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ALLENWINDEN: «Die Endlichkeit wird einem bewusst»

Der Allenwindner Werner Gerber wird im nächsten Jahr pensioniert. Zwar arbeitet er noch in einem kleinen Pensum weiter. Trotzdem stehen einige grosse Veränderungen und Vorhaben an. Sie haben mit Reisen und Entrümpeln zu tun.
Samantha Taylor
Werner Gerber und seine Frau Susanne in ihrem Haus in Allenwinden.

Werner Gerber und seine Frau Susanne in ihrem Haus in Allenwinden.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Die Politik entfacht bei Werner Gerber das Feuer. Der sonst eher pragmatisch wirkende Mann mit der ruhigen tiefen Stimme lässt sich bei dem Thema zu einer leidenschaftlichen Tour d’horizon hinreissen. Ein Liberaler sei er. Die Wirtschaft brauche ihre Freiheiten. Jeder solle primär für sich schauen. «Und wenn das nicht geht, ist es richtig, dass wir den Staat und die Allgemeinheit haben, die diese Personen auffangen.» Das Soziale ist ihm wichtig, darum engagiert sich Werner Gerber in der Kirche. Der Genfer Bundesratskandidat Pierre Maudet hat ihm mit seinem frischen Auftreten gefallen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hingegen ist ihm etwas «zu europäisch». Obwohl er selbst offen ist gegenüber Europa, ohne jedoch in die EU zu wollen. Denn auch die Schweiz gehöre zu Europa. «Das ist einfach so.» Die Leistung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel der ­vergangenen Jahre sei anzuerkennen. «Ohne sie wäre uns Europa um die Ohren geflogen», ist Gerber überzeugt. Und er könnte noch weitermachen, würde ihn nicht seine Frau Susanne mit der Frage unterbrechen: «Machst du wieder einen politischen Abrieb?»

In einer Partei ist Werner Gerber nicht, und einer solchen will er auch nicht beitreten. Für eine politische Karriere sei es zu spät. Um sich über die lokalen, nationalen und internationalen Geschehnisse zu informieren, durchforstet er schon heute drei Tageszeitungen; die «Zuger Zeitung», den «Tagesanzeiger» und die «Neue Zürcher Zeitung». Seit Jahren hat er diese abonniert. Wegen der Ferienwohnung im Tessin gehört auch die lokale deutschsprachige «Tessiner Zeitung» zu seiner Standardlektüre. «Wenn ich Kaffee, meine Pfeife und genug Lesestoff – also auch Bücher – habe, kann man mich monatelang einschliessen. Dann bin ich zufrieden.»

Nächstes Jahr wird der Allenwindner dem Weltgeschehen noch mehr Zeit widmen als heute. Werner Gerber wird am 15. Mai 65 Jahre alt und damit per Juni pensioniert. Mit diesem Stichtag kehrt er der Berufswelt zwar noch nicht ganz den Rücken. Er will noch etwas weiterarbeiten. Deutlich weniger als heute und damit deutlich weniger als ein 100-Prozent-Pensum soll es aber sein.

Vorbereitung auf die Endlichkeit

Den Schritt in die viel gepriesene Freiheit hat Werner Gerber, der nach seiner Lehre als Bankkaufmann 25 Jahre als Berater bei der Schweizer Grossbank UBS tätig war, danach zu einem Vermögensberater wechselte und schliesslich während der letzten 17 Jahre als selbstständiger Vermögensberater zusammen mit einem Freund eine eigene Firma geführt hat, seit einiger Zeit vorbereitet. Im Jahr 2016 haben er und sein Geschäftspartner die Kunden ihrer Firma in eine Unternehmung in Baden eingebracht und die eigenen Büros im Zuger Laubenhof geräumt. «Das war eine gigantische Arbeit. Das hätte ich nie gedacht», erzählt Gerber. Seit Anfang 2017 ist der 64-Jährige im Home-Office, also von zu Hause aus, für seine Kunden tätig. «In den nächsten Jahren werde ich die Kunden noch betreuen und danach alles Schritt für Schritt übergeben.» Denn je älter man werde, umso mehr wolle man sich mit Dingen beschäftigen, die einem angenehm seien. «Die Steuerrechnung ist unangenehm, wird mir aber bleiben. Da habe ich keinen Einfluss.» Von allem anderen Unangenehmen will sich der Vater von drei erwachsenen Kindern nach und nach trennen.

«Entrümpeln» sei angesagt. Auch in ganz praktischem Sinne. Den privaten Bereich will er räumen. «Ich bin ein Sammlertyp», sagt Gerber. Artikel, Bilder, Bücher, Unterlagen: In all das will er Ordnung reinbringen – auch den anderen zuliebe. «Wenn man älter wird, hat man eine ganz andere Optik und einen ganz anderen Bezug zur Endlichkeit. Die eigene Endlichkeit wird einem bewusst.» Wenn er sich den Altersdurchschnitt anschaue, dann sei ihm klar, dass er statistisch noch rund 15 gute Jahre habe. «Ich will nicht, dass meine Kinder dereinst meinen ganzen Plunder sortieren müssen. Darum steht Räumen ganz oben auf der Liste», sagt er mit seiner pragmatischen Art, ohne dabei auch nur im Geringsten nachdenklich oder wehmütig zu wirken.

