Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Interview

Andrea Sidler Weiss kandidiert für den Ständerat: «Ich lasse mich nicht schnell entmutigen»

Die Stadtzugerin Andrea Sidler Weiss kandidiert als Parteilose für den Ständerat. Sie möchte sachlich und frei von Filz politisieren.
Rahel Hug
Kandidiert als Parteilose: Andrea Sidler Weiss ist häufig zu Gast im Restaurant Fischmärt. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 8. August 2019)

Kandidiert als Parteilose: Andrea Sidler Weiss ist häufig zu Gast im Restaurant Fischmärt. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 8. August 2019)

In der Zuger Altstadt fühlt sich Andrea Sidler Weiss daheim. Sie wohnt im denkmalgeschützten Kanonenhaus an der Grabenstrasse, als Treffpunkt für das Interview hat sie das Restaurant Fischmärt ausgesucht. Andrea Sidler, sie trinkt einen Espresso, wird alle paar Minuten von Passanten begrüsst. «Hier kennt man sich, das ist unsere Beiz», sagt sie. «Wenn mein Mann und ich zu müde sind, um etwas zu kochen, kommen wir hierher.»

Die 56-Jährige ist in der Zuger Politik kein unbekanntes Gesicht. 2007 bis 2010 amtete sie als Stadtzuger Bauchefin. Nach einem Zerwürfnis mit ihrer damaligen Partei, der CVP, trat sie aus der Partei aus und wurde ­daraufhin nicht wiedergewählt. Für das Amt als Ständerätin kandidiert sie als Parteilose.

Lange Zeit war es ruhig um Ihre Person. Weshalb gerade jetzt das Comeback in der Politik?

Andrea Sidler Weiss: Nach meiner Zeit als Bauvorsteherin hatte ich immer im Hinterkopf, dereinst wieder zu politisieren. Mit der Ankündigung von Joachim Eder, als Ständerat zurückzutreten, war dies für mich der Moment, die Gelegenheit anzupacken. Für mich wäre es eine Ehre, als erste Frau den Kanton Zug in Bern vertreten zu dürfen. In meinem Alter habe ich noch den nötigen «Pfupf» und den Elan, so etwas zu machen.

Sie waren zuletzt Exekutivpolitikerin, jetzt möchten Sie in den Ständerat, wo Sie eine unter vielen wären. Wieso reizt Sie dieses Amt?

Meine politische Karriere habe ich ja im GGR gestartet, wo ich auch Fraktionschefin war. Die Parlamentsarbeit, in einem Team etwas zu erreichen, hat mir immer gefallen. Auf nationaler Ebene reizt es mich, die Interessen meines Kantons zu vertreten. Es geht mir um Sachpolitik.

War es für Sie immer klar, nie wieder einer Partei beizutreten?

Ja, auf jeden Fall. Nach der Geschichte vor rund zehn Jahren habe ich mit der Parteienlandschaft abgeschlossen. Ich möchte in Bern als Vertreterin aller Bürgerinnen und Bürger aus Zug auftreten. Die grosse Mehrheit der Schweizer stimmt nicht nach dem Parteibüchlein ab, sondern unabhängig und wechselhaft. Diese Menschen möchte ich repräsentieren.

In der Medienmitteilung zu Ihrer Kandidatur schreiben Sie, «die verkrusteten Strukturen aufbrechen» zu wollen. Was meinen Sie damit genau?

Die FDP beispielsweise hat als Nachfolge für Joachim Eder nicht mal eine Frau in Betracht gezogen. Ich denke auch bürgerlich, aber die bürgerlichen Parteien schicken wieder nur Männer ins Rennen. Ein Beispiel für verkrustete Strukturen sind für mich auch die verschiedenen Mandate, die viele Politiker in Bern annehmen. Sie vertreten etwa Versicherungen, Gesellschaften, kurz: das Geld. Filz ist mir zuwider. Klar, ich bin auch gut vernetzt, aber ich und meine Familie sind da eher bodenständig. Mein Mandat wäre einzig jenes des Kantons Zug.

Wieso haben Sie den Slogan «Frauenpower nach Bern» für Ihre Kampagne gewählt?

Es fehlt bislang eine weibliche Vertretung in Bern. Das soll sich ändern: Es ist schlicht an der Zeit. Auch der Kanton Zug besteht – wie der Rest der Schweiz – zur Hälfte aus Frauen.

Welche politischen Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Eminent wichtig ist mir die AHV, dass sie als Kopfrente ausgestaltet wird und nicht als Zivilstandsrente. Das wäre fairer, und Ehepaare würden nicht mehr benachteiligt. Diesbezüglich würde ich auf jeden Fall einen Vorstoss lancieren.

Und weiter?

Ich setze mich für eine umfassende und durchdachte Revision des Nationalen Finanzausgleiches (NFA) ein. Das System muss fair sein, und jeder Einzelne sollte seinen Beitrag leisten. Zudem bin ich für eine offene, aber konsequente Migrationspolitik und für eine tolerante ­Gesellschaft. Weiter möchte ich das vielseitige Berufsbildungssystem stärken und fördern. Ich bin Unterstufenlehrerin, die Bildung ist mir sehr wichtig.

Welche Charaktereigenschaften kommen Ihnen als Politikerin zugute?

Ich bringe die nötige Portion Humor mit, aber auch die nötige Gelassenheit. Und ich bin «zäch». Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann kämpfe ich dafür. Ich bin eine, die sich nicht schnell entmutigen lässt.

Als Bauchefin in Zug kam Ihre Art von Politik und Führung nicht überall gut an. Wären Sie die bessere Legislativ- als Exekutiv­politikerin?

Ein Legislativamt liegt mir entschieden besser. Das sah auch meine damalige Departementssekretärin des Baudepartements so, die mir einmal sagte, dass ich für eine Exekutivpolitikerin zu ehrlich und zu direkt sei. In der kleinen Kammer bin ich in einer anderen Position und würde meinen Kanton, seine Anliegen und Bedürfnisse vertreten.

Von den 46 Mitgliedern des Ständerats ist nur ein Mitglied parteilos. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Ich gehe davon aus, dass Peter Hegglin als Bisheriger wiedergewählt wird. Dann sind wir sechs, die um den verbleibenden Sitz kämpfen. Da ist es schwierig, eine Prognose zu geben. Ich mache das, weil ich Lust darauf habe und mich geehrt fühlen würde. Meine Devise ist: Wer es nicht probiert, wird es nie wissen.

Wie betreiben Sie Wahlkampf, und wie gross ist Ihr Budget?

Man wird auch von mir Plakate sehen – in jeder Gemeinde, aber klar, mein Budget ist begrenzt. Mir stehen 16000 Franken zur Verfügung, was ich unter anderem grosszügigen Wahlspendern verdanke. Ich habe einen Flyer gestaltet und bin auf Facebook aktiv. Ich möchte aber auch nicht übertreiben. Viele haben es mit der Zeit satt, all diese Köpfe zu sehen.

Hinweis
Die «Zuger Zeitung» stellt die Kandidatinnen und Kandidaten für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober vor.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.