ARBEITSMARKT: Auf der Suche nach einem Job

Ältere Arbeitslose haben es schwer, wieder eine Stelle zu finden. Die SP fragt nun, was der Kanton Zug gegen diese Entwicklung tut.

Wolfgang Holz
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«Arbeitslose ältere Personen sind einem höheren Risiko ausgesetzt.» Bernhard Neidhart (Bild: Neue ZZ (Archiv))

«Arbeitslose ältere Personen sind einem höheren Risiko ausgesetzt.» Bernhard Neidhart (Bild: Neue ZZ (Archiv))

Er hat lange nach einer Stelle gesucht: Roman B. aus Baar. «Zeitweise habe ich mich nur noch zu Hause vergraben.» Der 56-jährige Logistiker mit technischem Hintergrund führt dies vor allem auf sein Alter zurück. Wenn es zu einer Antwort auf seine Bewerbung und zum direkten Kontakt mit einem potenziellen Arbeitgeber kam, wurde die Ablehnung begründet mit: «Sie passen nicht ins Team, sie wären ja 20 Jahre älter als ihr Chef.» Dabei hätte ihn ein junger Chef nie gestört. Was er an einem Vorgesetzten schätze, sei eher Kompetenz als Alter. Durch das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum Zug (RAV) bekommt Roman B. schliesslich doch noch einen neuen Job. «Das hat mir gutgetan. Es ist schön, nur schon am Morgen aufzustehen und zur Arbeit gehen zu können.» Roman B. hat Glück gehabt.

«Doch seit einiger Zeit weht Personen im Alter 50 plus, die aus dem ersten Arbeitsmarkt hinausfallen, ein eisiger Wind ins Gesicht», postuliert die SP-Fraktion in einer Interpellation an den Zuger Regierungsrat. Grund für diesen politischen Vorstoss der SP ist die neuste Sozialhilfestatistik 2013 des Bundesamts für Statistik. Ihre Sorge: Seit 2005 sei bei Personen über 45 Jahren das Sozialhilferisiko um 13 Prozent gestiegen. Mittlerweile gehöre ein Viertel aller Sozialhilfebezüger in der Schweiz dieser Alterskategorie an. Und die Zahl der Sozialhilfebezüger zwischen 46 und 64 nehme am stärksten zu. Grund: Wer bei der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert sei, lande bei der Sozialhilfe.

Was tut die Regierung für 50 plus?

Deshalb will die SP-Fraktion nun vom Zuger Regierungsrat im Rahmen von acht Fragen wissen, wie dieser die Situation der älteren Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt und die Auswirkungen einschätzt. Darüber hinaus loten die Linken aus, welche Massnahmen für Arbeitslose 50 plus bereits veranlasst wurden, und was der Regierungsrat zu tun gedenkt, um der Arbeitslosigkeit von älteren Arbeitnehmern Einhalt zu gebieten.

Noch hat die Regierung die Interpellation nicht beantwortet. Doch Bernhard Neidhart, Leiter des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit, klärt über die Situation von älteren Arbeitnehmern im Kanton Zug auf. «Gemäss einer aktuellen Statistik vom Staatssekretariat Seco liegen die verschiedenen Altersgruppen betreffend der Arbeitslosenrate schweizweit relativ nahe zusammen», sagt er. Will heissen: Bei den 15- bis 24-Jährigen liegt die Arbeitslosenrate per Ende Juli dieses Jahres bei 3 Prozent, bei den 25- bis 49-Jährigen bei 3,2 Prozent und bei der Altersgruppe 50 plus bei 2,8 Prozent. «Ähnliche Werte gelten auch für Zug.» Neidhart räumt allerdings ein, dass «arbeitslose, ältere Personen tatsächlich einem höheren Risiko ausgesetzt sind als die jüngeren Arbeitslosen, langzeitarbeitslos zu werden». Sprich: über ein Jahr lang keine Arbeit zu haben.

Einarbeitungszuschüsse

Dabei gibt es laut Neidhart zwei unabhängige, schweizerische Studien, die eine ähnlich lautende Schätzung postulieren. «Und zwar, dass ein Drittel der Ausgesteuerten wieder eine Stelle hat, ein Drittel ausgesteuert wird und in der Sozialhilfe auftaucht und ein Drittel für die Behörden nicht greifbar ist, weil diese Personengruppe sich aufs private Netzwerk abstützt.»

Was können aber 50-plus-Arbeitslose im Kanton Zug konkret tun? Neidhart: «Neben Massnahmen, die altersunabhängig sinnvoll sein können – wie allgemeine Informationen einzuholen, Bewerbungskurse und Berufsberatung zu besuchen –, offeriert der Kanton das spezielle Angebot ‹Energy 45+›». Zudem kenne das Arbeitslosenversicherungs­gesetz eine spezielle Massnahme, nämlich Einarbeitungszuschüsse. Wobei abgestuft degressiv während maximal eines Jahres ein Teil der Lohnkosten übernommen werden kann. «Diese Massnahme ist für Leute, die eine überdurchschnittliche Einarbeitungszeit am neuen Job benötigen. Dabei ist das Alter oft ein mitentscheidendes Kriterium.»

Wolfgang Holz

Die Stellensuche ist eine Herausforderung. (Symbolbild Neue LZ (Archiv))

Die Stellensuche ist eine Herausforderung. (Symbolbild Neue LZ (Archiv))