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Andreas Iten erzählt in seinem neuen Buch Geschichten aus dem Ägerital

Der Autor und Pädagoge Andreas Iten erinnert sich im Buch «Ägerikeiten» an die Zeit vor rund 50 Jahren.
Monika Wegmann
Andreas Iten erzählt in seinem Buch auch von Dorforiginalen. (Bild: Maria Schmid, Zug, 24. September 2019)

Andreas Iten erzählt in seinem Buch auch von Dorforiginalen. (Bild: Maria Schmid, Zug, 24. September 2019)

«Manche Geschichten müssen reifen, bis sie geschrieben werden.» So erklärt Andreas Iten den Grund, warum die Erzählung «Ägerikeiten» erst jetzt erschienen ist. Denn im Buch beleuchtet der Autor, Pädagoge und Politiker die Zeit vor rund 50 Jahren. Für den nach einer längeren beruflichen Abwesenheit erst 1968 nach Unterägeri Heimgekehrten waren die folgenden zwei Jahre mit einem markanten Einschnitt in seinem Leben verbunden.

Der damals am Seminar Menzingen tätige Pädagoge wurde 1970, wie er dieser Tage in einem Gespräch lachend erklärte, «von der Strasse weg» für die FDP ins Gemeindepräsidium Unterägeri und zugleich in den Zuger Kantonsrat gewählt. «Ich war damals nicht politisch aktiv, stammte aber aus einer freisinnigen Familie. Im Buch schildere ich, wie ich am Familientisch politisch infiziert wurde.»

Ein liebevoller Blick aufs Ägerital

Als ihn der damalige FDP-Parteipräsident Bonaventura Iten als Kandidat anfragte, habe er gemerkt, dass er sich das zutraue: «Damals stritten Konservative und Freisinnige um die Vorherrschaft. Das wurde kaum medial ausgetragen. Es gab höchstens ein paar sanfte Leserbriefe, aber die Ausmarchung ist intern gelaufen, vor allem an den Stammtischen.» Dort habe man Stimmen gefangen, und mit der Zeit ergab sich ein klares Bild, wer gewählt wurde. Wie es an den Stammtischen herging, und warum das Trölen wichtig war, beschreibt Iten humorvoll. Auch, dass die damalige Behördenwahl der FDP für lange Zeit eine Mehrheit im Rat bescherte. Mit launigen Texten beschreibt er seinen Einstieg in die Gemeindepolitik und die damaligen politischen, kirchlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Ägerital, der Talschaft mit den zwei Dörfern. Und erwähnt, wie zwischen Unterägeri und Oberägeri immer wieder fröhlich geneckt wurde, weil jedes das Schönere sein wollte. Es ist zugleich der liebevolle Blick auf die schöne Landschaft und ihre Menschen.

Dazu gehören auch heute kaum mehr bekannte Originale und einige Persönlichkeiten, die inzwischen gestorben sind. Wie auf einer Bühne lässt Andreas Iten einzelne Figuren auftreten, den Seppetoni, den Gipser, Milchmann, Bäcker und vor allem das Schlitzohr Willi Glöri, der an den Stammtischen grosse Debatten angezettelt habe und als Witzkönig bekannt gewesen sei.

«Es war ein unglaubliches Erlebnis mit den Dorffiguren. Es waren Originale. Man liess sie leben, denn sie brachten Farbe ins Dorf», betont Iten.

Er beleuchtet weiter das öffentliche Wirken der Frauen und einige Personen, welche sich damals für die Dorfkultur engagierten. Iten selber ist noch heute stolz darauf, dass er bereits 1971 eine professionelle Musikschule ins Leben gerufen hat. Auch an der neu organisierten Fasnacht nahm er Anteil und wurde sogar deren zweiter Ehrenbadjöggel.

Er zeigt den politischen Mechanismus auf

Wichtig ist Andreas Iten der Hinweis, dass das Buch wenig Autobiografisches enthalte. «Ich zeige auf, wie der politische Mechanismus funktioniert hat. «Vieles war damals anders als heute und ging von einzelnen Figuren aus. Heute ist Unterägeri anonymer geworden. Früher hat jeder jeden gekannt, und man hat auf der Strasse Grüezi gesagt. Es ist ein Spiegel des damaligen Dorflebens.» Auch die Kirche habe noch eine grössere Rolle gespielt. «Das Dorf war eine geschlossene religiöse Gesellschaft. Damals nahm der Gemeindepräsident in dunkler Kleidung an der Fronleichnamsprozession teil – hinter dem Himmel.»

Das Buch der Erinnerungen, wie er es bezeichnet, ist seine Hommage an das Dorf Unterägeri. Ein anderer habe die Zeit vielleicht anders erlebt. «Ich will damit danken für die Karriere, die mir geschenkt worden ist,» betont Iten. Es sei eine spontane Idee gewesen, über die Erlebnisse zu schreiben. «Ich habe an der Vernissage kürzlich schon viel Echo erhalten. Das Buch hat für gute Stimmung im Aegerital gesorgt, es ist derzeit Dorfgespräch.» Iten ist überzeugt, dass die Geschichten beim Lesen viel Schmunzeln hervorrufen: «Solche Figuren könnten auch woanders leben, denn die gibt es überall.»

Jetzt ist Andreas Iten 83 Jahre alt und immer noch aktiv. Er schreibt nebenher Kolumnen für das Seniorweb. «Sobald etwas fertig ist, entsteht eine Lücke. Ich habe zwar nicht mehr so grossen Ehrgeiz, aber Ideen für ein neues Werk gibt es noch genug», sagt er heiter und verweist auf den letzten Abschnitt im Buch, worin es heisst: «Älter geworden, tauche ich nicht mehr so viel im Dorf auf. Etwas müde will ich meine Kraft zusammenhalten, um noch ein wenig zu schreiben. Eine Frucht dieser Zurückgezogenheit lege ich mit dem Werk ‹Ägerikeiten› vor.»


Andreas Iten, «Ägerikeiten. Ein Kirchturm, ein Wahllokal und Dorfprominenz», Triner Verlag, ISBN 13 978-3-908572-94-7.

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