Porträt
Der Schwede André Andersson will die NLA-Unihockeyaner von Zug United in den Playoff-Final schiessen

Der 26-jährige André Andersson hätte eigentlich schon letzte Saison nach Zug wechseln sollen – nun ist der Schwede bei Zug United angekommen. Sein Ziel: Topskorer.

Ruedi Burkart
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Der Schwede André Andersson spielt neu im Trikot von Zug United.

Der Schwede André Andersson spielt neu im Trikot von Zug United.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 28. August 2020)

Kein Zweifel, dieser Mann hat das Zeug zum neuen Zuger Publikumsliebling. Gutaussehend, lächelnd und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. «Hallo, wie geht’s?», begrüsst André Andersson den Journalisten auf Deutsch, das Baseball-Cap lässig verkehrt herum auf dem Kopf, den Unihockeystock in der rechten Hand. Er belege seit Anfang August täglich einen Sprachkurs, die hiesige Sprache zu beherrschen sei ihm wichtig. «Geht ganz gut», sagt Andersson mit einem Lachen, möchte das Gespräch dann aber doch lieber in Englisch führen. Der bisherige Spieler des schwedischen Spitzenklubs Växjö Vipers stiess Ende Juli zusammen mit Landsmann Alexander Hallén zur NLA-Truppe der Zentralschweizer und setzt damit die jahrelange Tradition der schwedischen Söldner fort.

Die Saison beginnt mit einem Heimspiel

Mit einem Heimspiel gegen Rychenberg Winterthur steigt das Zuger Männerteam am kommenden Samstag, 12. September, in die vierte NLA-Saison seit dem Wiederaufstieg (17 Uhr, Kantonsschule Zug). Die Entwicklung der Mannschaft in den vergangenen drei Jahren ist frappant. Sie qualifizierte sich mit den Rängen 7, 6 und 5 stets für die Playoffs und gewann im vergangenen Winter den Schweizer Cup. In der Meisterschaft war man drauf und dran, erstmals überhaupt eine Viertelfinal-Serie zu gewinnen, wurde dann jedoch von Corona gestoppt. Konkurrenzfähig sollte das Team von Chefcoach Niklas Hedstal durchaus sein. 

Eigentlich hätte Andersson bereits vor einem Jahr zum aktuellen Cupsieger wechseln sollen. «Doch ich verpasste den Kündigungstermin meines Vertrags bei Växjö um ein paar Tage», sagt Andersson und winkt ab, «war halt Pech». Doch der Kontakt mit den Zuger Verantwortlichen war hergestellt und riss seither nicht mehr ab. «Im vergangenen Februar luden wir André zusammen mit seiner Freundin in die Schweiz ein, und diesmal klappte der Transfer», plaudert Zugs Sportchef Bruno Schelbert ein wenig aus dem Nähkästchen.

Im Porsche dem See entlang

Auf seinem Instagram-Account mit knapp 1700 Followern postete Andersson kürzlich eine Story, in welcher man ihn am Steuer eines Porsches den Zugersee entlang fahren sieht. «Nicht, dass Sie etwas Falsches denken», errät der Unihockeyaner die Gedanken seines Gegenübers, «der gehört nicht mir». Andersson habe den Sportwagen lediglich für ein paar Stunden von einem Bekannten ausleihen dürfen. «Ich bin zwar ein grosser Autofan. Aber einen solchen Wagen kann ich mir nicht leisten.» Wie in der Unihockeyszene üblich, müssen auch die besten ihres Fachs neben dem Sport noch einer geregelten Arbeit nachgehen. Andersson arbeitet in einem 60-Prozent-Pensum in einem Warenlager und fährt unter der Woche Medikamente zu Kunden. Zug United quartierte ihn und seine Freundin Annie in einer Wohnung in der Zuger Altstadt ein. Andersson:

«Es gefällt uns wirklich ausgezeichnet. Zug ist eine wunderbare Stadt, und der See einfach traumhaft.»
André Andersson, neuer Stürmer von Zug United(Bild: Matthias Jurt, Zug, 28. August 2020)

André Andersson, neuer Stürmer von Zug United

(Bild: Matthias Jurt, Zug, 28. August 2020)

Matthias Jurt/ Zuger Zeitung

Auch in der Mannschaft fühlt sich Andersson wohl. «Wir haben eine wirklich coole Truppe, angefangen beim Trainer über die Spieler bis zum restlichen Staff. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, hierher zu kommen», sagt der Rechtsausleger. Sportliche Ziele hat er sich für die kommenden zwei Saisons einige gesetzt. In der nationalen Liga will er nichts weniger als Topskorer werden und damit seinen Landsmann Billy Nilsson beerben, welcher dieses Kunststück im Zuger Trikot in der Saison 2018/19 schaffte.

Zurück in die schwedische Nationalmannschaft

Und mit dem Team? «Nun, im Cup möglichst weit kommen und in der Meisterschaft in den Final», so stelle er sich das in etwa vor. Und schliesslich wäre da noch das Thema schwedische Nationalmannschaft. 15-mal durfte Andersson für Tre Kronor ran, seit einer achtmonatigen Pause wegen einer Knieverletzung steht er dort allerdings hinten an. «Die Rückkehr in die Nationalmannschaft ist und bleibt ein grosses Ziel für mich», gibt sich Andersson kämpferisch.

Der Nummerndeal mit Captain Tim Mock

Eine beliebte Frage an ausländische Spieler, die neu in der Schweiz sind, lautet so: «Was denken Sie über das Niveau der Schweizer Liga?» Andersson antwortet: «Mit gefällt die Körpersprache der Spieler hier. Einer wie unser Marco Laely zum Beispiel, dem sieht man von weitem an, dass er unbedingt gewinnen will.» Das 2:14-Debakel im Supercup gegen Alligator Malans von zehn Tagen soll eine Ausnahme bleiben. «Wir pushen uns immer wieder gegenseitig, das finde ich sehr gut.» Er selbst sei auch ein kämpferischer Spielertyp, das werde ihm in den Meisterschaftsspielen nützen, ist Andersson überzeugt.

Der Schwede spielt erst seit seinem 13. Lebensjahr Unihockey. Zuvor frönte er dem Eishockey und dem Fussball. Weil er in jungen Jahren ein Fan des englischen Fussballers David Beckham war, entschied er sich schon vor vielen Jahren für die Rückennummer 7. Pech nur, dass bei Zug ausgerechnet Captain Tim Mock mit der 7 spielt. «Wir haben die Sache schnell und unkompliziert lösen können», sagt Andersson. Mock habe ihm von sich aus angeboten, auf die Sieben zu verzichten. «Tim ist ein grossartiger Kerl, ein richtiger Captain», lobt Andersson. Konsequenz des Deals: Andersson läuft auch bei Zug United mit der 7 auf, Mock spielt künftig mit der 12, seinem Geburtsdatum. Rückennummern sind eben doch nicht nur auf Stoff gedruckte Zahlen.