Allenwindner sagen Inthronisation ab

Die Fasnacht in Allenwinden wird zwar durchgeführt. Auf einige Anlässe wird man nach dem Herzinfarkt des letztjährigen Oberhaupts aber verzichten.

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Die Ehrenminister der Fasnachtsgesellschaft Faschall werden auch dieses Jahr Orangen verteilen. (Bild: Archiv Werner Schelbert / Neue ZZ)

Die Ehrenminister der Fasnachtsgesellschaft Faschall werden auch dieses Jahr Orangen verteilen. (Bild: Archiv Werner Schelbert / Neue ZZ)

Die Fasnacht Allenwinden findet statt – aber ohne Oberhaupt. So kann man den Entscheid des Vorstands der Fasnachtsgesellschaft Allenwinden zusammenfassen. Denn während Umzug und Faschallball planmässig durchgeführt werden, wird auf das Nachholen der Inthronisation vom letzten Samstag verzichtet. Noch bevor die designierte Faschallministerin Brigitte Affentranger in ihr Amt eingesetzt werden konnte, wurde die Inthronisation abgebrochen. Dies, nachdem der abtretende Faschallminister Ernst Andermatt bewusstlos zusammensank (wir berichteten). Der 53-Jährige erlitt einen schweren Herzanfall. Derzeit liegt er im Triemli-Spital in Zürich. Sein Zustand ist stabil.

«Die Stimmung im Dorf, in der Fasnachtsgesellschaft und im Vorstand lässt eine Inthronisation mit Herz und Seele, wie man sie in Allenwinden gewohnt ist, nicht zu», begründet der Faschallvorstand die Absage in einem Brief, der gestern in Allenwinden verbreitet wurde. Eine halbbatzige Inthronisation würde der Sache der Fasnacht, so wie sie in Allenwinden gelebt werde, nicht gerecht.

«Schreck sitzt in den Knochen»

Die Insignien des Faschallministers wie Zepter und Umhang bleiben deshalb in der Obhut des Vorstands, und Brigitte Affentranger ist für ein weiteres Jahr designierte Faschallministerin. Ihre Amtszeit wird verschoben. Im Januar 2013 soll sie in allen Ehren inthronisiert werden. «Das ist die beste Lösung für alle», sagt Affentranger zum Entscheid der Faschallgesellschaft. Sie und ihre Familie waren an den Diskussionen beteiligt und stehen voll und ganz dahinter. Nach den Geschehnissen vom letzten Samstag wäre eine Inthronisation für alle bedrückend, sagt sie, die damals ebenfalls im Saal sass und den Zusammenbruch miterlebt hatte.

Auch beim Vorstand der Fasnachtsgesellschaft Faschall sind die Ereignisse vom Samstag sehr präsent: «Noch allen, die im Saal sassen, sitzt der Schreck über die Herzattacke unseres Ehrenministers Ernst in den Knochen», schreibt der Vorstand in seinem Brief an die Mitglieder der Gesellschaft. «Die belastenden Momente, die endlosen Minuten sind zweifellos allen in wachster Erinnerung.» Es habe an diesem Abend intensive Momente gegeben. Die Solidarität sei spürbar gewesen – auch in den letzten Tagen, als viele in der Allenwindner Kirche St. Wendelin Kerzen angezündet haben.

Umzug und Ball finden statt

Die Unterstützung sei aber nicht nur im Dorf spürbar gewesen. «An der Inthronisation waren auch viele Mitglieder der Fasnachtsgesellschaften Baar und Inwil dabei», sagt Thomas Betschart, Präsident von Faschall Allenwinden. «Sie haben uns damals sehr geholfen.» Deshalb wird die Allenwindner Fasnachtsgesellschaft diesen Samstag auch nach Baar an die Inthronisation gehen. Auf die Teilnahme am Baarer Umzug am Sonntag, 19. Februar, will die Fasnachtsgesellschaft Faschall Allenwinden dafür verzichten. Es mache keinen Sinn, einen Fasnachtsumzug ohne OAllenwindner sagen Inthronisation abberhaupt mitzulaufen.

OhneEinschränkungen stattfinden soll aber der Hauptfasnachtstag in Allenwinden. Am Samstag, 18. Februar, werden sowohl der Umzug als auch der Faschallball am Abend durchgeführt.

Ein gangbarer Weg

«Damit wollen wir ein Zeichen setzen», sagt Thomas Betschart, «dass wir positiv denken.» Mit der nun getroffenen Lösung habe man einen guten Weg gefunden, ist der Faschallpräsident überzeugt. «Einerseits müssen wir die in uns tief verwurzelte Fasnacht in Allenwinden berücksichtigen, andererseits aber ist der Gesundheitszustand von Ernst Andermatt der Rhythmusgeber – alles andere wäre inakzeptabel», schreibt der Vorstand in seinem Brief. Eine Fasnacht ohne Oberhaupt sei zwar etwas vollständig Neues für Allenwinden, «aber die Liebe zur Fünften Jahreszeit und zu unseren Bräuchen wird uns Kraft geben». Zudem drückt der Vorstand seine Hoffnung aus, dass Ernst Andermatt bald wieder gesund sein wird. Dieselben Wünsche drückt auch seine designierte Nachfolgerin Brigitte Affentranger aus: «Ich hoffe, dass Ernst Andermatt im nächsten Jahr im Saal dabei ist, wenn ich mein Amtsjahr mit der Inthronisation starte.»

Silvan Meier