ÄGERIBAD: Gemeinden haften für das Bad

Die Finanzierung soll nun über die Gemeinden laufen, weil die Konditionen so besser sind. Das heizt die Diskussion im Tal erneut an.

Carmen Desax
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So soll das Ägeribad dereinst aussehen – über die Finanzierung wird hingegen noch debattiert. (Bild: Visualisierung)

So soll das Ägeribad dereinst aussehen – über die Finanzierung wird hingegen noch debattiert. (Bild: Visualisierung)

Carmen Desax

Einmal mehr sorgt das Ägeribad für Gesprächsstoff: Nun wurde bekannt, dass die Finanzierung nicht wie geplant über die Ägeribad AG laufen soll, sondern dass die beiden beteiligten Gemeinden Oberägeri und Unterägeri den jeweiligen Kredit selber aufnehmen. Bei der Abstimmung vom 22. Juni 2014 hatte noch folgender Plan für die Finanzierung der benötigten 36 Millionen Franken gegolten: Das Aktienkapital der Ägeribad AG beträgt 10 Millionen Franken. Oberägeri beteiligt sich mit 60 Prozent, Unterägeri mit 40 Prozent. Die restlichen 26 Millionen müssen von der AG selbst finanziert werden. Sie müsste also selber ein Darlehen aufnehmen. Mit 70 Prozent hat die Bevölkerung dem Kredit sowie der Gründung der Ägeribad AG zugestimmt.

Jetzt heisst es in der Einladung zur Oberägerer Gemeindeversammlung: «Abklärungen haben nun ergeben, dass die Konditionen der Kreditgewährung an die Gemeinden besser sind, als wenn die Ägeribad AG die Kredite selber beschaffen würde.» Die rund 16 Millionen Franken möchte die Gemeinde Oberägeri nun selber aufnehmen. Dieses Vorgehen muss an der Gemeindeversammlung vom 7. Dezember verhandelt werden. Dasselbe gilt für Unterägeri. Die Bevölkerung wird dort am 14. Dezember über einen Kredit von 10 Millionen Franken abstimmen.

Eine besondere Herausforderung

«Die beiden Gemeinden und die Ägeribad AG haben sich zusammengesetzt, und schnell war klar, dass wir uns diese Chance nicht entgehen lassen können», sagt der Oberägerer Gemeindepräsident Pius Meier. Er ist auch Präsident des Verwaltungsrates des Bades. Es sei immer eine besondere Herausforderung, wenn zwei Gemeinden zusammen ein Projekt realisierten. «Deshalb wollten wir erst die Abstimmung abwarten und dann einen Schritt weitergehen.» Er hoffe sehr, dass die Vorlage in beiden Gemeinden angenommen werde: «Damit können wir die Folgekosten tiefer halten, als wir ursprünglich budgetiert haben.»

Kritik an der Kommunikation

Bereits vor der Abstimmung gab es in Oberägeri viele, die aufgrund der unsicheren finanziellen Risiken Bedenken hatten. Ein Oberägerer, der nicht genannt werden möchte, befürchtet, dass weitere Steuerhöhungen folgen könnten. Klar sei, dass das Vorgehen des Gemeinderates nicht der ursprünglichen Absicht entspreche und vor der Abstimmung über das Bad nicht so kommuniziert worden sei. André Grunder, Präsident der SP in Unterägeri, ist ebenfalls der Ansicht, dass die Gemeinderäte nicht ganz so geschickt kommuniziert haben. «Der Plan musste wohl situativ angepasst werden, die Zinsen sind ja immer in Bewegung.» Verständnis für den Gemeinderat hat Peter Held, Präsident der Oberägerer FDP: «Es ist vollkommen klar, dass eine Kreditaufnahme für die Gemeinde günstiger kommt als für die Ägeribad AG.» Wieso die Diskussion erst jetzt aufkommt, kann er sich nicht ganz erklären: «Vielleicht hatten die Vertreter der AG das nicht bis ins Detail abgeklärt», vermutet er korrekt. Zu den Diskussionen im Dorf meint Held, dass zwei Sachen vermischt würden: «Die Bevölkerung fragt sich aufgrund des veränderten finanzpoli­tischen Klimas, ob man sich das Schwimmbad noch leisten kann. Doch diese Frage kommt eineinhalb Jahre zu spät.» Abgestimmt habe man bereits, jetzt gehe es um die Finanzierung. Er betont aber, dass der Gemeinderat 2014 die Entwicklung der Finanzsituation nicht richtig eingeschätzt habe.