Leserbrief
An sich ist nichts weder gut noch böse

Leserbrief «Städtischer Verkehr: Konstruktive Politik scheint nicht gefragt», Ausgabe vom 28. Mai

Merken
Drucken
Teilen

Lange haben alle moniert: Die, die den 2015 wuchtig verworfenen Stadttunnel ablehnten, hätten keine Lösungen, würden nichts präsentieren. Präsentiert der VCS dann etwas, ist es aber destruktiv. Ich habe die Replik des VCS auf den Bericht des Stadtrates gelesen. Daraus sprach in keinster Art und Weise eine beleidigte Partei, sie schien mir lediglich kopfschüttelnd. Worüber? Dass der Stadtrat sich gar nicht erst die Mühe machte, das Projekt genauer anzuschauen. Die Argumente dagegen nahm er doch tatsächlich aus der Abstimmung 2015 – von der Gegnerseite. Wie zum Beispiel die Umwegfahrten. Beim Stadttunnel hätte man über 40000 Kilometer pro Jahr in Kauf genommen, weil das Projekt doch so wunderbar sei.

Die Promenade hingegen wird dafür gerügt, (wesentlich weniger) Umwegfahrten in Kauf zu nehmen. Oder «Verkehr in den Quartieren». Beim Stadttunnel kam zum Beispiel an einer Roadshow das haarsträubende Argument eines befürwortenden Politikers auf, die Leute an der Nordzufahrt seien halt selbst schuld, wenn sie dort hin ziehen. Der ganze Westen von Zug wäre arg in Mitleidenschaft gezogen worden, man nahm es in Kauf.

Bei der Promenade trifft es selbstverständlich auch einige Gebiete, die Topografie der Stadt erlaubt für keine Verkehrsführung etwas anderes. Dafür gehören die Vorstadt, die Bahnhofstrasse nördlich der Gartenstrasse bis zum Gubelloch und der ganze nördliche Stadtkern zwischen Aabachstrasse und Industriestrasse hauptsächlich dem Langsamverkehr, wobei Zubringer und Busse weiterhin fahren können. Haben Sie, Herr Küng, sich einmal ganz ohne Ideologie damit auseinandergesetzt? Ich denke, der VCS würde Sie mit offenen Armen empfangen und Ihnen das ganz sachlich präsentieren.

Es scheint mir fast, dass die Stadt einen neuen Philosophen erhalten hat. Wobei Philosophie laut Duden lediglich «das Streben nach Erkenntnis über den Sinn des Lebens, das Wesen der Welt und die Stellung des Menschen in der Welt» ist. Aber der Neo-Philosoph Küng weiss nicht nur, was gut und böse respektive konstruktiv und destruktiv ist. Er geht noch einen Schritt weiter und weiss genau, wo sie zu finden sind, die Konstruktiven in der SVP und die Destruktiven im VCS und in der ALG. Da ist es denn gut, zu wissen, was uns Shakespeare lehrte: «An sich ist nichts weder gut noch böse. Das Denken macht es erst dazu.»

Ursula Strub, Zug