ARCHÄOLOGIE: Ötzi und das Zuger Beil

Im Kanton Zug gab es im vergangenen Jahr einige sensationelle Funde. Gleichzeitig wird auf Sparmassnahmen hingewiesen.

Carina Blaser
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Die Überbleibsel des Kupferbeils, das aus einer Pfahlbausiedlung in der Riedmatt stammt. (Bild: Maria Schmid (Zug, 22. Januar 2017))

Die Überbleibsel des Kupferbeils, das aus einer Pfahlbausiedlung in der Riedmatt stammt. (Bild: Maria Schmid (Zug, 22. Januar 2017))

Carina Blaser

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Wer früher einmal im inzwischen geschlossenen Restaurant Taube essen ging, dem ist die Szenerie bestens vertraut. Dass man sein Nachtessen aber gerade in einem historisch wertvollen Raum eingenommen hat, war wohl niemandem bewusst. Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie klärte am Sonntagnachmittag einmal mehr auf, und Stefan Hochuli stärkte mit seinem Team das Bewusstsein der interessierten Anwesenden für die Geschichte des Kantons. Das Restaurant Taube an der Unteraltstadt 26 zeugt nämlich gleich von zwei grossen Katastrophen, welche die Zuger Altstadt heimsuchten. 1300 wurde der links gelegene, seeseitige, ältere Teil des Gebäudes aus Steinen erstellt. Dieser Teil weist Abbrüche auf, die von der Zuger Seekatastrophe von 1435 zeugen. Zwischen dem nun zusammengelegten Haus lag früher ein Abwassergraben. Angrenzend dazu fand sich ein komplett aus Holz gebautes Gebäude von 1372. Dieses Baudatum weist indirekt auf eine zweite Katastrophe hin. Hochuli und sein Team gehen von einem riesigen Stadtbrand aus, welcher 1371 unzählige Bauten zerstörte und so Neubauten in den nachfolgenden Jahren zur Folge hatte. Auf einer Karte wird ersichtlich, dass die Verteilung der Neubauten – unter anderem der rechte Teil des Restaurants Taube – auf eine grossflächige Zerstörung durch das Feuer hinweist.

Die vielen Obdachlosen aufgrund des Seeabbruchs von 1435 hatten schlussendlich den Bau von Notunterkünften zur Folge. Diese entstanden ausserhalb der Stadtmauern. Innerhalb von 50 Jahren wurde die Altstadt Zug um ein Vielfaches erweitert. Später wurden dann die Stadtmauern vergrössert, sodass auch die Neubauten wieder zur Stadt gehörten. Beeindruckend sind die unzähligen Funde der Bauforschung. Das Füllmaterial der alten Gebäude wird während der Bauuntersuchung jeweils säuberlich gesiebt. Aus Bodenritzen dieser alten Häuser stammen sensationelle Schätze. Es finden sich Schmuckstücke, Jasskarten, Münzen und andere wertvolle Gegenstände unter den Fundstücken. «Leider werden wir einen grossen Teil unserer Arbeit in Zukunft nicht mehr leisten können», so Stefan Hochuli. Wenn die Finanzpolitik des Kantons Zug weiterhin an diesen Stellen spare, werde die betriebene ­Arbeit und Forschung drastisch leiden. So werden bereits heute beispielsweise gefundene Fischreusen, die mit ihren Herstellungsdetails einzigartig sind und aus einer vergangenen Siedlung zwischen Früh- und Spätmittelalter am Bibersee stammen, nicht erhalten, sondern nach ihrer Dokumentierung entsorgt. Für eine Konservierung fehle schlichtweg das Geld, erklärte Hochuli.

Seltener Fund in Oberwil

Der Schluss des Vortrages wird mit zwei Sensationen abgerundet. Ötzi hat für sein Beil wohl am selben Ort sein Kupfer bezogen wie die Person, welche das im Kanton Zug gefundene Kupferbeil auf sich trug. «Unser Zuger Beil steht also in direkter Verbindung mit Ötzi, dem Tutanchamun Europas», so Hochuli. Das Material beider Beile stammt aus Ligurien (Italien) und ist praktisch identisch. Eine weitere Sensation ist eine Scheibenfibel. Eine absolute Seltenheit, gefunden in Oberwil, auf der sehr wahrscheinlich ein Löwe abgebildet ist. Das Jahr 1000 ist eine archäologisch sehr dünn abgedeckte Zeit, umso eindrücklicher dieser Fund. Solche Fibeln jener Zeit lassen sich nur noch vereinzelt in Deutschland, Frankreich, Slowenien oder Schweden finden, was gemäss Hochuli auf Wikingerraubzüge hinweisen kann.