U20
Anziehend, bis es Realität ist

Schülerin Céline Lombardi über das Verlangen nach dem, was nicht zu haben ist.

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Céline Lombardi (15), Hünenberg.

Céline Lombardi (15), Hünenberg.

«Wenn´s scho Winter isch, denn aber bitte au mit Schnee!», sagten meine Kolleginnen und ich jedes Mal, wenn wir den Schulhaustrakt wechseln mussten. Es war zwar kalt draussen, aber wirklich etwas vom Winter hatten wir nicht. Diesen Januar gab es zwar die herbeigewünschten schneebedeckten Landschaften, die anfänglich noch grossartig waren, doch dann wollten wir sie nicht mehr. Die Strassen wurden rutschig, die Züge hatten Verspätung und alles war einfach nur noch nass.

So oft hoffen wir auf etwas, das uns vorbehalten bleibt, bis es so weit ist und wir es tatsächlich vorfinden. Dann entscheiden wir uns schlagartig um. Wie kann uns etwas dermassen anziehen, aber wenn es schliesslich da ist, wünschen wir uns nichts sehnlicher, als es wieder loszuwerden? Schon merkwürdig. Solange wir es nicht haben, ist es interessant für uns; wie bei einem Kleinkind, das unbedingt diese eine Barbiepuppe möchte, dann aber doch nie damit spielt. Der Reiz, etwas zu wollen, das wir nicht selbst in die Hand nehmen können, ist enorm. Deutlich grösser, als sich mit den Folgen auseinanderzusetzen, die weniger attraktiv sind oder vielleicht gar nichts verändern. Es sind Entscheidungen, über die wir uns anfänglich keine grossen Gedanken machen, sie geschehen intuitiv.

Etwas erscheint uns ungünstig und wir ärgern uns darüber, wir wollen das Gegenteil davon haben. Und dann haben wir, was wir wollten, und erkennen erst dann die ungewollten Effekte, die sich daraus ergeben. Anders gesagt: Der Mensch passt seine Meinung den Umständen an.

Es war kein abschliessender Wunsch, den meine Kolleginnen und ich zu diesem Zeitpunkt aussprachen, vielmehr störte uns die Kälte und wir versuchten, uns diese erträglicher zu machen. Ob es in fünf Minuten noch immer unserem Bedürfnis entspricht, interessierte uns nicht. Und dann, als ich in der warmen Wohnung sass und das Schneetreiben aus einer gewissen Distanz betrachtete oder Skifahren ging, störte der viele Schnee auf einmal nicht mehr, obwohl die Strassen rutschig waren. Ich konnte die unpassenden Nebeneffekte umgehen und hatte, was ich wollte.

In der Kolumne U20 äussern sich Kantonsschüler zu einem frei gewählten Thema.