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Im «Waldheim» in Risch heisst es «Alles muss raus»

Das gesamte Inventar des ehemaligen Hotels und Restaurants in Risch steht derzeit zum Verkauf.
Rahel Hug
Christina Eicher inspiziert die Gläser, die zum Verkauf stehen. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

Christina Eicher inspiziert die Gläser, die zum Verkauf stehen. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

An der Rezeption des Hotels Waldheim in Risch werden schon seit einer Weile keine Gäste mehr empfangen. Der Traditionsbetrieb – inklusive das mit 15 Gault-Millau-Punkten ausgestattete Restaurant – hat Ende letzten Jahres seine Türen geschlossen. Jetzt haben Mitarbeiter des Unternehmens Gastrorampe.ch den Empfangsbereich in Beschlag genommen. Ihre Aufgabe ist es, sämtliches Inventar zu verkaufen. Die Totalliquidation vor Ort dauert insgesamt zwei Tage.

Um 10 Uhr am Montagmorgen haben laut Edi Portmann von Gastrorampe.ch rund 200 Leute vor dem Eingang auf den Start des Verkaufs gewartet. «Beliebt sind insbesondere Objekte aus Silber, die einen gewissen Sammlerwert haben», weiss der Fachmann für Inventaraufnahmen und Betriebsauflösungen. «Und bei Gastronomen ist Tischwäsche hoch im Kurs.»

Eine schier endlose Liste mit Material

Die Menge an Mobiliar, das Portmann und sein Team loswerden müssen, ist enorm. Kaffeemaschinen, Schränke, Lampen, Sonnenschirme, Betten und unzählige Stühle stehen auf der Liste. Dazu kommen Geschirr in allen Variationen, Vasen, Kerzenständer, Kochutensilien und Abfallkübel, aber auch elektronische Geräte, Beamer und Hellraumprojektoren.

Stühle, soweit das Auge reicht: Blick in den Kellerraum. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

Stühle, soweit das Auge reicht: Blick in den Kellerraum. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

In einem ehemaligen Hotelzimmer, wo es ein komplettes Doppelbett für 680 Franken zu erstehen gibt, sind Mirjam Lustenberger und Oswald Ehrler anzutreffen. Die beiden führen das Berg-Gasthaus Alpenblick am Arnisee im Kanton Uri. «Wir planen, unseren Betrieb zu erweitern, und sind auf der Suche nach speziellen Einrichtungsgegenständen», erzählt Oswald Ehrler. Fündig wurden sie bereits: «Wir haben einen alten Postbriefkasten gekauft – mit Nostalgiefaktor», freut sich Ehrler. Ausserdem weisse Tischtücher: «Solche hatten wir bisher nicht. Und wir können sie gut gebrauchen, für Hochzeiten.»

Der Weinkeller ist bereits leer. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

Der Weinkeller ist bereits leer. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

Das Paar ist gerade mit Bruno Steinmann im Gespräch. Er ist für das Unternehmen Badoux Weine tätig und hat «aus Gwunder» den Weinkeller angeschaut. «Ich wollte wissen, ob vielleicht noch ein Unikat zu finden ist», erzählt er. Das sei aber nicht der Fall gewesen: Weine standen nicht zum Verkauf.

In einem heimeligen Stübli im alten Hausteil begutachten Florian Müller aus Cham und Philipp Kälin aus Baar gerade ein paar Holztische. «Ich habe hier meine Firmung gefeiert und zahlreiche andere Familienfeste», berichtet Florian Müller. Dass das «Waldheim» nicht mehr offen sei, stimme ihn schon etwas wehmütig. Aus diesem Grund ist er auch hergekommen: Um nochmals einen Einblick in die Räume zu erhalten und ein paar Erinnerungsstücke zu ergattern. Das ist ihm gelungen: Er hat Tischsets mit dem Logo erstanden und ein altes Kaffeekrüglein. Philipp Kälin interessiert sich vor allem für Servicezubehör aus Silber. Er hat bereits ein Milchkännchen und einen Weinkühler entdeckt, die ihm gefallen.

Florian Müller (links) und Philipp Kälin begutachten einen Tisch im alten Gebäudekomplex. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

Florian Müller (links) und Philipp Kälin begutachten einen Tisch im alten Gebäudekomplex. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

Ein letzter Blick hinter die Kulissen

Simone und Carmela Kalt aus Zug, Mutter und Tochter, haben Dessertplatten, Etageren und einen grossen Ständer für Hochzeitstorten reserviert. «Ich bin Confiseurin und mag es, Süsses schön anzurichten», erzählt Carmela Kalt. Ihre Mutter ist in erster Linie aus Neugierde nach Risch gefahren. «Ich war oft hier zu Gast. Jetzt wollte ich noch einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen.»

Simone Kalt (links) und Carmela Kalt schauen sich ein ehemaliges Personalzimmer an. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2.September 2019)

Simone Kalt (links) und Carmela Kalt schauen sich ein ehemaliges Personalzimmer an. (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2.September 2019)

Sei es in einem ehemaligen Personalzimmer, im grossen Seminarraum, in den Gängen oder im geräumigen Keller: Überall ist Ware ausgestellt, die einen neuen Besitzer sucht. Wie hoch der Wert des gesamten Inventars ist, kann Edi Portmann nicht genau beziffern – auch nicht, wie viele Objekte total verkauft werden.

Wer braucht einen Haarfön? (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

Wer braucht einen Haarfön? (Bild: Stefan Kaiser, Risch, 2. September 2019)

Fest steht: Eine Liquidation eines Betriebes dieser Grösse ist eine Herausforderung. Zwei Tage lang haben Portmann und seine Leute das Material gesichtet, geschätzt und mit Preisen versehen. «Eine Liquidation vor Ort lohnt sich nur, wenn der Betrieb eine gewisse Grösse und einen Namen hat», erklärt der Experte. Das sei beim «Waldheim» definitiv der Fall. Man habe den Auftrag des Pächters erhalten, bis Ende September alles zu verkaufen, was beweglich ist. Was nicht verkauft wird, gelangt eventuell noch in den Export, und falls es dort keine Nachfrage gibt, wird es entsorgt.

Und wie geht es mit dem «Waldheim» weiter? Stimmt das Gerücht, dass Luxuswohnungen geplant sind? Der Pächter Martin Eggimann wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Sepp Schriber, der Grundeigentümer, war gestern nicht zu erreichen. Klar ist aber: Die Perle am Zugersee soll verkauft werden. Gut möglich, dass nun ein Käufer gefunden worden ist.

Totalliquidation im «Waldheim»: Dienstag, 3. September, 10 bis 18.30 Uhr. Danach läuft der Verkauf online und auf Anfrage weiter. Infos gibt es unter www.gastrorampe.ch

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