ARCHÄOLOGIE: Sensation: Mammutfund in Zug

Ein Stosszahn und mehrere Knochen: Das ist bei Bauarbeiten in Rotkreuz zum Vorschein gekommen. Die Fundstücke stammen wohl von einem echten Riesen.

Samantha Taylor
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Rund 1,90 Meter lang ist der Stosszahn des Mammuts. Im Bild: Grabungsleiter Jochen Reinhard beim Vermessen des Zahns. (Bild PD/ Res Eichenberger)

Rund 1,90 Meter lang ist der Stosszahn des Mammuts. Im Bild: Grabungsleiter Jochen Reinhard beim Vermessen des Zahns. (Bild PD/ Res Eichenberger)

Mammut gefunden: Was klingt wie eine Abenteuergeschichte ist in Wirklichkeit ein sensationeller Fund. Ein Fund, der vor kurzem in Rotkreuz gemacht wurde. Ganz zufällig, bei Bauarbeiten auf dem Areal der Roche. Der Grosskonzern baut an seinem Standort in Rotkreuz ein weiteres Gebäude. Den Bau 12, in dem rund 400 Büroarbeitsplätze untergebracht werden. Seit einiger Zeit sind nun die entsprechenden Aushubarbeiten im Gang. Und mitten beim Baggern sind die Arbeiter auf die Überreste des Tieres gestossen. «Wir haben die Arbeiten sofort unterbrochen und uns sogleich beim zuständigen Amt gemeldet», sagt Annette Luther, General Manager bei Roche.

Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie staunte nicht schlecht, als es nach Rotkreuz ausrückte. Denn im Boden fanden sich ein Mammutstosszahn sowie mehrere Knochenteile, die vermutlich ebenfalls von dem Riesen stammen. Die Funde seien hart und kompakt und in einem verhältnismässig sehr guten Zustand. «Der Stosszahn weist noch eine Länge von 1,90 Metern auf. Ursprünglich war er wohl deutlich über 2 Meter lang», sagt Renata Huber, stellvertretende Abteilungsleiterin beim Amt für Denkmalpflege und Archäologie. Und auch die anderen Teile weisen eine eindrückliche Grösse auf. Das Fragment der Beckenschaufel etwa misst in der Länge rund 70 Zentimeter. «Die Fundstücke sind sehr gross. Für uns, die sonst eher Knochen von Rindern, Hirschen oder vielleicht einmal einem Menschen finden, ist das schon speziell.»

20 000 Jahre alt

Die Funde stammen laut Renata Huber vom Ende der letzten Eiszeit. Mit anderen Worten die Knochen sind wohl rund 20 000 Jahre alt. «Das ist erst eine sehr ungefähre Zahl.» Für genauere Datierungen seien weitere Untersuchungen nötig», so die Archäologin. «Das Tier oder die Tiere dürften gemäss einem Geologen, der auf der Baustelle war, relativ nahe am sich zurückziehenden Gletscher gestorben sein», erklärt Huber weiter.» Die Knochen seien nach der Verwesung wohl noch leicht vom Schmelzwasser auseinandergetrieben und dann im Material, das der Gletscher transportiert habe, einsedimentiert worden. Der Rotkreuzer Fund sei aus mehreren Gründen sehr speziell, freut sich Huber. «Ganz grundsätzlich sind Mammutfunde etwas Seltenes.» Der letzte Fund wurde im Kanton Zug vor 50 Jahren gemacht. Ausserdem komme es kaum vor, dass man derart gut erhaltene Knochenteile finde. «Rar sind sie vor allem deshalb, weil die Knochen häufig durch Schmelzwasser richtiggehend mitgerissen und im Geröll der Flüsse zertrümmert worden sein dürften. Am häufigsten finden sich deshalb Zähne. Die sind auch besonders widerstandsfähig», erklärt Huber begeistert.

Ob es sich bei dem Tier um ein Männchen oder ein Weibchen handelt und wie gross das Mammut war, kann Huber derzeit noch nicht sagen. Die Spezialisten sind an der Auswertung. Doch auch für die Zuger Archäologen ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen. «Wir begleiten die Baggerarbeiten, bis die Fundschicht fertig ausgebaggert ist, und bergen allfällige weitere Funde. Eine eigentliche Grabung findet aber nicht statt, da es sich nicht um ein Skelett im anatomischen Verband handelt. Die Bauarbeiten werden gemäss heutigem Kenntnisstand nicht verzögert», so Huber.

Wettbewerb für einen Namen

Bei der Roche freut man sich über den spektakulären Fund. «Unsere Mitarbeiter sind ganz begeistert», berichtet Annette Luther. Man habe einen internen Wettbewerb gestartet, um einen Namen für das Tier zu finden. Und es seien über 100 Vorschläge eingegangen. Nächste Woche wird der Sieger gekürt. Luther: «Und wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn wir den Stosszahn mal als Leihgabe in unserem neuen Gebäude ausstellen dürfen.»

Vorläufig werden die Funde im Amt für Denkmalpflege und Archäologie im Wasser kühl gelagert. Danach werden sie genau untersucht, dokumentiert und datiert. Später gehen sie ans Museum für Urgeschichte(n), wo entschieden wird, wie sie konserviert und ausgestellt werden.