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Weggefährten würdigen die erste Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz: «Sie war mit Leib und Seele engagiert»

Annemarie Huber-Hotz, die erste Bundeskanzlerin der Schweiz, war eine Persönlichkeit, die ihresgleichen sucht. Weggefährten würdigen ihre Humanität und Herzlichkeit.
Laura Sibold
Im Juni dieses Jahres trat Annemarie Huber-Hotz als Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) zurück. Das Bild zeigt sie in ihrem Rosengarten in Baar. (Bild: Philipp Schmidli, 20. Juni 2019)

Im Juni dieses Jahres trat Annemarie Huber-Hotz als Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) zurück. Das Bild zeigt sie in ihrem Rosengarten in Baar. (Bild: Philipp Schmidli, 20. Juni 2019)

Sie war die erste Bundeskanzlerin der Schweiz und als solche auch ein Vorbild bei der Gleichstellung: Am 1. August ist Annemarie Huber-Hotz im Alter von 70 Jahren unerwartet verstorben. Auf einer Wanderung erlitt die gebürtige Baarerin im Kreis ihrer Familie einen Herzinfarkt. Huber-Hotz hinterlässt ihren Ehemann, drei Kinder, Schwiegersohn und Schwiegertochter sowie vier Enkelkinder.

Was für immer bleibt, sind die Früchte ihrer vielfältigen politischen und humanitären Arbeit. So prägte Annemarie Huber-Hotz (FDP) während dreier Jahrzehnte die Bundespolitik mit. Ab 1978 war sie in der Bundesverwaltung tätig, wurde 1992 zur Generalsekretärin der Bundesversammlung und 1999 als erste Frau zur Bundeskanzlerin gewählt. In dieser Funktion reorganisierte sie die Bundeskanzlei und unterteilte sie in die Führungsbereiche Bundesrat, Planung/Strategie, Information/Kommunikation und Interne Dienste. Unter ihrer Leitung wurden das E-Government aufgebaut und die Rechtsgrundlagen für das E-Voting geschaffen.

1992 bis 1999 war Annemarie Huber-Hotz als Generalsekretärin der Bundesversammlung tätig, kurz vor der Jahrhundertwende wurde sie zur Bundeskanzlerin gewählt. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

1992 bis 1999 war Annemarie Huber-Hotz als Generalsekretärin der Bundesversammlung tätig, kurz vor der Jahrhundertwende wurde sie zur Bundeskanzlerin gewählt. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

Im Jahr 2007 verabschiedete sich Huber-Hotz vom politischen Parkett und engagierte sich in diversen zivilgesellschaftlichen Organisationen – «eine Herzensangelegenheit», wie sie noch vor kurzem gegenüber unserer Zeitung sagte.

Sie hatte Mut, unpopuläre Schritte nicht zu scheuen

Die Betroffenheit war gross, als am vergangenen Freitag die Nachricht von ihrem Ableben bekannt wurde. Verschiedene Weggefährten würdigen ihre herausragende Arbeit, darunter alt Bundesrat Moritz Leuenberger (SP), der während über zehn Jahren mit Annemarie Huber-Hotz zusammenarbeitete: «Ich liebte Annemaries Ausstrahlung, ihre Ruhe und Gelassenheit. Neben dem Amt als Bundeskanzlerin schmiss sie den Haushalt und nahm sich Zeit für ihre Kinder. Auch für uns Mitglieder des Bundesrats war sie stets da und geriet nie in Hektik», schreibt Leuenberger auf Anfrage. Sie habe zu jenen wenigen in Bern gehört, die nicht in Parteikategorien dachten. «Annemarie Huber-Hotz bewies, dass in der Politik Mitgefühl und Sensibilität gelebt werden können. Sie war überzeugt, dass nicht nur der Staat, sondern alle sich um Benachteiligte kümmern müssen. Nach dieser Überzeugung lebte sie auch, dafür bewundere ich sie», hält Leuenberger fest.

Auch alt FDP-Bundesrat Kaspar Villiger, der in Zug wohnt, kann dies bestätigen. Annemarie Huber-Hotz habe ihr Berufsleben dem Dienst an der Gemeinschaft gewidmet.

