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ARBEITSMARKT: Hunderte von Bewerbungen

Wenn sie im Job stehen, sind sie meist sehr begehrt: Arbeitnehmer über 50. Suchen sie indes eine Stelle, sieht die Sache ganz anders aus. Auch in Zug.
Wolfgang Holz
Manuela von Arx, Leiterin RAV Zug: «Ein Patentrezept gibt es nicht.» (Bild: PD)

Manuela von Arx, Leiterin RAV Zug: «Ein Patentrezept gibt es nicht.» (Bild: PD)

Wolfgang Holz

«Ich wurde vor drei Jahren arbeitslos wegen Betriebsschliessung. Ich bin jetzt 63 Jahre alt und habe 300 Bewerbungen geschrieben – und nur Absagen bekommen, wenn überhaupt», sagt ein Baarer verzweifelt. Sein Sohn habe zwar eine eigene Softwarefirma – in der könne er aber nicht arbeiten, weil er ja 30 Jahre lang in der industriellen Produktion gearbeitet habe. Was tun?

17 Prozent der Zuger Arbeitslosen

Der Schweiz gehen bekanntlich die Fachkräfte aus. Wie Avenir Suisse jüngst vorgeschlagen hat, sollen nun die älteren Arbeitnehmer über 50 ran, um diese Lücke auf dem Arbeitsmarkt zu schliessen. Wie eine jüngste Umfrage dieser Zeitung unter Zuger Betrieben ergeben hat, werden diese in zahlreichen Betrieben eigentlich sehr geschätzt. Ganz anders sieht es aus, wenn jemand über 50 seine Stelle verloren hat und einen neuen Job braucht. Besagter Baarer ist in diesem Zusammenhang kein Einzelfall. 431 Personen zwischen 50 und 65 Jahren waren im Dezember 2014 im Kanton Zug arbeitslos. Das sind rund 17 Prozent der Zahl der gesamten Arbeitslosen (2542) im gleichen Monat. Wobei sich diese Zahl in den letzten Monaten auf gleich hohem Niveau befindet. Nur die Altersgruppe von Arbeitslosen zwischen 25 und 49 Jahren liegt deutlich darüber: Mit 891 Personen machen sie knapp 30 Prozent in der Zuger Arbeitslosenstatistik aus.

Vernetzen und weiterbilden

«Stellensuchende über 50 haben es schwerer, eine Anstellung zu finden», sagt Manuela von Arx, Leiterin der Regionalen Arbeitsvermittlung in Zug (RAV). Gründe für die schwierige Suche sind aus ihrer Sicht unter anderem die finanzielle Kalkulation, die Unternehmer vor der Einstellung einer solchen Person treffen. «Daher werden oft jüngere Arbeitnehmer bevorzugt.»

Aufgrund ihrer langjährigen Berufs- sowie ihrer Lebenserfahrung und ihres Know-hows seien Arbeitnehmer über 50 eine wertvolle Bereicherung für ein Unternehmen. «Dies verlangt Offenheit von Unternehmern», meint die RAV-Leiterin. Andererseits müssten 50-Jährige sich mit einer gezielten Eigenwerbung «verkaufen». Wichtig sei es auch, sein Netzwerk zu nutzen und sich aus- und weiterzubilden. «Der Besuch von branchenspezifischen Veranstaltungen sowie solche der Zuger Wirtschaftskammer erhöhen durch Kontakterweiterung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt», so von Arx. Zudem könne die RAV Einarbeitungszuschüsse von bis zu sechs Monaten gewähren, das heisst, die Lohnkosten könnten von der Arbeitslosenversicherung teilweise mitfinanziert werden. «Ein Patentrezept gibt es nicht.»

Laut Gabriel Fischer von Travailsuisse liegt aber die Hauptverantwortung für eine verstärkte Beschäftigung der Generation 50 plus nicht nur auf Seiten der Arbeitnehmer. «Die Unternehmen müssten schon früher im Betrieb damit beginnen, die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter auf eine breitere Basis zu stellen – denn wenn jemand, egal in welcher Branche, 20 Jahre und länger in einer speziellen Nische arbeitet, ist es natürlich klar, dass es für ihn schwierig ist, sich von jetzt auf nachher anderswo zu bewerben.» Aus seiner Sicht haben Unternehmer vielfach Hemmungen, ältere Arbeitnehmer einzustellen. «Dass jemand zu teuer sein soll, halte ich für eine Scheinargumentation.» Doch in diesem Punkt widerspricht ihm Roland Staerkle, Vize-Präsident des Gewerbeverbands Kanton Zug, klar. «Die finanzielle Belastung inklusive Sozialkosten für Unternehmer bei Arbeitnehmern über 50 ist generell sehr hoch.» Fehlende Weiterbildung und gesundheitliche Faktoren könnten weitere entscheidende Einflüsse dafür sein, jemanden über 50 nicht einzustellen. «Die Fachkompetenz und langjährige Berufserfahrung können gegenüber den teils sehr hohen finanziellen Forderungen oder Ansprüchen der Arbeitssuchenden keinen Jobanspruch garantieren», so Staerkle. Hier müsste auch ein Umdenken der Arbeitsuchenden stattfinden. Starker Tobak.

Der Druck der Diplome

Reinen Wein schenkt Beat Hug ein, Geschäftsführer der Zuger Personal Kolin AG, die Temporär- und Fachkräfte vermittelt. «Unter Arbeitnehmern der Generation 50 plus sind eben nur noch hoch qualifizierte Spezialisten gefragt.» In Zug seien dies etwa Wirtschaftsprüfer, Ingenieure, Steuerexperten, Treuhandfachleute, aber auch diplomierte Bauleiter. «Das Problem heutzutage ist vielfach eben, dass fast in jedem Job ein Diplom verlangt wird.» Deshalb sei Weiterbildung unbedingt nötig. Hug: «Oder man ist so flexibel und nimmt als ältere Person Teilzeitstellen wahr – oder geht ins Gastgewerbe.»

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