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ANALYSE: «Das Dorf Baar lebt nicht»

Die Dorfstrasse kämpft seit Jahren um deren Belebung und ein Dorfplatz fehlt bisher. Der starken Entwicklung von Baar in Richtung Vorort von Zug soll mit gezielten Massnahmen entgegengewirkt werden – diese werden nun erarbeitet.
Zoe Gwerder
Die Kreuzung beim Rathaus wäre für einen Dorfplatz ideal. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 8. Mai 2018))

Die Kreuzung beim Rathaus wäre für einen Dorfplatz ideal. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 8. Mai 2018))

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

Wie könnte Baar in Zukunft aussehen? Damit haben sich in den vergangenen vier Monaten drei Experten des «Netzwerks Altstadt» auseinandergesetzt, die selber davor noch nie in Baar waren. Aus ihrer Arbeit entstand die «Stadtanalyse Baar» und mit ihr Visionen, wie der Ort künftig gestaltet werden könnte. Ursprung der Analyse war ein Vorstoss der Baarer CVP. Mit diesem wurde der Gemeinderat im vergangenen Dezember von der Gemeindeversammlung beauftragt, im Hinblick auf die Eröffnung des Strassenbauprojektes Tangente Zug/Baar – voraussichtlich 2021 – in einem Massnahmenplan aufzuzeigen, wie das Zentrum von Baar aufgewertet werden kann.

«Uns war klar, dass es nichts nützt, einfach die Baarer zu fragen, was sie wollen, denn hier sind die Ideen bereits zu festgefahren», erklärt Gemeinderat und Bauchef, Paul Langenegger die Ausgangslage. Deshalb habe man sich für externe Experten entschieden. Das beauftragte Netzwerk Altstadt ist aus einem Projekt des Bundesamtes für Wohnungswesen hervorgegangen und bezeichnet sich als Kompetenzzentrum für Altstadtfragen. «Die Experten kamen zum Schluss, dass wir eigentlich ein schönes Dorf haben – aber es lebt nicht.» Gemäss der Studie ist Baar eine Art «Vorort» von Zug geworden – trotz seiner rund 25000 Einwohner. Mit dieser Rolle müsse sich das Dorf abfinden, so die Autoren.

Eines der zentralen Probleme ist gemäss der Studie, das fehlende Zentrum mit all seinen Funktionen. Viel mehr gibt es derzeit in Baar vier Zonen mit mehr oder weniger öffentlichem Leben: die Dorfstrasse, den Bahnhof, die Marktgasse sowie das Oberdorf.

Zwei statt vier Hauptzonen

Diese vier Zentrumslagen zu verbinden, wird gemäss den Experten aber kaum möglich sein, da hierzu die Nachfrage nach Ladenlokalen zu klein ist. Viel mehr raten sie, sich auf zwei der Bereiche zu konzentrieren – in diesem Falle ist dies neben der Zone rund um den Bahnhof, die Dorfstrasse.

Konkret haben die Autoren die Idee, auf der Dorfstrasse einen Dorfplatz beim Rathaus, sowie einen Platz bei der Kirche zu gestalten. Bei beiden Plätzen wäre eine Begegnungszone denkbar. Der Dorfplatz beim Rathaus soll belebt werden, indem unter anderem das Erdgeschoss des Rathauses in den Sommermonaten zur Strasse hin offen sein soll und eine gastronomische Benutzung mit einer Aussenbewirtung bietet. Im Weiteren schwebt den Autoren vor, dass beispielsweise die Kantonalbank ihre Halle mit einem Kulturcafé oder Kulturkino teilen könnte – um einen wichtigen Beitrag ans Baarer Dorfleben beizusteuern. Bahnhof und Dorfplatz könnten dann durch einen Stadtpark verbunden werden. Mit diesen Massnahmen soll der Dorfcharakter wieder vermehrt betont werden, mit dem sich Baar von der Stadt Zug abgrenzen kann.

Im Allgemeinen kommt die Studie zum Schluss, dass sich Baar vom klassischen Bild des Detailhandelszentrums lösen muss und andere Punkte fördern soll, mit denen die Begegnung der Bevölkerung, sowie auch die Identifikation mit dem Dorf erreicht werden kann. Gemeint sind Angebote im Bereich Gastronomie, Freizeit, Dienstleistung und Sport. Trotzdem soll aber die Dorfstrasse auch von Autos befahren werden. Denn für eine Fussgängerzone bräuchte es eine «deutlich stärkere Ladenszene, die kaum erreicht werden kann», so die Studie.

Der Präsident des Gewerbevereins Baar, Arno Matter, ist sich mit den Autoren der Studie einig, dass sich das Angebot im Zentrum ändern wird. «Unsere Aufgabe ist es, den Wandel zu erkennen und ihn mitzugestalten.» Für ihn wäre wichtig, dass die neu gestalteten Plätze und Strassen unterschiedlich genutzt werden könnten. «Beispielsweise so, dass wir am Abend einen Markt auf dem Dorfplatz abhalten könnten und die Infrastruktur zum Sperren der Strasse bereits in diese integriert ist.» Vor allem ist ihm aber wichtig, dass es mit der Entwicklung und Umsetzung der Ideen vorwärtsgeht. «Mögliche Massnahmen müssen spätestens mit der Eröffnung der Tangente Zug/Baar umgesetzt sein. Das wäre eine riesige Chance für Baar.» Dem pflichtet auch Bauchef Langenegger bei. «Es wird zwar nicht einfach sein, alle auf einen Nenner zu bringen, aber der Zeitplan muss realistisch sein.»

Betroffene werden in Planung einbezogen

Vorgesehen ist, dass bis zur Ortsplanrevision im kommenden Jahr klar ist, was man alles machen will, damit die Grundlagen dazu in die Revision einbezogen werden können. Dies geschieht mit der sogenannten «Nutzungsstrategie». Diese wird gemeinsam mit den Grundeigentümern sowie den Gastronomie- und Ladenbesitzern erarbeitet. Moderiert wird der Prozess ebenfalls von den Autoren der Stadtanalyse. Ein erster Informationsanlass für die Bevölkerung findet am 19. Juni statt.

Hinweis

Die ganze Stadtanalyse kann auf der Webseite der Gemeinde Baar www.baar.ch angesehen werden.

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