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ÄGERITAL: Gemeinden im Wechselbad der Gefühle

Die Abstimmung zur Finanzierung des Ägeri­bads sorgt für Verwirrung. Die Gemeindepräsidenten haben das Bedürfnis, sich und das Projekt zu erklären.
Das Ägeribad kommt. Wie die Abstimmungen an den Gemeindeversammlungen ausgehen, ist dafür unerheblich. (Bild: Visualisierung PD)

Das Ägeribad kommt. Wie die Abstimmungen an den Gemeindeversammlungen ausgehen, ist dafür unerheblich. (Bild: Visualisierung PD)

Raphael Biermayr

Vom Zeitungsleserbrief geht auch im Digitalzeitalter eine Macht aus. Zumindest im Ägerital. In einem Sitzungszimmer des Rathauses Oberägeri stehen an diesem Nachmittag ein paar Gläser und Flaschen mit Wasser auf dem Tisch. Um diesen herum platzieren sich die Gemeindepräsidenten von Oberägeri, Pius Meier, und Unterägeri, Josef Ribary, sowie die Kommunikationsbeauftragte von Oberägeri, Manuela Kaech.

Die Gemeindeoberen wollen … ja, was wollen sie eigentlich? Jedenfalls keinen Schlagabtausch in der Leserbriefrubrik, das werde «generell nicht gemacht», erklären die Oberägerer Vertreter. Pius Meier ergänzt: «Und es ist schon gar keine Rechtfertigung.» Josef Ribary wirft ein: «Es geht um eine Klarstellung.»

Eigentlich war alles klar

Wie auch immer: Es wird viel Wind gemacht um gerade einmal drei Leserbriefe in dieser Zeitung. Doch sie betreffen das Megaprojekt im Zuger Höhental: Das 36 Millionen Franken teure Ägeribad hat offenkundig Wellen geworfen und ein paar Zeilen in diese Zeitung sowie ein paar Unsicherheiten in die Gläser auf den Stammtischen der Dörfer gespült. Dabei war doch alles klar: Im Juni 2014 hatte die Stimmbevölkerung beider Gemeinden mit einem überwältigenden Mehr die Errichtung des Wellness- und Freizeitbads angenommen.

Der Grund für das Wechselbad der Gefühle liegt in den Traktanden an den Gemeindeversammlungen am 7. (Oberägeri) beziehungsweise 14. Dezember (Unterägeri). Dort wird – nicht dem eigentlichen Plan entsprechend – über die Finanzierung des Bads abgestimmt. Denn nach der ursprünglichen Variante würde die mit einem mit 10 Millionen Franken von den Gemeinden bezuschusste Ägeribad AG die restlichen 26 Millionen Franken an Darlehen aufnehmen müssen. Nun sollen das die beiden Gemeinden tun.

Veränderte Voraussetzungen

Das interpretiert Leserbriefschreiber Thiemo Hächler aus Oberägeri (alt Kantonsrat) als ein «Für-dumm-Verkaufen des Volks». Er argumentiert, dass die Ägeribad AG als defizitäres Unternehmen – in der Regel bringt ein Badbetrieb tatsächlich keinen Gewinn ein – sowieso keinen Kredit erhalten würde. Ein starkes Argument. Pius Meier, auch Verwaltungsratspräsident der Ägeribad AG, hat sich darauf vorbereitet. Er zückt aus den säuberlich ausgelegten Unterlagen die Botschaft (Vorlage) zur Abstimmung vom Juni 2014 und zitiert überzeugt und überzeugend aus mit giftgrünem Leuchtstift hinterlegten Passagen. Danach führt er aus: «Wir haben schon vor der Gründung der AG diskutiert, ob die Gemeinden die Darlehen aufnehmen sollen. Es herrschten bei den Abklärungen unterschiedliche Meinungen vor, ob die Gemeinden besser gestellt wären als die AG oder nicht. Mittlerweile hat sich das Zinsumfeld verändert, was uns begünstigt.»

