Hingeschaut: Als wäre er federleicht ...

Wie ein Mühlstein, von Eisenstelen getragen: Der schmucke Brunnen in einem stillen Innenhof an der Bahnhofstrasse setzt einen formellen Gegenakzent zu seiner Umgebung.

Andreas Faessler
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Josef Maria Odermatts charakteristischer Brunnen im stillen Innenhof, der zum Zeitpunkt der Aufnahme leider mit Autos zugeparkt war. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Dezember 2018))

Josef Maria Odermatts charakteristischer Brunnen im stillen Innenhof, der zum Zeitpunkt der Aufnahme leider mit Autos zugeparkt war. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Dezember 2018))

Wer mit dem Werk Josef Maria Odermatts ein wenig vertraut ist, der erkennt seine Handschrift auch in jenem bemerkenswerten Brunnen im ruhigen Innenhof des Gebäudekomplexes an der Bahnhofstrasse, wo man das Restaurant Giardino findet. Und zwar liegt die Charakteristik des Nidwaldner Künstlers (1934–2011) in den parallel verlaufenden Eisenstelen, von denen drei Pärchen das Brunnenbecken tragen. Diese Form der nebeneinander angeordneten Metallelemente findet sich in zahlreichen Plastiken Odermatts wieder. Verwiesen sei an dieser Stelle insbesondere auf die «Vier Elemente» an der Sockelmauer des Verwaltungsgebäudes der Korporation Zug an der Poststrasse («Hingeschaut» vom 30. März 2016), wo er genau diese Formensprache anwendet.

Korrodierter Stahl vs. hellen Stein

Der 1987 aufgestellte Brunnen im Innenhof trägt keinen Werktitel. Das kreisrunde Brunnenbecken besteht aus Jurakalk und erinnert mit seiner strukturreichen Oberfläche an einen grossen Mühlstein. Dieser tonnenschwere Trog scheint – von den Stelen getragen – über dem Grund zu schweben, als wäre er federleicht. Wie auch bei den «Vier Elementen» ist die Oberfläche der Stahlstelen korrodiert, was die helle Farbe des Steinbeckens stark kontrastiert.

Wie ein Sockel erscheint das unter dem Brunnen leicht erhöhte Rondell aus Pflastersteinen, was das Kunstwerk zusätzlich als Fixpunkt des Innenhofes betont. Aus der Vogelperspektive besonders gut zu erkennen ist die erweiterte, dem Brunnen angepasste Pflästerung: Aus vier Richtungen läuft je eine «Bahn» aus helleren Pflastersteinen auf den Brunnen zu und endet in einer Krümmung, als würde sie die runde Form aufnehmen wollen.

Der Brunnen setzt zur architektonischen Strenge der umliegenden Bebauung einen wohltuenden Gegenakzent und verwandelt den ansonsten lieblosen Hof in einen Ort, wo man gerne einen Moment innehält.

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.