ANPASSUNGEN: Welche Gemeinden ihre Post behalten – und welche nicht

Nun ist klar, welche Gemeinden um ihre Post bangen müssen und wo sie gesichert sind – zumindest bis 2020. Die grösste Überraschung zeigt sich dabei im Ägerital.

Zoe Gwerder
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Poststelle. (Bild: Keystone)

Poststelle. (Bild: Keystone)

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

Sie seien für die kommenden drei Jahre garantiert: acht Poststellen in den Gemeinden Zug, Baar, Cham, Hünenberg, Rotkreuz, Steinhausen und Unterägeri. Auch wenn der Entscheid, an Unterägeri festzuhalten, nachvollziehbar ist, mag dieser am meisten erstaunen. Denn aufgrund von Einschätzungen der Gewerkschaft Syndicom ging man bisher davon aus, dass die Filiale in Unterägeri gefährdet ist und jene in Oberägeri nicht. Nun ist es gerade anders herum, wie die Post in ihrer Mitteilung schreibt. Unterägeri ist bis 2020 garantiert. Oberägeri wird hingegen überprüft. «Das heisst, dass wir prüfen, wie wir das Angebot in anderer Form anbieten können», erklärt Markus Flückiger, Pressesprecher der Post.

Dass Oberägeri nun ohne Post dasteht, kommt für den Gemeindepräsidenten Pius Meier überraschend: «Wir wissen erst seit kurzem von den Plänen der Post. Nach den Sommerferien werden wir mit ihr Gespräche führen. Für uns ist wichtig, dass die Bevölkerung in Oberägeri postalisch gut versorgt ist. Darum werden wir uns vehement dafür einsetzen, dass der Standort in Oberägeri erhalten bleibt.

Unterägeri zeigt sich selbstkritisch

In Unterägeri zeigt man sich froh über den positiven Entscheid der Post, auch wenn dieser nicht überraschend kommt, wie Gemeindepräsident Josef Ribary sagt: «Wir haben bereits Gespräche diesbezüglich mit der Post geführt, wie alle Gemeinden im Kanton. Dieser Entscheid macht auch Sinn, denn wir haben hier eine gute Infrastruktur.» Trotz dieser Voraussetzungen freut er sich über den Entscheid der Post: «Ich bin glücklich und froh wie die Bevölkerung auch. Aber wir müssen ehrlich mit uns selber sein: Wer von uns war in den letzten zwei, drei Wochen in der Post und hat die Dienste genutzt? Wenn wir die Post im Dorf wollen, dann müssen wir sie auch nutzen.»

Drei Gemeinden aus dem Schneider

Die Mitteilung dürfte aber nicht nur in Unterägeri, sondern auch in Hünenberg, Steinhausen und Rotkreuz für Aufatmen sorgen: Galten doch die Poststellen dort, gemäss Einschätzungen von Syndicom, ebenfalls als Wackelkandidaten. Nun garantiert die Post ihr Bestehen für die kommenden drei Jahre.

In Menzingen sowie auch in der Stadt Zug bei der ehemaligen Hauptpost am Postplatz bestätigt die Post ihre bisherigen Aussagen. Auch hier wird geprüft, wie der Postservice anders bewerkstelligt werden könnte. Sprich als Postagentur – was neu als «Partnerfiliale bezeichnet wird –, oder mit einem Hausservice. Bei der ehemaligen Hauptpost in Zug ist seit längerem eine Partnerfiliale geplant. Bisher wurde aber noch kein Partner dafür gefunden, weshalb die Post noch immer eine reduzierte Poststelle am Postplatz führt.

Erneute Überprüfung in zwei Jahren

Die Entscheide, welche Poststellen geschlossen werden, seien nach Gesprächen mit dem Kanton und einzelnen Gemeinden gefällt worden, sagt Flückiger. In den kommenden zwei Jahren werde nun nach Lösungen gesucht. 2019 will die Post dann nochmals die Situation überprüfen. «Der Kunde von gestern ist nicht mehr der Kunde von heute», erklärt Flückiger das Vorgehen der Post. Man müsse den Markt und die gesellschaftliche Entwicklung immer wieder neu anschauen. Die Gewerkschaft Syndicom verurteilt den Entscheid der Post. Die vorgeschlagenen Lösungen seien keine echten Alternativen, schreibt sie in einer Mitteilung. Zudem werde die Politik von der Post offenbar nicht ernst genommen.

Der Entscheid der Post kommt ausgerechnet einen Tag nach der Post-Debatte im Nationalrat, in welcher dieser einen Vorstoss gegen den Poststellenabbau mit 172 zu 13 Stimmen deutlich gutgeheissen hatte (Ausgabe von gestern). Dies habe nichts miteinander zu tun, sagt Flückiger. Zu einzelnen Forderungen der Motion nehme die Post derzeit keine Stellung. «Wir warten den Beschluss des Parlaments ab», so Flückiger.

HINWEIS

Die komplette Übersicht über die Poststellen im Kanton Zug finden Sie hier.