Josef Ribary hat das alles schon Dutzende Male gehört oder selbst ausgeführt. Das merkt man ihm an. Mit verschränkten Händen ergänzt er in einer grossen Selbstverständlichkeit: «Auch die Ägeribad AG würde das Darlehen erhalten. Die Gemeinden erhalten es einfach bis zu einem Prozent günstiger, was also etwa 260 000 Franken ausmacht.» Der Grund für die Differenz in den Darlehenszinsen seien Bewertungsunterschiede zwischen der AG und den Gemeinden. Letztere würden dank «ihrer grösseren Sicherheiten» (Meier) höher bewertet werden. Zusammengefasst: Dank der Negativzinsen sind grosse und verhältnismässig sichere Darlehensnehmer wie eben die Ägerer Gemeinden plötzlich gesucht.

Kein Grund für Steuererhöhung

Wie steht es um das Risiko für die Gemeinden? Zum Beispiel, wenn sich der Bau verzögert. «Dann ist einfach das Defizit höher», sagt Ribary. Meier wirft ein: «Das Defizit wird so oder so von den Gemeinden getragen, wie das schon in der Botschaft zur GV vom Juni 2014 festgehalten ist. Das ist Bestandteil der Leistungsvereinbarung zwischen der AG und den Gemeinden.»

Stimmen diese Ausführungen, geht es an den Gemeindeversammlungen also um die absurde Frage, ob das Stimmvolk mehr oder weniger zahlen will für ein und dasselbe Bad. Ribary sagt dazu: «Wenn das Volk die teure Variante nimmt, nähmen wir das Geld zu höheren Konditionen auf. Das wäre natürlich schade.» Meier ergänzt: «Gerade in der heutigen Zeit.» Damit spielt er auf die geänderten finanziellen Vorzeichen im Gegensatz zur ersten Abstimmung an, erst recht in seiner Gemeinde.

Das wiederum tangiert das Thema des Leserbriefs von Jake van Messel aus Oberägeri: Am 7. Dezember wird in jener Kommune nämlich auch über eine Erhöhung des Steuerfusses um 3 Prozentpunkte befunden. Es liegt nah, darin eine Verbindung zum Ägeribad zu sehen. Manuela Kaech sagt: «Es besteht kein Zusammenhang, das ist für einige nicht leicht zu verstehen. Die Situation ist etwas unglücklich.» Meier führt aus: «Die Prognosen waren anders, als wir über das Bad abgestimmt haben. Wir gingen damals von gleichbleibenden Steuereinnahmen aus. Das hat sich leider nicht bewahrheitet. Die Steuererhöhung hat gar nichts mit dem Ägeribad zu tun.»

Das Bad kommt so oder so

Nichts zu tun hat auch die Abstimmung über die neue Darlehensaufnahme mit der Errichtung des Bads – das kommt so oder so. Gemäss Meier sind mittlerweile alle Baubewilligungen erteilt worden. Bis Ende Januar soll ein Generalunternehmer für die Durchführung bestimmt sein, Mitte 2018 ist die Eröffnung geplant. Und würde die Darlehensaufnahme in den nächsten Tagen in einer Gemeinde abgelehnt und in der anderen angenommen, fiele der Minderaufwand durch die genannten Zinsvorteile entsprechend geringer aus.

Die Deutlichkeit der Ausführungen nährt die Ahnung, dass wohl höchstens ein Sturm im (Chlor-)Wasserglas durchs Ägerital tobt. Liegt die Schuld an der Unsicherheit bei der Information der Bevölkerung durch die Verantwortlichen? Das thematisiert der Leserbrief des Unterägerers Hans-Rudolf Iten-Hartmann. Pius Meier nestelt wieder in seiner Unterlagenbeige. «Wir haben uns auch schon gefragt: War das Ganze in der Botschaft zu wenig klar erklärt?» Er habe sich im Dorf umgehört und gemerkt: «Viele haben die Vorlage verstanden. Einige dachten aber, es würde nochmals über das Bad abgestimmt. Bei manchen stellt sich mir die Frage: Hat man es nicht verstanden, oder will man es nicht verstehen?»

Die Wassergläser im Sitzungszimmer werden geleert. Die Gemeindevertreter sind sich einig: Das Projekt Ägeribad wird niemals baden gehen.

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