ÄGERITAL: Umfahrung wird weiter aufgeschoben

Wegen des Spardrucks wird der geplante Strassentunnel zurückgestuft. Das stösst bei den Gemeindepräsidenten auf Verständnis – sonst jedoch nicht überall.

Carmen Desax
Drucken
Teilen
Die mögliche Einfahrt des Tunnels in Neu­ägeri – noch wird sie nicht Realität. (Bild: Visualisierung Baudirektion)

Die mögliche Einfahrt des Tunnels in Neu­ägeri – noch wird sie nicht Realität. (Bild: Visualisierung Baudirektion)

Carmen Desax

«Ich bin enttäuscht und kann die Entscheidung überhaupt nicht verstehen», gibt alt Kantonsrat Franz P. Iten ohne Umschweife zu. Er spricht dabei die Rückstellung der Umfahrung Unterägeri an. Doch der Reihe nach: Letzte Woche wurde bekannt, dass auch der Zuger Richtplan im Rahmen des Entlastungsprogramms angepasst werden soll (wir berichteten). So ist vorgesehen, sowohl die drei Waldschutzgebiete Littibachtobel (Baar), Lorzentobel (Menzingen, Baar und Neuheim) und Eggbärneren (Unterägeri) zu streichen, wie auch bei den Wanderwegen zu sparen. Zusätzlich ist eben die Umfahrung Unterägeri betroffen.

Vorteile für beide Gemeinden

Das Ziel des Strassentunnels ist es, den Dorfkern in Unterägeri vom Durchgangsverkehr zu befreien. Oberägeri könnte insofern davon profitieren, dass eine schnellere Anbindung ins Zuger Talgebiet möglich wäre, so Gemeindepräsident Pius Meier. Doch schon in der Vergangenheit führte die Umfahrung – insbesondere die Streckenführung – immer wieder zu Diskussionen. Im November 2013 wurde sie zu Gunsten des geplanten Stadttunnels in der Priorisierung nach hinten geschoben. Bis im Herbst 2016 hätte der Kantonsrat über die Bestvariante der Tunnelvorschläge bestimmen sollen. Die beiden Berggemeinden waren damals gar nicht erfreut über diese Änderung. «Die Bevölkerung muss diese Kröte wohl oder übel schlucken», sagte etwa Kantonsrätin Gabriela Ingold. Doch in den letzten zwei Jahren ist es verdächtig still um den Strassentunnel geworden. «Seit geraumer Zeit wird in Absprache mit der Gemeinde am Projekt nicht mehr gearbeitet», bestätigt denn auch Regierungsrat Heinz Tännler.

Planungsarbeiten liegen auf Eis

Inhaltlich sieht die genannte Anpassung des Richtplans vor, dass die Umfahrung von der Priorität zwei (Baubeginn bis 2024) in die Priorität drei (Baubeginn nach 2024) verschoben wird. Der Kantonsrat muss darüber noch abstimmen. Komme der Entscheid wie vorgesehen zu Stande, werden die Planungsarbeiten erst wieder zu gegebener Zeit aufgenommen, so Tännler.

Die beiden Gemeindepräsidenten des Ägeritals bedauern die Rückstufung zwar, hatten diese gleichzeitig jedoch erwartet. «Bereits mit dem Beginn der Diskussionen um das Entlastungspaket konnte man davon ausgehen, dass dies eine entsprechende Auswirkung auf das Umfahrungsprojekt haben würde», sagt etwa Meier. Er verweist zudem auf den Kanton, denn dort liege die Planungszuständigkeit. Für Oberägeri und das Ägerital sei es dennoch wichtig, auch künftig gut funktionierende Verkehrsanbindungen zu haben. «Eine Prioritätenverschiebung aufgrund der aktuellen Situation ist jedoch verkraftbar», ist er überzeugt. Josef Ribary, Gemeindepräsident in Unterägeri, erklärt: «Die Rückstufung erfolgt im Rahmen des Entlastungsprogramms, was angesichts der angespannten Finanzlage und weiterer vordringlicher kantonaler Grossprojekte nachvollziehbar, aber für Unterägeri trotzdem bedauerlich ist.» Der Kanton und auch die Gemeinden müssten Abstriche machen und den Gürtel enger schnallen. Für Ribary ist besonders wichtig, dass die Umfahrung nur zurückgestuft und das Projekt nicht total gestrichen wurde.

Langer Kampf für Umfahrung

Franz P. Iten hat dafür aber wie gesagt kein Verständnis. Der Unterägerer ist Präsident der Interessengemeinschaft «Sinnvolles Umfahrungskonzept Unterägeri» und hat sich von Anfang an stark für das Projekt eingesetzt. «Seit 2007 kämpfe ich für die Umfahrung», so Iten. Er habe viele Diskussionen mit der Regierung geführt und habe versucht klarzumachen, wie wichtig ein Tunnel für Unterägeri wäre. «Dass dem Stadttunnel dann mehr Priorität zugestanden wurde, dafür hatte ich Verständnis», allerdings sei er bei dessen Ablehnung am 14. Juni davon ausgegangen, dass die Umfahrung Unterägeri weiter behandelt werde. «Dass er nun zurückgestellt wurde, ist jenseits von gut und böse», echauffiert er sich. Iten ist nicht nur über das Verhalten der Zuger Regierung empört, sondern auch über jenes des Unterägerer Gemeinderates. «Man hat das Gefühl, Unterägeri will diese Umfahrung gar nicht.» Zusätzlich fragt er: «Wer setzt sich überhaupt im Kantonsrat für die Umfahrung ein?»

Er habe das Gefühl, das Projekt werde völlig im Stich gelassen. «Das Anliegen muss ernst genommen werden», sagt er. Denn wenn es so weitergehe und nichts gegen den Verkehr durch das Dorf unternommen werde, erleide das Ägerital einen grossen Verlust an Lebensqualität. Franz P. Iten: «Dann gefällt es irgendwann sogar mir nicht mehr hier.»