Angebrachte Reaktion blieb aus

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Der türkische Präsident Erdogan gebärdet sich derzeit wie ein osmanischer Sultan und provoziert mit seiner Ankündigung der Rückumwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee vor allem die christliche Orthodoxie, welche in ihrer historischen Rolle als Erbin von Byzanz entsprechend konsterniert reagierte.

Dies ist insofern auch eine Provokation, als dadurch Kräfte in der Orthodoxie animiert werden könnten, ihrerseits einen erneuten Anspruch auf die Hagia Sophia zu erheben. Griechenland drohte für den Fall bereits mit Konsequenzen. Das ganze ist ein Affront gegen Europa, denn dieses durch den Byzantinischen Kaiser Justinian I. errichtete, einst grösste Bauwerk der Christenheit stellt ein nicht unwesentlicher Bestandteil abendländischer Kulturgeschichte dar. Oder bedient sich der türkische Regent der eigenen Geschichte um seinen Machtanspruch auf den ehemals islamischen Südosten Europas zu demonstrieren?

Eine der Situation angebrachte Reaktion des Vatikans indes blieb bisher aus. Papst Franziskus der sich zur Aktualität oft deutlich zu Wort meldet beliess es bei der Anmerkung dass ihn dieses Vorgehen Ankaras «sehr schmerzt», was nicht nur damit Zusammenhängen mag dass die Hagia Sophia nicht im direkten Zuständigkeitsbereich Roms, sondern der orthodoxen Ostkirchen liegt. Diese etwas lasche Reaktion ist wahrscheinlich auch darin begründet, dass diesem nicht aus Europa stammenden Papst der Bezug zur europäischen Geschichte schlicht fehlt.

Otto Rölli junior, Menzingen