Mit dem Velo und dem Schiff unterwegs

Werner Gerber will sich aber auch Platz und Zeit schaffen für all die anderen Pläne und Interessen, die er noch hat. Das sind neben seiner täglichen Zeitungslektüre einige, und wie von Pensionisten kaum anders zu erwarten, haben sie mit Reisen zu tun. So stehen bei den Gerbers im nächsten Jahr zwei grössere Velotouren an. «Wir wollen endlich mal um den Bodensee radeln.» Ausserdem wollen Werner Gerber und seine Frau mit dem Velo dem Main entlang. Gerber bezeichnet sich selbst zwar als eher unsportlich – im Gegensatz zu seiner Frau, die ein disziplinierter Bewegungsmensch sei. «Sie braucht das einfach.» Das Velofahren gefällt ihm aber sehr. Obwohl er mit dem «ganzen Plunder», den man auf dem Velo dabei hat, aussehe wie ein «Artilleriegeschütz». Doch Gerber erinnert sich an zwei Velotouren aus der Vergangenheit im Gebiet der ehemaligen DDR, wo er noch Verwandte hat, die ihm «ausnehmend viel Freude» bereitet haben. «Darum wollen wir auch nächstes Jahr wieder los.» Das Ehepaar zieht es aber auch noch etwas weiter in die Ferne. Für das Frühjahr ist eine Kreuzfahrt mit Freunden in Südamerika gebucht.

Zudem will der 64-Jährige auch das kulturelle Angebot in der Schweiz vermehrt nutzen. Der erste Theaterbesuch folgt schon im Januar und war ein Weihnachtsgeschenk für seine Frau. «Biedermann und die Brandstifter» im Theater Neumarkt steht auf dem Programm, als Zeichen für die neue Ära, die bei den Gerbers anbricht. «Wenn wir eine Städtereise machen, gehen wir auch in Museen oder Theater. Das können wir hier auch vermehrt tun», findet der Allenwindner. Er sei zwar kein «Kunstsachverständiger», aber Kunst fasziniere ihn. «Es ist einfach wahnsinnig interessant zu sehen, was Menschen so alles schaffen können.» Und schliesslich will sich Gerber vermehrt einer weiteren Leidenschaft widmen: dem Gegenlesen und Redigieren von Matura-, Bachelor- und Masterarbeiten. Angefangen habe dies mit den Arbeiten seiner Kinder. Dann hat sich rumgesprochen, dass er solchen Arbeiten «den letzten Schliff verleiht», und die Anfragen kamen. Rund eine Woche sitzt er an solchen Papieren. «Das braucht Zeit, aber ich mache es wahnsinnig gerne. Weil ich einfach gute Texte mag – für einen Gugelhopf oder eine Linzertorte. Das sind meine Lieblingskuchen», sagt er lachend. Diese Tätigkeit halte ihn auch geistig fit.

Grosse Vorfreude und auch etwas Skepsis

Werner Gerber hat aber nicht nur Pläne für das nächste Jahr, auch danach gehen ihm wohl die Ideen nicht aus. So will er zum Beispiel unbedingt noch einmal nach China. «Das ist ein ungemein spannendes Land, mit dem ganzen Umbruch, den es durchlebt.» Ausserdem hat das Ehepaar vor, gewisse Städte und Metropolen wie etwa Berlin oder Paris etwas ausgiebiger zu erkunden. «Wir würden gerne in einigen Städten mal einen Monat oder mehr leben», sagt Gerber.

Auf seine Pension vorbereitet hat sich Gerber nur teilweise bewusst. Viele seiner Ideen haben sich «ergeben». Er sei bisher nie mit seiner Frau an den Tisch gesessen, um eine Liste mit Vorhaben aufzustellen. «Ich glaube auch, das ist für mich nicht nötig. Denn ich weiss, dass mir an keinem Tag langweilig werden wird», sagt er bestimmt. Auch Angst vor dem berühmten Loch nach der Pension hat er nicht. Im Gegenteil. Er freue sich sehr auf das nächste Jahr und die Zeit, die komme. «Seit ich 16 Jahre alt bin, habe ich immer gearbeitet, war im Militär, habe die Bank und danach meinen eigenen Betrieb vorangetrieben. Jetzt freue ich mich auf die Zeit für mich.»

Und was sagt seine Frau Susanne zu all den Vorhaben? Sie ist gespannt auf die Zeit, die kommt, ist aber auch skeptisch. «Wir werden sehen, was dann tatsächlich alles durchgeführt wird. Ich glaube noch nicht so ganz, dass das auch wirklich alles zu Stande kommt.»

Hinweis

In unserer Jahresendserie porträtieren wir Zugerinnen und Zuger, bei denen im Jahr 2018 eine grosse Veränderung ansteht.

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