die hiesigen Bräuche zu thematisieren und deren Hintergründe aufzuzeigen. Wesentlich sei, dass dabei die Interkulturalität berücksichtigt werde. Ausserdem sei es wichtig, jedem Kind die Freiheit zu lassen, ob es mitmachen will oder nicht. Mit dieser Praxis habe sie gute Erfahrungen gemacht. «Mir sind keine Fälle von Schülern bekannt, die sich diskriminiert fühlten.»

Eine ähnliche Haltung hat Kamuran Gökce. Er ist Vizepräsident der türkisch-islamischen Vereinigung Zug und Mitglied in der Baarer Integrationskommission. Weihnachten sei aus der öffentlichen Schule nicht wegzudenken. «Es ist aber wichtig, dass im Unterricht verschiedene Religionen angeschaut und Brücken gebaut werden», ist er der Meinung. Man solle religiöse Feste mit Kindern besprechen und somit Hemmschwellen und Vorurteile abbauen. «Die Kinder wissen zu wenig voneinander», ist Gökce, der früher als Fachlehrer im Schulhaus Herti tätig war und sich heute in der Hausaufgabenhilfe engagiert, überzeugt. «Das Fach Ethik und Religion bietet eine gute Plattform, um solche Fragen zu behandeln. Es ist wohl eines der wichtigsten Fächer überhaupt.»

Keine Reklamationen

Dass man zur hiesigen Kultur in der Adventszeit stehen soll, finden auch Urs Landolt, Rektor der Stadtschulen Zug, und Bildungsdirektor Stephan Schleiss. «Reklamationen im Zusammenhang mit christlichem Brauchtum sind sehr selten», sagt etwa Regierungsrat Schleiss. Bräuche müssten deshalb auch nicht reglementiert werden. Jede Gemeinde und Schulklasse sei bisher in der Lage gewesen, eine gute Form des Weihnachtsbrauches zu leben. «Wir zählen auf die Kompetenz der Lehrperson, auch bei diesem Thema situationsgerecht und einfühlsam zu reagieren», fügt Urs Landolt an. «Selbstverständlich wird dabei die Religionsfreiheit respektiert.»

Die Grundlagen für das interreligiöse Lernen mit Kindern erwerben die angehenden Lehrer an der PH Zug. Iris Nydegger, Fachschaftsleiterin Fachdidaktik Ethik und Religionen, sagt: «Bräuche müssen nicht eingeschränkt werden, sofern sie keinen Bekenntnischarakter haben und keine religiösen Handlungen vorsehen.» Würden Krippenspiele allerdings mit Gebeten oder religiösen Liedern untermalt, sei die Teilnahme freiwillig. Der Unterricht, so Nydegger weiter, müsse religiös neutral gestaltet werden. «In jedem Fall gilt: die religiösen Gefühle von Kindern und Jugendlichen dürfen nicht verletzt werden.» Entscheidend sei auch, dass die Eltern über die Inhalte und Ziele des Fachs Ethik und Religionen informiert werden. «Die Eltern müssen wissen, dass es sich um einen sogenannten Erkenntnis- und nicht um einen Bekenntnisunterricht handelt.»

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