«Mit ihrer Arbeitskraft, Intelligenz, analytischen Begabung und Führungskraft hat sie sich grosse Verdienste um unser Land erworben. Dabei blieb sie bescheiden und drängte sich nie in den Vordergrund. Sie wird nicht nur der Familie, sondern allen fehlen.»

Nach ihrem Rücktritt als Bundeskanzlerin präsidierte Annemarie Huber-Hotz bis 2011 die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG). Der ehemalige Geschäftsleiter der SGG, Herbert Ammann, findet in seinem Nachruf berührende Worte: «Annemarie, neben deiner menschlichen Wärme und deiner Bereitschaft, auch andere Positionen anzuhören oder gar zu übernehmen, beeindruckte dein Mut, auch unpopuläre Schritte nicht zu scheuen. Du hast dein Schaffen mit grossem Engagement, mit innerer Ruhe und Zuversicht in die Zukunft in den Dienst der Schweiz gestellt. Du hast die Menschen gefördert, sie verstanden und, wenn es unumgänglich war, deine kritische Stimme nicht versteckt.»

Annemarie Huber-Hotz war sehr engagiert; nicht nur beim SRK, auch bei Stiftungen und anderen Organisationen. (Bild: Martial Trezzini/Keystone, 2. Mai 2019)

Annemarie Huber-Hotz war sehr engagiert; nicht nur beim SRK, auch bei Stiftungen und anderen Organisationen. (Bild: Martial Trezzini/Keystone, 2. Mai 2019)

Ähnlich äussert sich Christine Kopp, stellvertretende Direktorin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK), welches Annemarie Huber-Hotz von 2011 bis Juni 2019 präsidierte. «Sie war mit Leib und Seele engagiert und hat die Werte Humanität sowie Hilfsbereitschaft so gelebt wie keine andere», erzählt Kopp.

Auch Zeit habe Annemarie Huber-Hotz deutlich mehr investiert, als von einer Präsidentin zu erwarten sei. «Sie konnte bei Differenzen gezielt vermitteln und hat massgeblich dazu beigetragen, dass das SRK heute enger mit seinen Kantonalverbänden und Rettungsorganisationen zusammenarbeitet. Ihre Verdienste für das SRK und ihre freundschaftliche Art können nicht genügend gewürdigt werden.» Ende Juni trat Huber-Hotz von der Funktion als SRK-Präsidentin zurück, um mehr Zeit für die Familie zu haben und sich im SRK-Kantonalverband Zug zu engagieren. Daneben war sie Vizepräsidentin der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften und baute mit ihrem Mann ein Hilfswerk in Bhutan auf.

Unermüdlicher Einsatz hinterlässt Spuren

Dazu bekleidete sie diverse Funktionen in anderen Organisationen. So war sie Präsidentin der Zuger Doron-Stiftung sowie der Stiftung Schweizerischer Bankenombudsman. Er verdanke Annemarie Huber-Hotz viel, betont Bankenombudsmann Marco Franchetti. «Sie wusste, was sie wollte und verteidigte ihre Vorstellungen selbstsicher, war aber offen für andere Meinungen. Kompetent, menschlich und wohlwollend: Das ist die Stiftungsratspräsidentin, wie ich sie erleben durfte. Ich werde sie sehr vermissen.»

Grosse Betroffenheit zeigte auch FDP-Parteikollege und alt Gemeindepräsident Andreas Hotz, der die Baarerin gut kannte. «Es hat mich beeindruckt, was Annemarie Huber-Hotz alles geleistet und in den letzten 30 Jahren erreicht hat. Seit sie vor wenigen Jahren wieder von Bern nach Baar gezogen ist, war sie auch kommunal engagiert und an Gemeindeversammlungen anzutreffen.» Annemarie Huber-Hotz hat deutliche Spuren hinterlassen, ihr unermüdlicher Einsatz für Benachteiligte hallt nach und hat sich gelohnt, wie sie selber sagte: «Jeder Mensch, dem wir helfen können, sein Leben und seine Würde zu bewahren, ist den Einsatz wert.»

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