Anklage gegen Schwyzer Ex-Staatsanwalt Boller

Der Ende 2011 abgetretene Staatsanwalt Georg Boller muss erneut vor Gericht. Diesmal ist allerdings er der Angeschuldigte – wegen angeblicher Amtsgeheimnisverletzung.

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Gegen Georg Boller, früher Chef der Schwyzer Staatsanwaltschaft in Biberbrugg, wurde vor dem Bezirksgericht Höfe Anklage erhoben. Der Rechtsanwalt René Räber aus Küssnacht, für diesen Fall ausserordentlicher Staatsanwalt für den Kanton, hat dort seine Anklageschrift gegen Boller deponiert. «Die erstinstanzliche Gerichtsinstanz wird eine Hauptverhandlung ansetzen», liess Räber gestern in einer kurzen Medienmitteilung verlauten.

Räber hatte gegen Boller schon im vergangenen September einen Strafbefehl wegen Amtsgeheimnisverletzung erlassen. «Der Beschuldigte hat dagegen Einsprache erhoben», schrieb René Räber gestern. Aber er, Räber, habe sich entschlossen, am Strafbefehl festzuhalten und ihn dem Gericht zu überweisen. Dies nachdem er zusätzliche Erhebungen gemacht hatte, die jetzt abgeschlossen seien.
Boller war letztes Jahr ins Visier von Räber geraten. Dieser startete im Auftrag des Kantons als ausserordentlicher Staatsanwalt eine Untersuchung, weil im Zusammenhang mit den Tötungsdelikten Boi Nguyen und Lucie Trezzini verschiedene Medien aus internen Papieren zitiert hatten. Gemäss Räber wurde dabei Boller «vom ursprünglich in der Sache Befragten zum Verdächtigten». Ans Höfner Bezirksgericht geht der Fall, laut Räber, aus folgendem Grund: «Zuständig ist die Behörde am Begehungsort.» Bollers Arbeitsort ist der kantonale Sicherheitsstützpunkt Biberbrugg, und dieser liegt im Bezirk Höfe. Weitere Zusatzinformationen zur Sache gebe er keine, sagte Räber.

Bericht falsch abgelegt?

Der angeschuldigte Georg Boller verwies gestern auf seinen Anwalt Vital Schwander. Dieser, früher Schwyzer Kantonsgerichtspräsident, sagte: «An der Anklage ist nicht mehr viel dran. Der Vorwurf, der jetzt beim Gericht eingereicht wurde, beschränkt sich darauf, Georg Boller habe den Sollberger-Bericht in einem amtsinternen Verzeichnis abgelegt, wo ihn auch andere Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft eventuell einsehen konnten. Es wird Boller nicht vorgeworfen, er hätte diesen Bericht rausgegeben. Das ist vom Ganzen noch übrig geblieben. Mir scheint dies sehr wenig.»

Ergebnis unter Verschluss

Der Bericht Sollberger entstand 2009. Damals hatte die Rechts- und Justizkommission des Schwyzer Kantonsrats das Vorgehen der Schwyzer Strafverfolgungsbehörden im Tötungsfall Lucie Trezzini untersucht. Die Kommission hatte dazu den Experten Jürg Sollberger beigezogen. Am Schluss der Untersuchung behielt die Kommission Sollbergers Bericht unter Verschluss, der Kantonsrat bestätigte später diesen Entscheid.

Krach unter den Behörden

Trotz dieser Geheimhaltung konnten später verschiedene Medien aus dem Bericht zitieren. Georg Boller wurde im Bericht vorgeworfen, dass ihn «die bestehenden Probleme im Umgang der Behördenmitglieder untereinander daran gehindert haben, die Rolle des besonnenen und zurückhaltenden, erfahrenen Beraters zu übernehmen».

Bert Schnüriger