Alte Geschichte ums alte Kantonsspital in Zug wird neu aufgerollt

Seit elf Jahren ziehen sich die Pläne rund um das Areal des alten Kantonsspitals schon hin. Nun lanciert die Baudirektion einen Ideen- und Investorenwettbewerb. Bis an der Artherstrasse aber definitiv die Bagger auffahren, wird es noch lange dauern.

Laura Sibold
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Das alte Kantonsspital an der Artherstrasse ausgangs Zug. (Bild: Baudirektion Zug)

Das alte Kantonsspital an der Artherstrasse ausgangs Zug. (Bild: Baudirektion Zug)

Eine fast schon unendliche Geschichte geht in die nächste Runde: Das ehemalige Kantonsspitalareal im Süden der Stadt Zug soll endlich bebaut werden. Der langwierige politische Prozess sei abgeschlossen, nun gehe es an die konkrete Umsetzung, verkündete Baudirektor Florian Weber an der gestrigen Medienkonferenz. Weber teilte mit, dass ab morgen ein Ideen- und Investorenwettbewerb für das Areal des alten Kantonsspitals ausgeschrieben wird. «Das Areal ist mit seiner idealen Lage und der Grösse von 22000 Quadratmetern einzigartig im Kanton. Daher soll dort ein qualitätsvoller Nutzungsmix mit langfristigem Mehrwert entstehen.» Geplant ist eine Überbauung mit publikumsattraktiver, öffentlicher Nutzung, Alters- und normalen Wohnungen sowie einem Hotel- und Gastronomiebereich.

Nur das ehemalige Personalhaus bleibt vorerst, wie es ist

Der Kanton Zug will das Gelände im Baurecht abgeben und lanciert dazu ein zweistufiges Wettbewerbverfahren. In einem ersten Schritt können Teams aus Investoren und Betreibern bis am 21. Juli ein Nutzungs- und Betriebskonzept einreichen. Im Herbst werden vier bis sechs Teams zur Weiterbearbeitung ihrer Nutzungskonzepte und zur Unterbreitung eines Baurechtsangebotes ausgewählt. In einem zweiten Schritt soll dann das ausgewählte Nutzungskonzept mittels Architekturwettbewerb städtebaulich und räumlich konkretisiert werden. Für das Areal liegt seit 2016 ein rechtskräftiger Bebauungsplan vor, der das Grundstück in sieben Baubereiche gliedert, was die folgende Visualisierung aufzeigt:

Auf dem Baufeld B eine publikumsattraktive öffentliche Nutzung, im C1/C2 Wohnungen, im D1 ein Hotelbetrieb, im D2 ein gastronomisches Angebot sowie im E Alterswohnungen. Das Personalhaus A bleibt bestehen. (Visualisierung: Baudirektion Zug)

Auf dem Baufeld B eine publikumsattraktive öffentliche Nutzung, im C1/C2 Wohnungen, im D1 ein Hotelbetrieb, im D2 ein gastronomisches Angebot sowie im E Alterswohnungen. Das Personalhaus A bleibt bestehen. (Visualisierung: Baudirektion Zug)

Zentral ist für den Kanton vor allem das Baufeld B mit der grosszügigen Seeterrasse, wo eine publikumsattraktive, öffentliche Nutzung entstehen soll. «Das kann zum Beispiel Kunst, Theater, Bildung oder Musik sein. Wir haben den Handlungsspielraum hier bewusst für die Investoren offen gelassen», betont Kantonsbaumeister Urs Kamber. In den Baufeldern C1/C2 sollen rund 75 mehrheitlich preisgünstige Wohnungen entstehen, im Erdgeschoss sind auch Räumlichkeiten für Gewerbe und Dienstleistungen denkbar. Das Baufeld E ist für Alterswohnungen vorgesehen, D2 für ein Restaurant oder eine Bar. «Zentral ist zudem das Baufeld D1, in dem sich ein zu erhaltendes denkmalgeschütztes Gebäude aus den 1930er-Jahren befindet. Es eignet sich für eine hotelähnliche Nutzung», fährt Kamber fort. Das könne beispielsweise ein Hotel sein, das mit Longstay-Appartements und Alterswohnungen ergänzt werde. Vorgesehen sind auch 200 Parkplätze, die grösstenteils unter der Erde liegen werden. Vom Verfahren ausgenommen ist das Baufeld A – das ehemalige Personalhaus – welches als Provisorium für die kantonale Verwaltung dient, bis die Büros voraussichtlich 2025 in den Neubau An der Aa ziehen können. Laut dem Kantonsbaumeister sollen im Hochhaus danach rund 25 Wohnungen entstehen, die ebenfalls im Baurecht an einen Investor abgegeben werden sollen.

Es gebe bereits 300 Interessierte

Im Richtprojekt zur Entwicklung des Areals war am Zugersee zudem eine Badi angedacht. Diese ist zwar nicht mehr Teil des Bebauungsplans, die Idee könne nach Wunsch aber von einem Investor wieder aufgegriffen werden. Dass wie beim Projekt Kunsthaus 2014/2015 kein Sponsor gefunden werden kann und das Projekt daher erneut bachab geht, glaubt der Baudirektor nicht. Man habe bereits etwa 300 interessierte Investoren, zudem sei die Parzelle diesmal grösser.

Auf dem Areal des ehemaligen Kantonsspitals sind seit 2008 diverse Zwischennutzungen untergebracht. Genauso lange bestehen auch schon Pläne, was mit dem Gebiet an bester Lage im Süden der Stadt Zug dereinst geschehen soll (siehe Artikel "Ein langer Weg zum Ziel" unten). Ausser moderaten Umbauarbeiten ist in den Räumlichkeiten an der Artherstrasse bisher aber nicht viel geschehen. Und bis die Bagger auffahren, wird es auch noch eine ganze Weile dauern. Laut Baudirektion ist Ende 2020 mit dem Baurechtsvertrag zu rechnen, der Architekturwettbewerb soll 2021/2022 aufgegleist werden und die Baubewilligung zirka 2023 vorliegen. Mit dem Baubeginn ist frühstens 2026 zu rechnen.