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ÄGERITAL: Seewasser ist für das Tal unverzichtbar

Im Ägerital befindet sich das einzige Seewasserwerk des Kantons. Nicht alle wollten es bauen – doch derzeit ist man sehr froh darum.
Brunnenmeister Erich Duss schickt das frisch aufbereitete Wasser regelmässig zur Kontrolle ins Amt für Verbraucherschutz. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Brunnenmeister Erich Duss schickt das frisch aufbereitete Wasser regelmässig zur Kontrolle ins Amt für Verbraucherschutz. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Carmen Desax

«Normalerweise wird der Wasserbedarf zu 95 Prozent aus Quellwasser und nur zu 5 Prozent aus Seewasser gedeckt», erklärt Erich Duss. Er ist für die Wasserversorgung der Gemeinde Oberägeri verantwortlich. Normalerweise ist das so. Momentan kann in Oberägeri aber nur 30 Prozent des benötigten Wassers von den Quellen abgezapft werden. Die restlichen 70 Prozent kommen vom Seewasserwerk. Denn seit dem Sommer hat es nicht mehr richtig geregnet, es war heiss und trocken. Als Folge davon sind viele Quellen längst nicht mehr aufgefüllt oder versiegen sogar (Ausgabe vom 11. November). «Das Ägerital kann froh sein, dass das Seewasserwerk die Zeit nun überbrückt», so Duss. Denn Trockenheit und Wasserknappheit sind im Ägerital keine Fremdworte. Anfang der 1990er-Jahre kam es besonders in Oberägeri immer wieder zu einem Trinkwassermangel. «Damals musste die Wasserversorgung Zettel verteilen und die Leute anhalten, weniger Wasser zu brauchen und beispielsweise die Blumen nicht mehr zu tränken», weiss Duss.

Das Werk ist seit 1993 in Betrieb

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, einigten sich die Gemeinde Oberägeri und die Korporation Unterägeri, die dort für die Wasserversorgung zuständig ist, auf ein Seewasserwerk. Dieses war aber nicht unumstritten. Denn der Bau kostete gut 7 Millionen Franken – für manchen Ägerer zu viel Geld für eine Aufbereitungsanlage. Gebaut wurde sie trotzdem. Zwei Drittel der Kosten übernahm Oberägeri, ein Drittel Unterägeri. Seit 1993 ist das Seewasserwerk an der Morgartenstrasse in Oberägeri nun in Betrieb. Fast 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser wurden seither aus dem See gesogen und weiterverarbeitet (siehe Box). «Als wir damals vermeldeten, dass jetzt aufbereitetes Seewasser aus den Hähnen läuft, bekamen wir einige Anrufe, dass das Wasser komisch rieche oder nicht gut sei.» Allerdings seien die Leitungen schon eine Weile mit dem Wasser aus dem See gespiesen worden und niemand habe etwas gemerkt.

Technische Verbesserungen

«In den letzten Jahren hat sich die Technik, Quellwasser zu fassen, stark verbessert», erklärt der Brunnenmeister. Darum wurde in Oberägeri tüchtig in die Sanierung von Quellen investiert – mit dem Effekt, dass heute viel weniger Seewasser gebraucht wird als noch in den Neunzigerjahren. Damals wurden regelmässig über 100 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr aus dem See gepumpt. «Heute brauchen wir das Seewasser hauptsächlich zur Spitzenabdeckung im Sommer. Dann ist der Wasserverbrauch besonders hoch.» Oder eben in einer aussergewöhnlichen Situation, wie sie die jetzige Trockenheit darstellt.

Die minimale Nutzung des Seewassers liegt in der Regel bei rund 17 000 Kubikmetern Wasser pro Jahr, das entspricht den erwähnten 5 Prozent. «Für 2015 liegen wir bereits bei rund 77 000 Kubikmetern Wasser.» Das zeigt, dass Oberägeri ohne Seewasserwerk eigentlich nicht auskommen könnte. «Ja, das ist so», bestätigt Duss, der schon ein paar Mal froh um das Seewasserwerk gewesen ist. Besonders 2003 beim grossen Unwetter und bei dem anschliessenden Jahrhundertsommer. «Heuer ist es aber sogar noch trockener als damals», so Duss.

Schnee würde Lage verschlimmern

Vielen sei gar nicht bewusst, wie trocken es momentan vor allem im Ägerital sei. «Eine solche Situation habe ich in den 15 Jahren, die ich als Brunnenmeister hier bin, noch nie erlebt.» Gibt es jetzt eine Kaltfront mit Schnee, verschlimmere sich die Situation noch. «Was wir bräuchten, wären drei Tage Dauerregen, damit der Boden wieder feucht wird. Drei weitere Tage Regen, damit die Quellen wieder ergiebig werden, und noch einmal drei Tage, bis die Reservoirs voll sind.» Erst dann gäbe es eine Entlastung für das Seewasserwerk. Ansonsten bleibt das Tal den ganzen Winter über vom Seewasser abhängig.

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