Zuger Altersheime wehren sich gegen die Hitze

Ventilatoren, Storen und Fussbäder: Weil Senioren unter den hohen Temperaturen leiden, werden Zuger Institutionen kreativ.

Laura Sibold
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Bewohner von Alterszentren werden derzeit aufgefordert, besonders viel zu trinken. (Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally, 8. Juli 2019)

Bewohner von Alterszentren werden derzeit aufgefordert, besonders viel zu trinken. (Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally, 8. Juli 2019)

Hitzewellen, in denen das Thermometer tagelang 30 Grad oder mehr anzeigt: Auch im Kanton Zug dürfte dies in den kommenden Jahren wohl keine Seltenheit mehr sein. Die hohen Temperaturen setzen besonders älteren Leuten zu. Für sie können Hitzeperioden nämlich speziell ein Gesundheitsrisiko darstellen. Grosse Hitze kann laut Bundesamt für Gesundheit zu Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen führen. Schuld ist eine beeinträchtigte Wärmeregulation, aufgrund derer man weniger schwitzt und ein vermindertes Durstgefühl hat.

Dieser Gefahr sind sich auch die Pflegeinstitutionen im Kanton Zug bewusst. Auf eine kleine Umfrage unserer Zeitung reagieren einige Altersheime mit einem ausführlichen Massnahmenkatalog gegen die Hitze. «Wir beurteilen die Situation immer wieder neu und leiten bei Bedarf weitere Massnahmen ein», sagt etwa Johannes Kleiner, Geschäftsführer der Altersheime Baar. So wurden in den Baarer Heimen Martinspark und Bahnmatt vergangene Woche zusätzliche Trinkstationen mit Mineralwasser eingerichtet sowie nasse Waschlappen, Eiswürfel und Wassermelonen-Schnitze auf die Abteilungen geliefert.

Langfristig muss umgedacht werden

In einem internen Schreiben fordert Kleiner zudem alle Mitarbeitenden auf, die Temperaturen im Gebäude erträglich zu halten, indem man in den kühleren Stunden alle Fenster und Türen öffnet und sobald es warm wird, alles schliesst und die Storen respektive Jalousien runterlässt. Dasselbe Credo gilt auch bei den Alterszentren Zug, im Chlösterli Unterägeri, im Lindenpark Hünenberg sowie im Alterszentrum Weiherpark Steinhausen. Allesamt empfehlen sie ihren Bewohnern, viel zu trinken, und bieten feuchte Tücher sowie Fussbäder an. Auch ein Handbad mit Kölnisch- und handwarmem Wasser erfrische die Bewohner, zudem werde Bouillon gegen den Salzverlust ausgeschenkt, verrät Margrit Lötscher vom Alterszentrum Lindenpark in Hünenberg.

Generell legen die Pflegeheime den Fokus auf wasser- sowie salzhaltige Ernährung und stellen sicher, dass die Betagten sich an kühlen oder schattigen Orten aufhalten und leichte Kleidung tragen. In den erwähnten Altersheimen werden die öffentlichen Wohnzonen durch Ventilatoren auf einer angenehmen Temperatur gehalten. Primär setzt man somit auf pragmatische Prävention – langfristig müsse man aber umdenken, da sind sich die Altersheime einig. Peter Arnold, Geschäftsführer der Alterszentren Zug betont:

«Bauliche Massnahmen gegen die Hitze werden je länger, je sinnvoller. Weil die Hitzeperioden in den nächsten Jahren zunehmen, überlegen wir uns, in Zukunft gewisse Aufenthaltsräume zu klimatisieren und so kühler zu halten.»

Bemerkbar macht sich auch eine verminderte Aktivität der Senioren. «Daher bieten wir ein angemessenes Programm an, das im kühlen Haus stattfinden kann, wie etwa Weben oder Wii-Spielen. Aber auch erholsame Aktivitäten wie Schifffahrten auf dem Ägerisee oder Schwimmen im Ländli sind beliebt», erklärt Rowena Vanessa Fischer vom Chlösterli Unterägeri. Zudem habe man vermehrt Abenddienste eingeplant, damit man am Abend mit den Bewohnern nach draussen gehen könne.

Den Senioren die Gefahr durch die hohen Temperaturen zu erklären, sei aber oft eine Herausforderung, bekräftigt Barbara Heller, Pflegedienstleiterin im Zentrum Weiherpark Steinhausen. «Viele haben ein anderes Hitze-Körpergefühl und denken, dass es nicht so tragisch ist.» Besonders schwer sei es bei Demenzkranken. Sind wegen der Hitze auch tagsüber die Storen heruntergelassen, könne es schon einmal vorkommen, dass ein Bewohner diese wieder hoch lässt, weil er es am Tag nicht so dunkel in seinem Zimmer haben möchte.


Unter www.bag.admin.ch Stichwort Hitze gibt das Bundesamt für Gesundheit Tipps, wie man sich vor Hitze schützen kann.