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ALLENWINDEN: Faschallminister zieht alle Register

Die Inthronisation ist ein Besuchermagnet. Denn hier kriegt auch das Fasnachtsoberhaupt sein Fett weg.
Erich II, Faschallminister: «Da konnte ich von oben auf die Anderen runterschauen». (Bild zVg)

Erich II, Faschallminister: «Da konnte ich von oben auf die Anderen runterschauen». (Bild zVg)

Der Saal ist proppenvoll und trotzdem strömen immer noch Leute herein, versuchen irgendwo doch noch einen Platz zu ergattern. Der Himmel hängt hier voller «Geigen»: Ballone in allen Regenbogenfarben baumeln von der Decke. Stimmung und Geräuschpegel schwingen hoch wie die Ballone.

Zeremonienmeister, Fanfarenbläser und andere Offizielle wieseln durch das Gewimmel, die allerletzten Vorbereitungen sind im Gange. Der grosse Abend beginnt in wenigen Minuten.

Munteres Süppchen
Der abtretende Faschallminister Peter II. sitzt auf dem Thron, flankiert von seinen Ehrendamen. Schon erobern die knallbunt gekleideten Grütlihüüler die Bühne – und mit ihren brasilianisch anmutenden Perkussions-Geräuschen im Nu den ganzen Saal. Danach wirds plötzlich dunkel. Einzig die beiden Kerzen, von zwei Mönchen in langen Kutten zur Bühne getragen, verströmen etwas Licht. Dort begrüssen sie das Faschallvolk vorerst mit einem Halleluja. Nun wird klar, wer sich unter den geheimnisvollen Kutten verbirgt: die beiden Zeremonienmeister Rémy Frick und Reto Steiner.
Markante Ereignisse des vergangenen Jahres werden von den beiden mit Witz und Reim zu einem munteren Süppchen gekocht und brühwarm serviert. Merz und Ghadhafi kriegen genauso ihr Fett weg wie Vasella oder Federer. Letzterer wird bewundert – oder gar etwas beneidet – ob so viel Schlagkraft und Doppelass?
Nach all den schweiz- und weltweit Prominenten kommt nun der abtretende Faschallminister Peter II. an die Reihe. Erst werden seine Sünden aus dem Amtsjahr in Reime verpackt, dann nimmt ihm Zeremonienmeister Rémy nach und nach die Insignien der fasnächtlichen Macht ab. Hier kommen die Fanfarenbläser zum traurigen Einsatz. Sie umrahmen den festlichen Akt mit kakafonischen Klängen, die Zwerchfell und Ohren gleichzeitig belasten.

Verlorene Wette
Erich Theiler, genannt Erich II., kommt auch nicht ungeschoren davon. Noch vor der Inthronisation plaudern die Zeremonienmeister so allerhand Jugendsünden und Bubenstreiche aus, auch aktuelle, wie die verlorene Wette, die ihm eine ungemütliche Nacht im Eselsgaden eingebracht habe. Bisher betätigte er sich an der Fasnacht als Fanfarenbläser auf der Empore. «Da konnte ich jeweils von oben auf die anderen runterschauen», bemerkt er schmunzelnd. Jetzt müsse er hingegen von unten zu denen hinaufschauen. Zivil spielt Erich II. bei der Feldmusik und bei der Formation Windows Euphonium. Und aus der Musik stammt auch sein Fasnachtsmotto: «2010 zieht s Faschallvolk und de Faschallminister alli Register.»

Amelie Steffen

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