Ägerital
Herznotfallgruppe: Neun Einsätze im ersten Vereinsjahr

Seit einem Jahr leistet die Gruppe bei Notfällen Erste Hilfe, bis der Rettungsdienst im Tal eintrifft. Mit dem Druck umzugehen, ist nicht immer leicht, doch die Wertschätzung der Gemeindemitglieder ist motivierend.

Tijana Nikolic
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Bei der letzten Spezialübung mit dem Rettungsdienst Zug wurde das Szenario, dass sich ein Kind bei einem Kindergeburtstag mit einem Ballon verschluckt und reanimiert werden muss, durchgespielt.

Bei der letzten Spezialübung mit dem Rettungsdienst Zug wurde das Szenario, dass sich ein Kind bei einem Kindergeburtstag mit einem Ballon verschluckt und reanimiert werden muss, durchgespielt.

Bild: Matthias Jurt (Oberägeri, 13. November 2021)

Im Falle eines Herzstillstands zählt jede Minute. Ungünstig kann es werden, wenn man geografisch so gelegen ist, dass der Rettungsdienst unter Umständen bis zu 20 Minuten zum Eintreffen benötigt. Im Ägerital ist das die Realität. Um diese ausschlaggebende Zeit vom eingehenden Notruf in der Einsatzzentrale bis zum Eintreffen der Rettungskräfte mit der Herzdruckmassage zu überbrücken, hat der Alöser Ivo Nussbaumer zusammen mit seinen Vorstandskollegen und Vorstandskolleginnen vor rund einem Jahr den Verein Herznotfallgruppe Ägerital initiiert, der mittlerweile 29 Mitglieder zählt.

«Wir wurden innerhalb unseres ersten Einsatzjahres neunmal alarmiert und haben lebenserhaltende Massnahmen geleistet», sagt Vereinspräsident Ivo Nussbaumer. Denn geht ein entsprechender Notruf beispielsweise bei der Einsatzleitzentrale Zürich ein, disponiert sie den Krankenwagen und alarmiert die Herznotfallgruppe parallel. Alle Mitglieder erhalten gleichzeitig Alarm. Dann wird intern über eine Whatsapp-Gruppe koordiniert, wer den Einsatz wahrnimmt. Unterwegs holt jemand einen Defibrillator an einem der Standorte ab. «Leider hat es keine der neun Personen geschafft. Trotzdem ist unsere Arbeit sehr wertvoll. Für die Bevölkerung ist es beruhigend, dass wir in der Nähe sind, um Erste Hilfe zu leisten», fährt Ivo Nussbaumer fort, der auch in der Oberägerer Feuerwehr ist.

Reden nimmt den Druck von den Schultern

Weil der Tod so allgegenwärtig ist, sei es wichtig, dass man untereinander über die jeweiligen Geschehnisse beispielsweise bei einem Bier nach Feierabend spricht. Denn im schlimmsten Fall kenne man gar die oder den Betroffenen, den man reanimieren muss. «Das nimmt den Druck von den Schultern. Denn wir haben einen sehr freundschaftlichen Umgang miteinander und können offen reden», erklärt Franziska Nussbaumer, die 34-jährige Frau von Ivo Nussbaumer, die ebenfalls im Vorstand der Herznotfallgruppe Ägerital ist. Der Verein, dessen jüngstes Mitglied 20 Jahre alt und das älteste Mitglied 70 Jahre alt ist, sei motiviert und freue sich, so einen wichtigen Beitrag für die Allgemeinheit zu leisten. Der 40-jährige Ivo Nussbaumer:

«Wir tauschen uns regelmässig mit der Herznotfallgruppe Feuerwehr Risch aus. Bei ihnen ging es am Anfang auch eineinhalb Jahre, bis die erste Person bei einem Einsatz gerettet werden konnte.»

In drei Fällen arbeiteten die Herznotfallgruppe Ägerital auch mit dem Rettungsdienst des AMEOS Spitals Einsiedeln zusammen, da Personen aus der Region Raten/Alosen Hilfe benötigten.

Dem Verein könne sich jede volljährige Person, die im Ägerital wohnhaft ist oder arbeitet, anschliessen. «Es sind keine besonderen Vorkenntnisse nötig. Die Kosten des Nothelferkurses, den man alle zwei Jahre auffrischen muss, übernimmt der Verein für neue Mitglieder», fährt Franziska Nussbaumer fort. Zusätzlich absolviert die Herzgruppe Ägerital jährlich zwei halbe Spezialübungstage mit dem Rettungsdienst Zug, wovon ein Halbtag für die Gruppenmitglieder Pflicht ist.

Froh über verständnisvolle Arbeitgeber

«Bei den Übungen spielen wir Alltagssituationen durch. Wie beispielsweise ein Kind, das sich an einem Geburtstag verschluckt, oder andere Notfälle, in denen sich die zu rettende Person in einem Bagger bei der Arbeit oder in einem Car befindet», verrät Franziska Nussbaumer. Die Fahrzeuge oder auch Arbeitswerkstätte sowie Sitzungsräume werden von der Bevölkerung gerne zur Verfügung gestellt. «Unsere Arbeitgeber sind verständnisvoll, wenn wir wegen eines Einsatzes plötzlich den Arbeitsplatz verlassen müssen. Dieses Verständnis ist nicht selbstverständlich», merkt Ivo Nussbaumer dankbar an.

Finanziell unterstützt wird das Projekt teilweise vom Kanton, den beiden Gemeinden sowie freiwilligen Spenden, die mittels QR-Codes getätigt werden können. Aber auch Sachspenden finden immer wieder ihren Weg zur Herznotfallgruppe Ägerital. «Wir sind dankbar um jede Art von Unterstützung. Sie muss nicht immer finanziell sein», findet Ivo Nussbaumer. Er freue sich, wenn er mit einem Teil der Finanzierung mit seinen Kollegen, sobald es die aktuelle Lage zulässt, ein verdientes Vereinsessen organisieren kann.

Weitere Informationen unter www.hng-aegerital.ch

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