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ARBEITSLOSE: «Zug hilft anderen Kantonen»

Laut der jüngsten Statistik weist der «Boomkanton» die höchste Zahl in der Zentralschweiz auf. Warum? Regierungsrat Matthias Michel relativiert im Interview.
Wolfgang Holz
«Einen Blick in Zugs Zukunft zu werfen, bedeutet aktuell in die Kristallkugel zu schauen.» Matthias Michel, Volkswirtschaftsdirektor. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Einen Blick in Zugs Zukunft zu werfen, bedeutet aktuell in die Kristallkugel zu schauen.» Matthias Michel, Volkswirtschaftsdirektor. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Herr Michel, warum ist die Arbeitslosigkeit im Januar im Kanton Zug nicht zurückgegangen wie in den Kantonen Obwalden und Nidwalden?

Matthias Michel: Es ist korrekt, dass die Quote im Kanton Zug im Vergleich zum Dezember 2014 um 0,1 Prozent angestiegen ist. Dabei ist aber auch zu beachten, dass die Quote im Vergleich zum Januar 2014 um 0,1 Prozent gesunken ist. Zudem ist der Kanton Zug nur begrenzt mit der Wirtschaft der Zentralschweiz vergleichbar, da Zug doch eher zur Wirtschaftsregion Zürich gehört. Dort ist die Quote sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch zum Januar 2014 um 0,1 Prozent – sprich: auf 3,6 Prozent – gestiegen.

Dennoch ist es Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit in Zug mit 2,4 Prozent am höchsten in der ganzen Zentralschweiz ist. Warum ist das so – schliesslich sagen doch immer alle, die Wirtschaft in Zug boome so?

Michel: Eine Monatsabweichung von 0,1 Prozent lässt noch keine Ursachenforschung zu. Es ist aber so, dass aus bekannten Gründen wie der Frankenstärke, der Unsicherheit über die Umsetzung Masseneinwanderungsinitiative sowie der Unternehmenssteuerreform III tendenziell höhere Arbeitslosenzahlen erwartet werden für die Schweiz. Zu erwähnen bleibt, dass die monatliche Arbeitsmarktstatistik nur eine Momentaufnahme ist und kein Abbild des attraktiven Lebens- und Wirtschaftsraums darstellt. Über Jahre hinweg zeigt sich die wirtschaftliche Potenz von Zug darin, dass wir rund ein Prozent tiefere Arbeitslosenzahlen haben als im Durchschnitt der Schweiz.

Da ist Zug aber nichts Besonderes. Alle Zentralschweizer Kantone weisen tiefere Arbeitslosenzahlen als der Schweizer Durchschnitt auf. Aber warum steht Zug schlechter da als alle anderen Zentralschweizer Kantone?

Michel: Erstens gehört der Kanton Zug zum Wirtschaftsraum Zürich, zweitens hat der Kanton Zug mit 104 000 Arbeitsplätzen bekanntlich eine sehr hohe Arbeitsplatzdichte – davon werden 36 000 Ar­beitsplätze von ausserkantonalen Zupendlern besetzt. Ein grosser Teil davon kommt von den anderen Zentralschweizer Kantonen, welche mehr Weg- als Zupendler haben. Insofern hilft Zug, die Arbeitslosenzahlen der anderen Zentralschweizer Kantone gering zu halten.

Welche sind denn die attraktiven Branchen in Zug, welche die Branchen, die eher rückläufig sind?

Michel: Zu den Wachstumsbranchen langfristig zählen sicher IT und Life Science. Andererseits handelt es sich um saisonale Branchen, die eher rückläufig sind, wie der Bau, Handel und Verkauf sowie das Gastgewerbe.

Gibts in Zug denn noch Wachstumschancen im gewerblichen Sektor?

Michel: Der Wirtschaftsraum Zug entwickelt sich im Vergleich zur Schweiz seit langem überdurchschnittlich dynamisch. Der Kanton Zug bleibt aber abhängig von den gesamtschweizerischen Rahmenbedingungen. Vielen ist indes nicht bekannt, dass der starke industrielle Sektor im Kanton Zug annähernd so gross wie der Schweizer Durchschnitt ist – insbesondere in den Bereichen Elektronik, Medizinaltechnik, Präzisionstechnik und Haustechnik. Der Zuger Gewerbeverband versteht sich ja als Verband der KMU – und ich bin überzeugt, dass sich in Zukunft gerade kleine und mittlere Unternehmen, die agiler sein können als grosse, aufgrund der geforderten Flexibilität behaupten. Dabei wird das klassische Gewerbe auch in Zukunft in Zug von der Präsenz der Vielfalt und Qualität von grösseren, auch internationalen Unternehmen profitieren, weshalb ich auch für das Gewerbe zuversichtlich bin – immer unter Vorbehalt der allgemeinen wirtschaftlichen Lage.

So weit so gut. Wie hat sich der Arbeitsmarkt eigentlich in den vergangenen Jahren verändert?

Michel: Die aktuellsten statistischen Erhebungen basieren auf den Zahlen des Jahres 2011. Eine grosse Veränderung hat gemäss unserer Erfahrung in den letzten Jahren nicht stattgefunden. Im Kanton Zug gab es 104 000 Beschäftigte oder 85 000 Vollzeitäquivalente. Das Beschäftigungswachstum fiel zwischen 2008 und 2011 im Kanton Zug mit 4,8 Prozent überdurchschnittlich aus – in der Schweiz waren es nur 1,9 Prozent. Aus der gleichen Zeit stammt auch die Feststellung, dass sowohl das produzierende Gewerbe und die Industrie sowie die Dienstleistungen im Kanton Zug um 5 Prozent gewachsen sind. Das Wachstum im zweiten Sektor betrug gesamtschweizerisch dagegen nur 3 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass sich bisher auch der zweite Sektor in Zug zu behaupten vermag.

Inwieweit ist die Arbeitsmarktstatistik noch Ausdruck für Qualität und Wachstum eines Wirtschaftsstand­ortes?

Michel: Der Arbeitsmarktstatistik kam früher eine höhere Bedeutung zu. Heute verwischen sich die internationalen und insbesondere die Kantonsgrenzen immer mehr. Die Arbeitsmarktstatistik kann heute zwar schon noch Ausdruck für die Qualität und/oder das Wachstum eines Wirtschaftsstandortes sein. Allerdings muss diese Statistik über längere Zeit beobachtet und verglichen werden. Werden nur einzelne Monate oder einzelne Kantone miteinander verglichen, ist die Aussagekraft sehr dürftig.

Und wie sieht die Zukunft Zugs aus?

Michel: Einen Blick in die Zukunft zu werfen, bedeutet aktuell einen Blick in die Kristallkugel werfen. Die Prognosen des BAK Basel waren im Oktober 2014 noch sehr positiv. Für den Kanton Zug wurde ein Wachstum beim BIP von 3 Prozent erwartet – für die ganze Schweiz 1,9 Prozent, bei den Erwerbstätigen ein Plus von 1,7 Prozent – für die ganze Schweiz 1,1 Prozent. Derzeit kann aber nur begrenzt auf Prognosen aus dem Oktober 2014 abgestellt werden. Nach der Aufhebung der Kursbindung Euro/Schweizer Franken befindet sich vieles im Umbruch, deren Auswirkungen noch nicht abzuschätzen sind.

Interview Wolfgang Holz

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