Analyse zu den Auswirkungen der Crypto-Affäre im Kanton Zug

Chefredaktor Harry Ziegler darüber, weshalb nun Lehren für die Zukunft her müssen. 

Harry Ziegler
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«Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert», heisst es in einem Wilhelm Busch oder Bertolt Brecht fälschlicherweise zugeschriebenen Satz. Tatsächlich soll der Kabarettist Wilhelm Kroll diesen in Leipzig erstmals öffentlich benutzt haben.

Unternehmen oder Personen im Kanton Zug scheinen in letzter Zeit den Kern dieses Satzes verinnerlicht zu haben. Wie sonst sind Vorfälle wie die Panama und Paradise Papers, Luanda-Leaks oder die Crypto-Affäre zu erklären. Denn stehen die Worte «Leaks» oder «Papers» zusammen mit dem Wort «Affäre», ist vielfach auch «Zug» drin. Solche Namensnennungen im Zusammenhang mit internationalen Affären bergen jedoch ein nicht zu unterschätzendes Reputationsrisiko für den Wirtschaftsstandort Zug.

Und es sind bei weitem nicht nur die bekannten Wirtschaftsstandorte, die negative Schlagzeilen produzieren. Auch Schweizer Banken sorgen für solche. Zwar sind die Fälle der Banken Raiffeisen oder Credit Suisse vom Inhalt her nicht vergleichbar mit der aktuellen Crypto-Affäre – die einen Skandal auslösenden Mechanismen sind jedoch dieselben. Enthüllungen vermeintlich gut geschützter Vorgänge. Diese sind dazu angetan, aus einem latenten Reputationsrisiko einen grossen Reputationsschaden werden zu lassen. Soweit darf es nicht kommen.

Nun allerdings die Politik zur Gänze für den Schlamassel verantwortlich zu machen, ist kurzsichtig und falsch. In einer Kolumne in unserer Zeitung aus dem letzten Dezember titelte Monika Roth, Professorin für Compliance und Finanzmarktrecht an der Hochschule Luzern: «Wenn die Wirtschaft nichts dazulernt, leidet der Ruf der Schweiz.» Was auf den Kanton Zug heruntergebrochen, die aktuelle Situation ziemlich treffend beschreibt.

Die Politik hat die Rahmenbedingungen geschaffen, die Wirtschaft arbeitet mit diesen. Und ist mindestens ebenso verantwortlich für allfällige Missstände wie die Politik. Die Wirtschaft, weil sie dem Streben nach Profit ziemlich viel unterordnet, die Politik, weil sie in der Regel nicht so genau hinschaut – mindestens nicht, wenn alles ohne Schlagzeilen abläuft.

Was also tun? Primär sicher den Kanton Zug aus den negativen Schlagzeilen heraushalten. Das hingegen ist bei der Vielzahl an Firmen schwer. Nur schon die Frage, wie erkennt und trennt man die Spreu oder den Weizen und wer ist dafür verantwortlich, kann nicht abschliessend beantwortet werden. Klar, 99 Prozent der in Zug domizilierten Firmen geschäften korrekt, Probleme verursacht das eine Prozent. Hier allenfalls aus den letzten Skandalen, in denen der Name Zug aufgetaucht ist, Verhaltensmuster abzuleiten, und Lehren zur Vermeidung zu ziehen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. In einem zweiten Schritt müssen diese Lehren umgesetzt werden. Der vielleicht aktuell wichtigste Schritt aber ist, dass die Regierung endlich einmal öffentlich anerkennt, dass einige wenige Firmen im Kanton Zug ein latentes Reputationsrisiko darstellen.