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AFFRONT: Porno-Shooting am See erzürnt Bürger

Eine Zuger Familie traut am Montag ihren Augen nicht. Beim Brüggli, direkt am See, werden obszöne Fotos geschossen. Das Polizeiamt geht der Sache nun nach.
Das Zuger Brüggli: eine lauschige Bucht zum Baden. Von obszönen Foto-Sessions fühlen sich die Badegäste hier eher gestört. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Das Zuger Brüggli: eine lauschige Bucht zum Baden. Von obszönen Foto-Sessions fühlen sich die Badegäste hier eher gestört. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Susanne Holz

Eine Zigarettenkippe, die auf öffentlichem Boden landet, kann mit 100 Franken gebüsst werden. Drückt jemanden die Blase zu arg und er erleichtert sich an Baum oder Hecke im öffentlichen Raum, so kann das ebenfalls eine Busse über 100 Franken zur Folge haben. Keine Frage, der Zuger Bürger hat anständig zu sein in der Öffentlichkeit.

Nicht nur vor diesem Hintergrund wunderten sich einige Zuger, für welch obszöne Fotoshootings allem Anschein nach Bewilligungen erteilt werden. Auf öffentlichem Grund, direkt am See beim Brüggli, wo Familien, Jugendliche und Camper gerne schwimmen gehen. Und wahrlich nicht damit rechnen, plötzlich ein Fotoshooting mit sadomasochistischem Sujet vor Augen zu haben.

So die Zuger Familie, die am Montag plötzlich die Welt nicht mehr versteht. Zusammen mit der 15-jährigen Tochter und der Schwiegertochter in spe geniesst man den wohl letzten heissen Sommertag, während man am Brüggli badet und picknickt. Gegen 19 Uhr beobachtet die Mutter vom Wasser aus, dass ein Stück weiter direkt am Ufer ein Fotoshooting mit einem Oldtimer und einer Frau in vollem Gange ist. Sie denkt sich nichts Böses. Neugierig geworden, nähert sich die Familie dem Setting und ist nur noch entsetzt.

Splitternackt, die Beine gespreizt

«Was da am frühen Montagabend auf öffentlichem Grund bei schönstem Badewetter zu sehen war, ist schlichtweg empörend», so der Vater der Familie, die namentlich nicht genannt werden möchte. Auf der Kühlerhaube eines beigefarbenen Cadillacs mit Zürcher Kennzeichen sei eine splitternackte Frau gelegen, die Beine gespreizt, die Augen verbunden, die Hände und Füsse gefesselt. Doch damit war der Obszönitäten anscheinend noch nicht genug. Mehrere Männer hätten der Dame die Brustwarzen stimuliert – zu fotografischen Zwecken.

Die Mutter der Familie fragt fassungslos bei den Fotografen nach, was hier vor sich gehe. Das sei Kunst, erhält sie zur Antwort. Man habe die polizeiliche Genehmigung. «Das geht gar nicht», findet vermutlich nicht nur der Vater dieser Familie. Eine Bewilligung des Polizeiamts für ein Shooting mit sadomasochistischer Färbung am Brüggli? Eine gefesselte Frau mit gespreizten Beinen auf einer Kühlerhaube? Und hinter der Absperrung schauen Familien zu, die in Ruhe baden möchten? «Ekelhaft» finden die aufgeschreckten Badegäste vom Montag dieses Vorkommnis.

Bewilligung für anderes Shooting

Die «Neue Zuger Zeitung» fragt beim Polizeiamt der Stadt Zug nach. Hat dieses Amt tatsächlich eine Genehmigung für solch ein Shooting erteilt? Es stellt sich heraus, dass das Amt in der Tat eine Bewilligung für ein Shooting erteilt hat, diese wurde am 26. August ausgestellt. Allerdings galt die Bewilligung nicht für den Montag, 31. August, sondern für den Freitag, 28. August. Das Polizeiamt teilt im Detail mit: «Es handelte sich um eine Bewilligung für die Nutzung des öffentlichen Grundes sowie das Benützen eines kleinen Notstromaggregats. Zeitdauer: 19 bis 22 Uhr. Örtlichkeit: Untere Altstadt sowie am See beim Bootshaus/Bootssteg.» Erteilt wurde diese Genehmigung einem Zürcher Fotografen, der ankündigte, Kunstfotos mit einem Model, bekleidet mit einem Tuch, zu machen. Urs Raschle, Vorsteher des Departements Soziales, Umwelt, Sicherheit der Stadt Zug, erklärt auf Anfrage unserer Zeitung: «Wir haben beim Fotografen nachgehakt. Dieser hat uns versichert, vergangenen Freitag und nicht am Montag fotografiert zu haben. Zudem nicht am Brüggli, sondern wie bewilligt beim Bootshaus in der Nähe des Fischereimuseums. Und das in anständiger Manier.» Die Aufnahmen vom Freitag seien ein Kunstshooting gewesen – was man von demjenigen drei Tage später am Brüggli wohl nicht behaupten könne. Urs Raschle geht von einer illegalen Aktion aus.

Seltsam bleibt nur, dass die Fotografen am Brüggli der empörten Bürgerin am Montag mitteilten, eine polizeiliche Genehmigung zu besitzen. Und auch der Leiter des Campingplatzes sagt aus, Post von einem Fotografen erhalten zu haben, der ihm für den Montag ein genehmigtes Shooting beim Brüggli angekündigt hätte.

Weil ein Teil des Landes am Brüggli der Korporation Zug gehört, fragte unsere Zeitung noch bei dieser nach, ob man Kenntnis von der dubiosen Session habe. Korporationsschreiber Daniel Schwerzmann erklärt: «Nein, davon wissen wir nichts. Wir sind für kein Fotoshooting am 31. August angefragt worden.»

Die Polizei ist bereits informiert

Urs Raschle teilt mit, der Sache auf jeden Fall nachzugehen. Man habe bereits Kontakt mit der Zuger Familie aufgenommen, die das Ganze beobachtete und immer noch nicht fassen kann, was da vor sich ging. Raschle sagt: «Wir haben die Infos dieser Familie im Polizeiamt deponiert und werden uns mit der Polizei kurzschliessen. Wir gehen allerdings davon aus, dass die Polizei bereits ermittelt.»

Der Zuger Sicherheitschef kann sich eine Strafanzeige gegen unbekannt als mögliche erste Konsequenz vorstellen. Was die Mutter der Familie wohl freuen würde. Sie selbst möchte lieber keine Anzeige erstatten, denn: «Wieso soll hier ein Privater seinen Kopf und sein Portemonnaie hinhalten und Anzeige erstatten? Ich erwarte, dass die Polizei dies tut.» Diese solle dringend aktiv werden.

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