Alkohol bleibt das Suchtmittel Nummer 1 – auch im Alter

Der Kanton Zug will die Suchthilfe neu konzeptionieren. Ein aktueller Bericht ortet primär in der Alkoholprävention Handlungsbedarf.

Laura Sibold
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Unter allen Suchtmitteln wird Alkohol nach wie vor mit Abstand am häufigsten konsumiert. (Symbolbild: Maria Schmid, 1. Juni 2015)

Unter allen Suchtmitteln wird Alkohol nach wie vor mit Abstand am häufigsten konsumiert. (Symbolbild: Maria Schmid, 1. Juni 2015)

Mitte November hat die Gesundheitsdirektion des Kantons Zug den Suchtbericht 2019 publiziert. Dieser ist ein erster Meilenstein in der Umsetzung des 2018 lancierten Projekts «Neukonzeptionierung der Suchthilfe». Gestützt auf den Suchtbericht wird das Amt für Gesundheit nun die kantonale Suchtstrategie mit einem Massnahmenplan erarbeiten. «Darin werden die künftigen politischen Schwerpunkte gesetzt, damit das Leistungsangebot entsprechend gesteuert werden kann», erklärt Gesundheitsdirektor Martin Pfister. Das Konzept soll bis Mitte 2020 ausgearbeitet werden und löst das veraltete Drogenkonzept aus dem Jahr 1993 ab.

Der aktuelle Suchtbericht zeigt, dass sich das Suchtverhalten der Zuger Bevölkerung in den letzten 25 Jahren deutlich verändert hat. So hat der Heroinkonsum an Bedeutung verloren, wohingegen Verhaltenssüchte wie Internet- oder Glücksspielsucht sowie der Mischkonsum von mehreren Substanzen heute im Fokus stehen. Heimlicher Spitzenreiter, auch beim Mischkonsum, ist der Alkohol: Unter allen Suchtmitteln wird Alkohol nach wie vor mit Abstand am häufigsten konsumiert. Zudem weisen nationale Studien für jede fünfte Person einen risikoreichen Alkoholkonsum aus. «Die Zahlen aus dem kantonalen Suchtbericht und nationalen Studien zeigen einen Handlungsbedarf im Bereich Alkohol eindeutig auf», betont Pfister. Man sei jedoch nicht untätig.

Braucht es Massnahmen in Pflegeheimen?

Das Thema Alkohol nimmt in der Zuger Suchtberatung bereits einen grossen Stellenwert ein: Die Hälfte der durchgeführten Beratungen drehen sich um Alkohol, erst mit grossem Abstand folgen Cannabis und Kokain:

Das Angebot der Suchtberatung stosse auf grosse Nachfrage, so der Gesundheitsdirektor. Jährlich werde mit der Dialogwoche Alkohol eine weitere Sensibilisierung der Bevölkerung angestrebt. «Im Rahmen der neuen Suchtstrategie wird voraussichtlich auch die Prävention im Bereich Alkohol überprüft und allenfalls auf neue Bedürfnisse ausgerichtet.» Besonderes Augenmerk wird auf ältere Süchtige gerichtet. Denn diese Gruppe nimmt laufend zu, darüber hinaus treten altersbedingte Beschwerden bei Suchtkranken häufig schon ab 50 Jahren auf. «Es ist zu prüfen, ob spezifische Massnahmen nötig sind, um die Versorgung für diese Personen garantieren zu können», erklärt Pfister. So stelle sich die Frage, ob Pflegeheime Massnahmen treffen müssen, damit sie Pflege und Betreuung von älteren Süchtigen übernehmen können.

Zug erwägt mobile Drogenteststelle

Unter den im Suchtbericht aufgelisteten Empfehlungen ist auch die Verstärkung von Prävention und Früherkennung erwähnt. Wegen des zunehmenden Konsums von Lifestyledrogen mit unklaren Inhaltsstoffen sei eine niederschwellige Drogenteststelle für Jugendliche und junge Erwachsene sinnvoll. «Aufgrund der geringen Grösse des Kantons besteht aber kein Bedarf für den Betrieb einer fixen Drogenteststelle.» Doch es könne bei Events mit nationaler Ausstrahlung sinnvoll sein, eine mobile Drug-Checking-Stelle zur Verfügung zu stellen. «Dadurch können konsumierende Personen vor Ort direkt angesprochen werden, was im Rahmen einer fixen Stelle schwieriger wäre», erklärt Martin Pfister.

Da sich die Grenzen von illegalen und legalen Suchtmitteln vermischen, soll künftig nicht mehr klar zwischen ihnen unterschieden werden. «Dadurch könnten Unklarheiten bei der Finanzierung vermieden werden. Und es könnte unabhängig vom Suchtmittel einfacher die passendste Therapieinstitution gewählt werden», so der Gesundheitsdirektor. Weiter empfiehlt der Suchtbericht eine Verknüpfung von kantonaler und nationaler Suchtpolitik. Die Empfehlungen fliessen in die Überarbeitung des Suchtkonzepts ein.

Der ausführliche Suchtbericht des Kantons Zug ist hier zu finden.