Angriff auf Polizisten in Oberägeri: «Woher sie die Waffen hatte, können wir nicht sagen»

Eine 17-Jährige vom Kinder- und Jugendheim Lutisbach hat einen Polizisten mit einem Teleskopschlagstock verletzt. Der Heimleiter bezieht Stellung.

Raphael Biermayr
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Im Haus Im Ländli ist in der Nacht auf Dienstag ein Polizist am Kopf verletzt worden.

Im Haus Im Ländli ist in der Nacht auf Dienstag ein Polizist am Kopf verletzt worden.

Bild: Maria Schmid (Oberägeri, 21. Februar 2018)

Micha Portmann wurde in der Nacht auf den 3. März sehr früh aus dem Schlaf gerissen. Ein Mitarbeiter setzte den Leiter des Kinder- und Jugendheim Lutisbach in Oberägeri telefonisch über einen Polizeieinsatz im Haus Im Ländli ins Bild. Am Ende dieses Einsatzes wurden eine 17-Jährige in Untersuchungshaft genommen und ein Polizist ins Spital eingeliefert: Nach Angaben der Polizei hatte das Mädchen den Polizisten bei der Festnahme mit einem Teleskopschlagstock am Kopf verletzt.

Die Polizei war um 2.15 Uhr alarmiert worden, weil eine Betreuerin von der Jugendlichen mit einem «verbotenen Messer» bedroht worden sei, wie sie in einer Medienmitteilung schrieb. Die Betreuerin setzte den Notruf ab und informierte nach dem Vorfall den Bereichsleiter. Dieser unterrichtete schliesslich Portmann über die Geschehnisse. Er schildert: Die 17-Jährige sei in Rage geraten, weil sie spätabends in den Ausgang wollte, was ihr die Betreuerin mit Verweis auf die Regeln untersagte. Die Jugendliche habe daraufhin das Haus verlassen und sei wenig später mit dem Messer und dem Schlagstock bewaffnet zurückgekehrt, woraufhin sich die Betreuerin im Büro einschloss und ihren Kollegen aufbot. «Woher sie die Waffen hatte, können wir nicht sagen», führt Portmann aus. Die Zimmer im Haus Im Ländli würden wöchentlich inspiziert und beim Putzen zusätzlich auf verbotene Gegenstände hin untersucht.

Zuvor sei sie nicht negativ aufgefallen

Der Heimleiter sagt, die Jugendliche sei in den acht Monaten seit ihrem Eintritt nie durch Gewalt aufgefallen. «Sie ist psychisch belastet und ist freiwillig bei uns eingetreten – selbstverständlich hat sie Probleme. Aber bei uns hatte sie sich zuvor immer an die Regeln gehalten und war absolut ruhig gewesen.» Im November hätte sie zwar ein Stimmungstief erlitten und deshalb die in Aussicht gestellte Malerlehre für diesen Sommer abgesagt. In letzter Zeit hätte die 17-Jährige wieder einen stabilen und motivierten Eindruck gemacht.

Die Jugendliche wohnte im Haus Im Ländli, das vom «Lutisbach» vor zwei Jahren für die Umsetzung des Projekts «Room 4 you» angemietet wurde. Dabei werden junge Erwachsene im Alter von 16 bis 21 Jahren mit unterschiedlichen Problemen auf deren Weg zum selbstständigen Wohnen zu unterstützt. Neben der in den frühen Dienstagmorgenstunden Festgenommenen wohnen fünf weitere Jugendliche im Haus. Diese hätten sich von der Aktion der Mitbewohnerin ebenfalls erschrocken gezeigt, aber keine weiteren Hilfsmassnahmen in Anspruch nehmen wollen, sagt Portmann.

Er rechnet nicht damit, dass die Fortführung von «Room 4 you» wegen des Vorfalls diese Woche in Frage gestellt wird. «Es handelt sich um eine Erfolgsgeschichte. Alle weiteren Jugendlichen befinden sich in einer Lehre und erhalten durch unsere Strukturen Stabilität im Alltag.»

Der verletzte Polizist ist mittlerweile zu Hause

Gab es schon früher Polizeieinsätze im Haus Im Ländli? «Polizeiliche Massnahmen sind überhaupt nicht die Regel und bei seltenen Fällen von Weglaufen von Jugendlichen angezeigt», äussert sich Micha Portmann. Beim jüngsten Einsatz handle es sich «um einen absoluten Ausnahmefall», bekräftigt der Heimleiter. Die Zuger Polizei bestätigt das auf Anfrage unserer Zeitung sinngemäss. Von ihrer Seite gibt es überdies gute Nachrichten: Der angegriffene Polizist habe das Spital mittlerweile verlassen können und kuriere die Verletzung zu Hause aus.

Micha Portmann werde den Namen des verletzten Polizisten in Erfahrung bringen und sich mit ihm unterhalten, sagt er und ergänzt: «Das Ganze tut mir wahnsinnig leid.»