Aktionäre stimmen Milliarden-Fusion zu

Die Aktionäre des Bergbaukonzerns Xstrata sind für eine Fusion mit dem Rohstoffriesen Glencore. Jedoch sprachen sie sich gegen Manager-Boni aus.

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John Bond, Verwaltungsratspräsident des Bergbaukonzerns Xstrata, zweiter von links, auf dem Weg zur ausserordentlichen Generalversammlung im Casino Zug. (Bild: Keystone)

John Bond, Verwaltungsratspräsident des Bergbaukonzerns Xstrata, zweiter von links, auf dem Weg zur ausserordentlichen Generalversammlung im Casino Zug. (Bild: Keystone)

Die von Glencore während zehn Monaten umworbenen Xstrata- Aktionäre sagten am Dienstag in Zug mit 90 Prozent der Stimmen ja zur Fusion. Der Xstrata-Verwaltungsrat unter Sir John Bond musste aber eine Niederlage hinnehmen, als die Investoren schon in einer Vorabstimmung einen massiven Bonusplan verhinderten.

Etwa 70 Manager des Minenkonzerns hätten 144 Pfund (216 Mio. Fr.) erhalten sollen. Sir John hatte vor dem Votum um Zustimmung gebeten, weil er mit diesen Summen die Führungsriege angesichts drohender Machteinbussen an Bord halten wollte. Im fusionierten Konzern soll nämlich Glencore-Chef Glasenberg das Sagen haben.

Kompliziertes Verfahren

In einer Abstimmung über die Rahmenbedingungen der Generalversammlung erreichte der Bonusplan knapp 70 Prozent der Stimmen und verpasste die notwendige Drei-Viertels-Mehrheit. An der eigentlichen Generalversammlung wurde der Plan abermals deutlich abgelehnt.

Der Fusionsplan, der im Februar vorgestellt worden war, schmeckte einigen Aktionären am Anfang nicht. So waren beispielsweise der britische Lebensversicherer Standard Life und das Golfemirat Katar mit den angebotenen 2,8 Glencore-Aktien für einen Xstrata-Titel nicht einverstanden.

Glencore besserte nach und bot Anfang Oktober 3,05 Aktien an. Zu dieser Bedingung wurde der Deal am Dienstag in Zug auch gutgeheissen. Der Deal ist damit etwa 31 Mrd. Dollar schwer.

Brüssel informiert

Standard Life gehörte auch zu den Wortführern bei der Kritik am Vergütungsplan. Der Staatsfonds des Golfemirats Katar mit seinem 12- Prozent-Anteil hingegen hatte vergangene Woche angekündigt, sich bei der Abstimmung zu den Boni zu enthalten. Nicht abstimmen durfte wegen Bestimmungen des englischen Rechts Glencore selbst, mit 34 Prozent ebenfalls Grossaktionär bei Xstrata.

Nun müssen die Fusionswilligen noch auf grünes Licht von mehreren Wettbewerbsbehörden hoffen. Die EU-Kommission in Brüssel will Glencore und Xstrata am Donnerstag über ihre Haltung informieren. Mitreden wird auch China, der grösste Abnehmer für Rohstoffe auf der Welt.

Ferner begutachten die Wettbewerbsbehörden in den wichtigen Förderländern Australien und Südafrika den Plan. In Bergbau wäre «Glencore Xstrata» das viertgrösste Unternehmen der Welt nach dem brasilianischen Konkurrenten Vale, der britisch-australischen BHP Billiton und der britisch-südafrikanischen Anglo-American-Gruppe.

Kritik an Geschäftsgebaren

Der Megakonzern würde an die 200 Mrd. Dollar Umsatz machen. Die Fusionspläne stiessen am Dienstag allerdings auch auf Kritik von Menschenrechtsgruppen und Umweltschützern. Vor dem Tagungsort, dem Zuger Casino-Theater, demonstrierten Juso Zug und Junge Alternative Zug gegen Xstrata.

Der Vorwurf lautete, die Grosskonzerne in Bergbau und Rohstoffhandel würden arme Länder ausbeuten und die Umwelt in den Abbauländern Afrikas und Lateinamerikas verschmutzen. Kritik übten die Gruppen auch auch den Arbeits- und Gesundheitsbedingungen der Bergbauarbeiter.

An der Aktionärsversammlung meldete sich deswegen unter anderem der ehemalige Grüne Zuger Nationalrat und Friedensaktivist Jo Lang zu Wort und kritisierte die anwesende Xstrata-Managerriege. Xstrata- Chef Mick Davis entgegnete, sein Unternehmen sei in der Branche führend in Nachhaltigkeitsfragen und bringe Arbeitsplätze, Ausbildung und Dienstleistungen in die Abbauländer.

sda

Mahnwache gegen Fusion

Die Jungen Alternativen protestierten am Dienstag vor dem Theater Casino Zug gegen die Fusion der Rohstoffmultis Xstrata und Glencore. «Glencore und Xstrata hinterlassen negative Spuren, welche unweigerlich mit Zug in Verbindung gebracht werden. Zurecht, wenn man deren dubiosen Geschäftspraktiken durchleuchtet», schreiben sie in einer Mitteilung. Die Partei fordert die Zuger Regierung auf, nicht länger wegzuschauen. pd/rem