ALOSEN: 100-jährig und immer noch voller Elan

In Alosen hat am Güdismontag die 100. Alösler Fasnacht stattgefunden. Genussvoll wurde die Umfahrung Ägerital durch den Kakao gezogen.

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Die Oberäger Fäger am Fasnachtsumzug in Alosen. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Die Oberäger Fäger am Fasnachtsumzug in Alosen. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Der erste Wagen, der um die enge Strasse biegt, ist ein Schneepflug. Er macht nach dem wilden Schneetreiben noch schnell den Weg frei – für den Jubiläumsumzug der 100. Aloser Fasnacht. «Sie chömed, sie chömed», schreit eine kleine Prinzessin am Strassenrand, und der muskelbepackte Knirps im Superman-Kostüm schmeisst voller Vorfreude eine Hand voll gelber Konfetti durch die Luft.

Fliegende Orangen
Und dann geht sie los – die grosse Fasnachtsshow im kleinen Dorf. Die Harmoniemusik Oberägeri sorgt als erste Gruppe für den richtigen Rhythmus. Umrahmt von zwei blonden Schönheiten, thront Herbert Schönmann mit Frack und Zylinder, der Legorenvater und Präsident der Fasnachtsgesellschaft Alosen, auf dem Umzugswagen. «Wir sind riesig stolz, dass wird die 100. Fasnacht feiern dürfen», erklärt er kurz vor Umzugsbeginn. Seit zehn Jahren amte er schon als Präsident, der heutige Tag sei ganz klar der Höhepunkt seiner fasnächtlichen Laufbahn. Traditionsgemäss fliegen Orangen den in den Himmel gereckten Händen entgegen. Rund 1000 Fasnächtler säumten gestern den Umzug mit seinen 16 Nummern, der unter dem Moto «Ä Chuglrundä» stand. Der Jubiläumsumzug präsentierte eine gelungene Mischung aus bissig-witzig und charmant-herzig.

Rauchendes Piratenschiff
Die Kindergruppe sorgte mit ihren selbst gebastelten Pinguinkostümen für erwärmende Momente. Die einmal mehr 2008 wieder aufs Tapet gebrachte Umfahrung Ägerital wurde genüsslich auf die Schippe genommen, und auch das Kurhaus Annahof bekam sein Fett weg: «Übers Schicksal vom St. Annahuus chunt jetz glaubi niemert druus.»

Mit schwarz-rauchendem Piratenschiff zogen die Hauptseer Legoren (Fasnachtsgesellschaft Morgarten) an den Schaulustigen vorbei. Sie verfolgten die Dörfler Legoren aus Oberägeri, die mit ihrem Wagen die geplanten Einsätze der Schweizer Armee in Somalia, wo die wackeren Eidgenossen gegen Piraten kämpfen sollen, auf die Schippe nahmen.

«Usgstrahlt» – unter diesem Motto zeigten sich ein Wagen, der den erst kürzlich zu Grabe getragenen Landessender Beromünster thematisierte: «Judihe, ändlich kei Strahle me», so das Fazit unter den Bauern. Die Armee und die Turbulenzen im vergangenen Jahr – ein weiteres Umzugsthema. Präsentiert wurde ein zur Rakete umfunktionierter Jet – ganz nach dem Motto: Die Armee kann man auf den Mond schiessen. Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruches: mit den neuen Stiefeln fluchend im Mist stehend – auch die TV-Sendung «Bauer sucht Frau» wurde genussvoll durch den Kakao gezogen.

Freche Sprüche
Wie jedes Jahr sparte das Bühnenspiel nicht mit frechen Sprüchen. «Mir gäbed euch hütt gärn Asyl, wil euch schöscht nimerd will», spottete der Legorenvater Herbert Schönmann in Richtung der Fasnachtsgesellschaft Morgarten. Diese Mitglieder bedankten sich artig für die Einladung zum Jubiläumsumzug und bemerkten: Die 100 Jahre sehe man vor allem dem Alösler Legorenvater an. 

Luc Müller