ALOSEN: Eine Säge mit bewegter Geschichte

Anlässlich des 17. Schweizer Mühlentages hat «Sebelis Sage» ihre Pforten geöffnet. Der Anlass lockte am Samstag nicht nur Mühlenfreunde an.

Nadine Wyss
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Die Säge stiess bei Gross und Klein auf Interesse. (Bild: Werner Schelbert (Alosen, 27. Mai 2017))

Die Säge stiess bei Gross und Klein auf Interesse. (Bild: Werner Schelbert (Alosen, 27. Mai 2017))

Nadine Wyss

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Unübersehbar und doch unscheinbar steht die alte Säge auf der rechten Seite auf der Alosen­strasse zwischen Oberägeri und Raten mitten in einem Waldstück. Das grosse Wasserrad mit einem Durchmesser von 4,6 Metern und einer Breite von einem Meter sticht sogleich ins Auge. Das mit 39 Wasserkammern bestückte Rad drehte am «Tag der offenen Tür» gemächlich vor sich hin. Verweilte man etwas an diesem Ort, stellte sich eine Entspannung ein, was jedoch auch mit der idyllischen Lage am Bach zu tun hatte. Als hätte das Rad auch an der Zeitachse gedreht, erwarteten die Besucher im Untergeschoss Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit. Neben alten Handsägen und weiteren Relikten ermöglichen die Schwarz-Weiss-Fotos von Eduard Rogenmoser (1885–1948) einen Einblick in eine Zeit, als die meisten Häuser noch keinen Strom hatten.

Heute ist die Sägerei stillgelegt, die Einfachgattersäge dient nur noch Showzwecken. Aber das durch die Turbine angetriebene Kleinkraftwerk vermag 10 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Verein setzt sich für Erhalt der Säge ein

Die Geschichte der Säge ist in Dokumenten aus dem Jahre 1600 nachzulesen. Damals stand die Säge noch unten am See, dem heutigen Seeplatz in Oberägeri. Sie nutzte das Wasser aus dem Mitteldorfbach, der jedoch zu wenig Wasser führte. Josef Nussbaumer, auch genannt «Sebeli», erwarb die Säge und versetzte sie 1904 zum heutigen Standort am Dorfbach. Er arbeitete jedoch nicht wie erwartet mit Wasserkraft, sondern betrieb die Sägerei mit einer Turbine und zusätzlichem Elektromotor. Dank diesem technischen Fortschritt war die Mühle nicht den schwankenden Wassermengen ausgeliefert, welche den Besitzern der Sägerei oberhalb den Übernamen «Wolkebruchsager» beschert hatte. Das Wasserrad und Prunkstück der Säge zählt demzufolge nicht zu den Originalteilen und wurde zu einem späteren Zeitpunkt eingebaut.

Stefan Rogenmoser (35), Präsident des Vereins «Sebelis Sage», setzt sich mit 40 ehrenamtlichen Helfern für den Erhalt der Säge ein. Neben der Instandhaltung organisiert der Verein den Tag der offenen Tür anlässlich des Schweizerischen Mühlentages. Aber auch Führungen für interessierte Gruppen und Schulen sowie ein Open-Air-Kino stehen auf dem Programm. «Obschon der Schweizer Mühlentag jährlich stattfindet, führen wir den Anlass bei uns nur alle zwei Jahre durch», sagt der Vereinspräsident und Familienvater aus Alosen. «Im Jahr dazwischen nutzen wir die Gelegenheit, mit dem Verein eine andere Mühle zu besuchen.»

Miniatur-Dampfschiffe und «Spatz»

Das Rahmenprogramm sorgte am Samstag für Unterhaltung. Den rund 150 Besuchern wurde dabei einiges geboten. Zehn Helfer waren vor Ort und kümmerten sich um die Unterhaltung und das Wohl der Gäste. Dionys Rogenmoser und weitere Vereinsmitglieder erklärten, wie die durch Wasserkraft betriebene Einfachgattersäge funktioniert. Kinder konnten Wasserräder basteln oder sich beim Wasserspiel vergnügen. Besucher scharten sich um das Dampfboot Don Camillo von Klaus Bilang, welches seit 2015 auf dem Ägerisee seine Runden dreht. Auch die Miniatur-Dampfmaschine von Toni Iten zog Interessierte an.

Mario Chiesa verwöhnte derweil die Besucherinnen und Besucher mit selbergemachtem «Spatz». Dank der ausgeliehenen Militär-Feldküche, auch genannt «Gulaschkanone», konnte die währschafte Suppe lange warmgehalten werden. An der neu angelegten Grillstelle, welche öffentlich zugänglich ist, genossen schliesslich Gross und Klein den wolkenlosen und interessanten Samstagnachmittag.