ÄGERISEE: Streit um Fischereirechte steht vor Beilegung

Ab dem 1. April können für den ganzen Ägerisee wieder Fischereipatente gelöst werden. Das schien bis vor kurzem nicht möglich.

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Ab 1. April können Fischereipatente für den Ägerisee (Bild aufgenommen am 5. März) gelöst werden. (Bild Maria Schmid)

Ab 1. April können Fischereipatente für den Ägerisee (Bild aufgenommen am 5. März) gelöst werden. (Bild Maria Schmid)

haz. In den Streit um die Fischenzen und die Einnahmen aus den Fischereipatenten scheint Bewegung zu kommen. Wie die Einwohnergemeinde Oberägeri meldet, können ab dem 1. April wieder Fischereipatente für den gesamten Ägerisee bezogen werden. Dies an den bisherigen Verkaufsstellen und zu den bisher geltenden Konditionen.

Bis vor kurzem war unklar, ob heuer überhaupt Patente gelöst werden können. Denn der Inhaber der Fischenzen für den Obersee, der Berufsfischer Hanspeter Merz, hatte den Vertrag mit den Einwohnergemeinden Ober- und Unterägeri per Ende 2014 gekündigt (Ausgabe vom 4. Februar). Die Sport- und Hobbyfischer hätten so im Obersee nicht mehr fischen dürfen. Hanspeter Merz hätte den Fischern den patentlosen Zugang zu seinem Seeanteil bis zum Ende dieses Monats gestattet. Merz ist der einzige Berufsfischer auf dem Ägerisee und besitzt für rund 70 Prozent des Sees die Fischereirechte (Fischenzen, siehe Box).

«Sehr einvernehmliche Gespräche»

Die Einwohnergemeinden Oberägeri und Unterägeri sowie der Inhaber der Fischenzen am Obersee hätten sich «in sehr einvernehmlichen Gesprächen darauf geeinigt, weiterhin Fischereipatente für den gesamten Ägerisee herauszugeben», heisst es in einer Mitteilung der Einwohnergemeinde Oberägeri.

Allerdings geben die Verhandlungspartner keine Auskunft zu den bisherigen Ergebnissen der Verhandlungen. Darüber gilt «zwischen den Parteien zum jetzigen Zeitpunkt Stillschweigen». Die Gespräche zwischen den beiden Einwohnergemeinden und Hanspeter Merz gehen weiter, wie der Berufsfischer auf Anfrage bestätigt. «Noch haben wir nicht alles besprochen», sagt Merz. Die Verhandlungen seien aber auf gutem Wege. «Ich bin zuversichtlich, dass wir zu einer Lösung kommen», erklärt Hanspeter Merz. Das sieht auch der zuständige Gemeinderat Oberägeris, Peter Staub, so. Zwar werde der Patentverkauf am 1. April aufgenommen. «Es gibt aber noch keine Vereinbarung, wie das in Zukunft gehandhabt wird.» Beide Seiten seien aber bestrebt, eine Lösung zu suchen, die sowohl für Berufs- als auch Sportfischer «auf längere Zeit zufriedenstellend ist».

Komplizierte Sachlage

Die Ausgangslage für die Verhandlungen ist relativ kompliziert. Im Februar hatten die Parteien angekündigt, eine Auslegeordnung machen zu wollen. Es sei nicht klar, welche Rechte tatsächlich anerkannt seien, und welche nicht. Unter anderem datiert die von Merz gekündigte Vereinbarung mit den beiden Einwohnergemeinden aus dem Jahr 1956 und betrifft auch Vorgänge und Verträge aus der Zeit um 1850. Merz begründete die Kündigung der Vereinbarung auch damit, nicht genügend Geld aus dem Verkauf der Fischereipatente zu erhalten. Er bekomme 35 Prozent, sei aber für Aufzucht und Brut der Fische im See verantwortlich, was ihn jährlich viel Zeit und Geld koste, sagte er im Februar in unserer Zeitung. Von seiner Arbeit profitierten jedoch nicht nur er, sondern alle Ägerisee-Fischer.

Altverbriefte Rechte

Das Recht, in einem Gewässer zu fischen, nennt man in der Schweiz auch heute noch Fischenz. Ein grosser Teil dieser Fischenzen oder Fischereirechte gehören Körperschaften. Das sind meist Kantone, Gemeinden und Genossenschaften. Doch auch Private besitzen Fischenzen. Dabei handelt es sich meistens um Berufsfischer.

Es braucht Zustimmung

Üblicherweise gehören ihnen diese Rechte seit Generationen, da diese jeweils weitervererbt werden.Ob Private oder Körperschaft: Es bedarf der Zustimmung des Eigentümers oder des Pächters der Fischenz, um in einem bestimmten Gewässer die Fischerei ausüben zu dürfen. Dieses Recht erwerben die Fischer dabei meist in Form eines Patents. Alle Fischer, ob Berufs- oder Sportfischer, müssen sich natürlich an die geltenden Bestimmungen der Gemeinden, Kantone oder des Bundes halten.