ANKLAGE: 15 Jahre für Dealer gefordert

Zwischen 2012 und 2014 konnten die Ermittlungsbehörden 15 Mitglieder eines Drogenhändlerrings festnehmen. Nun kommt der erste der sechs Haupttäter vor Gericht.

Christopher Gilb
Merken
Drucken
Teilen
Das Strafgericht in Zug. (Bild: Stefan Kaiser)

Das Strafgericht in Zug. (Bild: Stefan Kaiser)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Die Ermittlungen gegen einen mutmasslichen Drogenhändler sind abgeschlossen. Es handelt sich um einen 40-jährigen türkischen Staatsbürger. Die Zuger Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, zwischen 2010 und 2013 Kurierfahrten mit Heroin zwischen der Schweiz und der Türkei organisiert zu haben. Von August 2013 bis Juli 2014 sass er deshalb in Untersuchungshaft, seither befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug.

Der Mann ist einer der sechs Hauptbeschuldigten eines Drogenhändlerrings, über dessen Sprengung die Polizei die Öffentlichkeit im November 2014 informiert hatte. Es war einer der grössten Fahndungserfolge in der Geschichte der Zuger Polizei. Von Beginn der Ermittlungen gegen den Drogenhändlerring im Jahr 2012 bis zum Ende im Oktober 2014 konnten 14 Männer und eine Frau festgenommen werden, 11 davon sind Türken, 2 sind Schweizer türkischer Herkunft, einer ist Niederländer und einer Iraker. Die meisten Mitglieder der Gruppe waren im Kanton Zug wohnhaft. 55 Kilogramm Heroin mit einem hohen Reinheitsgehalt von 60 Prozent konnten bei ihnen sichergestellt werden.

Der Beschuldigte war im Hintergrund tätig

Das Heroin des Rings stammte aus Afghanistan. Es wurde in der Osttürkei in Autos geladen und über Italien in die Schweiz gefahren. Da es keinen Zwischenhandel gegeben hätte, habe mit einem höheren Gewinn gerechnet werden können. Für den Transport wurde das Rauschgift teilweise in Hohlräume der Autos eingebaut, teilweise aber auch «unverfroren und dreist» transportiert. Der 40-jährige Türke, der jetzt angeklagt werden soll, habe stets im Hintergrund agiert, über die Sicherheitsvorkehrungen entschieden, Kontakte organisiert und die Kuriere engagiert. Im Mai und im August 2013 hätten seine Kuriere rund 16 beziehungsweise 30 Kilogramm hochwertiges Heroin mit einem Marktwert von mehreren Millionen Franken in die Schweiz eingeführt. Der Angeklagte habe aber auch Drogenlieferungen innerhalb der Schweiz organisiert. So soll er über ein Kilogramm Heroin an einen Kunden in Zürich vermittelt haben. Ebenfalls beschaffte er mindestens 13 Kilogramm Marihuana und verkaufte dieses weiter. Dabei erzielte er einen Umsatz von fast 100000 Franken sowie einen Gewinn von rund 15000 Franken.

Die Haupttäter sind allesamt geständig

Den Reingewinn habe der 40-Jährige zur Finanzierung seines Eigenkonsums und zur Deckung eines Teils seines Lebensunterhaltes verwendet. «Der Beschuldigte ist schon länger in der Schweiz und im Kanton Zug wohnhaft», sagt die Mediensprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden, Judith Aklin. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug hat gegen ihn beim Strafgericht wegen mehrfacher qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz Anklage erhoben. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Zu den Gründen für diese hohe Forderung sagt Aklin: «In seinem Auftrag wurde wiederholt eine ­grosse Menge an qualitativ hochwertigem Heroin mit einem Millionenmarktwert geschmuggelt. Bei seinen Kurieren konnten 46 Kilogramm sichergestellt werden. Die Menge wie auch der Reinheitsgehalt des Betäubungsmittels sind Faktoren, welche die geforderte Strafe beeinflussen.»

Wann die Gerichtsverhandlung stattfinde, stehe noch nicht fest. Auch wann Anklage gegen die anderen Hauptbeschuldigten erhoben werde, könne sie nicht sagen. Die Ermittlungen seien weit fortgeschritten. «Es sind alle Haupttäter geständig.» Zwei der Kuriere des Rings wurden zwischenzeitlich schon verurteilt: einer im Tessin und der andere vom Zuger Strafgericht.